1. FC Kaiserslautern
„Ich wusste, dass ich den Ball reinmache“: Spieler erinnern im Podcast an FCK-Pokalsieg 1996
Martin Wagner hat den Moment noch gut vor Augen. „Plötzlich hatte ich eine Eingebung, nämlich dass ich den Ball reinmache“, erinnert er sich im RHEINPFALZ-Podcast „Lautre“. Wagner, inzwischen 58 Jahre alt, sitzt da nahe seiner Heimat Offenburg an einem Tisch und blickt zurück an jenen Moment, den viele Fans des 1. FC Kaiserslautern bis heute feiern.
Damals, am 25. Mai 1996, macht Wagner den FCK bis heute zum letzten Mal zum DFB-Pokalsieger. Bei einem Freistoß jagt er den Ball durch die Beine von Dirk Schuster, damals Verteidiger des Karlsruher SC und durch die von Claus Reitmaier im Tor der Badener. „Ein doppelter Beinschuss“, sagt Wagner und grinst. Das Tor reicht am Ende, ein weiterer Treffer fällt nicht. Als der FCK, knapp 30 Jahre später, Mitte März 2026 den alten Rivalen aus Karlsruhe 3:0 auf dem Betzenberg bezwingt, erinnert die Westkurve mit einer beeindruckenden Choreographie an jenen Moment. „Trotz der Zweiten Liga, deutscher Pokalsieger 1996 – FCK“, singen sie seit jenem Maiabend im Berliner Olympiastadion immer wieder.
Denn 1996 steht nicht nur für den Pokalsieg, sondern auch für den ersten Abstieg aus der Fußball-Bundesliga in der so stolzen Geschichte der Roten Teufel. Eine Woche vor dem Finale ist nach dem 1:1 in Leverkusen das Schicksal des FCK besiegelt. Legendär ist das Interview nach dem Spiel, das die beiden Weltmeister von 1990, Andreas Brehme und Rudi Völler, im Fernsehen geben. Die 2024 verstorbene FCK-Legende Brehme kann sich von Weinkrämpfen geschüttelt kaum auf den Beinen halten. Völler, gerade mit Leverkusen dem Abstieg entgangen, stützt seinen einstigen WM-Kollegen und schaut fast ein wenig verlegen in die Kamera.
„Das war eine schwierige Situation für den Verein und das Umfeld“, sagt Thomas Hengen, heute Geschäftsführer der Roten Teufel bei „Lautre“. In drei Sonderfolgen des RHEINPFALZ-Podcasts blicken unter anderem er und Wagner auf dieses Saisonfinale vor etwas mehr als 30 Jahren zurück. Ein Bild vom Tag des Abstiegs zeigt den damals jungen Verteidiger auf dem Rasen in Leverkusen kniend, das Gesicht in den Händen vergraben. „Die Saison war ein einziges Auf und Ab, auch für mich persönlich. Mal stand ich auf dem Platz, mal saß ich auf der Bank, mal auf der Tribüne“, erinnert sich Hengen, der nach der Spielzeit 1995/96 seinen Jugendklub in Richtung Karlsruher SC verlassen sollte. „Im Winter war mir frühzeitig mitgeteilt worden, dass mein Vertrag nicht verlängert wird. Das war eine schwierige Situation für mich“, sagt Hengen rückblickend.
Am Ende der Saison folgt dann bekanntlich der Abstieg des FCK. Zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte. Mit der alten Zwei-Punkte-Regel wäre übrigens nicht der FCK abgestiegen, sondern der FC St. Pauli. Bis zur Saison 1994/95 hatte es für einen Sieg zwei Zähler gegeben, nach der Sommerpause dann drei. Und so reichen die 18 Unentschieden am Ende nicht für den FCK.
Nach dem besiegelten Abstieg gilt es für die FCK-Spieler noch, das Pokalfinale gegen Hengens künftigen Arbeitgeber, den KSC, zu bestreiten. „Wir haben uns gefragt, wie die Leute auf uns reagieren“, erinnert sich Wagner an die Momente vor dem ersten Training nach dem entscheidenden Spiel in Leverkusen. „Wir hatten ein mulmiges Gefühl in der Kabine. Aber wir sind dann raus und da waren 2000 oder 3000 Menschen, die uns gefeiert haben.“
Mit dieser Unterstützung ging es dann nach Berlin. „Die Atmosphäre dort ist immer speziell. Wir durften es ja 2024 noch einmal erleben. Das Flair vom deutschen Wembley. Das ist einfach toll“, sagt Hengen. Aber wie ist die Stimmung in der Kabine, nachdem zwar ein Titel gewonnen wurde, man aber auch abgestiegen ist? „Gedämpft. Man kann nicht in der Woche zuvor das Schlimmste erleben, was in der Vereinsgeschichte passiert ist und dann ausgelassen feiern“, sagt Wagner.
Und so geht es 1996/97 in die Zweite Bundesliga – und in den Europapokal der Pokalsieger. Da ist aber schon in Runde eins gegen Roter Stern Belgrad Schluss. In der Zweiten Liga steht der FCK am Saisonende als Meister fest – und landet 1997/98 sensationell als Aufsteiger auch im Oberhaus auf Platz eins. „Ohne den Abstieg wäre die Meisterschaft nicht möglich gewesen“, ist sich Wagner sicher.
