Germersheim
Luftwaffenausbildungsbataillon: Hört nun auf Wirths’ Kommando (Bildergalerie)
„Luftwaffenausbildungsbataillon hört auf mein Kommando! Luftwaffenausbildungsbataillon, still gestanden!“ Um 14.57 Uhr war es am Dienstag für Oberstleutnant Frank Wirths soweit. Kurz nachdem sein Vorgänger, Oberstleutnant Christian Zerau, seine Kommandogewalt über das in der Germersheimer Südpfalz-Kaserne stationierte Luftwaffenausbildungsbataillon an den Kommandeur bodengebundene Verbände, Brigadegeneral Arnt Kuebart, zurückgegeben hatte, reichte es dieser an Wirths weiter. Viele Gäste aus Politik, Verwaltung und Gesellschaft hatten auf der Ehrentribüne Platz genommen, um, ebenso wie einige Zaungäste, Bürger, das militärische Zeremoniell der Kommandoübergabe zu beobachten.
Bei Sonnenschein, leichtem Wind und angenehmen Temperaturen marschierten rund 420 Soldatinnen und Soldaten aus Germersheim und dessen Außenstandort Roth in „unser Wohnzimmer“ wie ein Redner des Bataillons den Stadtpark Fronte Lamotte in Germersheim bezeichnete.
Nach dessen Aussage fielen in Zeraus eineinhalb Jahre als Kommandeur 14 Gelöbnisse, die Ausbildung von 3351 Rekruten und 1896 Soldaten für den Auslandseinsatz sowie von 50 ukrainischen Soldaten, die für den Krieg in ihrer Heimat gegen Russland ausgebildet wurden. Zudem habe sich das Bataillon etwa beim Rheinland-Pfalz-Tag in Neustadt präsentiert und den Objektschutz unterstützt. „Er kämpfte wie ein Löwe und gab keinen Fußbreit Platz“, wenn es um die Infrastruktur an den Standorten ging, sagte der Redner über Zerau.
General: Es braucht Soldaten
Dass die Kommandoübergabe mitten in Germersheim stattfindet, ist für General Kuebart „etwas ganz Besonderes“. „Die Soldaten sind von zentraler Bedeutung für die Sicherheit und gehören daher in den Mittelpunkt der Gesellschaft.“ Denn alle modernen Kampfmittel und Ausrüstungsgegenstände seien bedeutungslos ohne die Menschen, die Verantwortung übernehmen. Bei der Ausbildung der jungen Rekruten sei das Bataillon von besonderer Bedeutung. Angesichts der veränderten Sicherheitslage und der damit gestiegenen Bedeutung der Truppe bedürfe es bei dieser neuer Strukturen, veränderter Verfahren und fortentwickelter Ausbildungsinhalte.
In diese Zeit des Umbruchs ist laut Kuebart die Zeit von Kommandeur Zerau gefallen. Hinzugekommen sei der Aufwuchs des Bataillons. In diesem habe Zerau „viele Entwicklungen maßgeblich geprägt“. Er habe Missstände benannt, aber auch Verbesserungsvorschläge unterbreitet und diese adressiert, teilweise direkt in Berlin und Bonn. Kuebart attestierte Zerau ein vorausschauender, fordernder und kommunikativer Kommandeur gewesen zu sein. In sein Lob schloss er aber auch die Leistung der Mitglieder des Bataillons ein, die neben ihren sonstigen Aufgaben auch in den Aufbau eines zweiten Luftwaffenausbildungsbataillons eingebunden seien.
Auf der anderen Flurseite
Kuebart sieht Wirths „auf seine Aufgabe bestens vorbereitet“. So habe der neue Kommandeur in seiner vorherigen Verwendung die Veränderungen bei der Luftwaffe und insbesondere auch im Bataillon „unmittelbar mitverfolgt“. Beim anschließenden Empfang für geladene Gäste im Bürgerhaus ergänzte der General, dass er Wirths bereits seit zwei Jahren gut kennt, weil dieser beim Luftwaffentruppenkommando in Köln das Büro gegenüber hatte. Zuletzt sei Wirths aber auf einem mehrwöchigen Einsatz der Vereinten Nationen gewesen.
„Ich war von Beginn an so stolz, Kommandeur des einzigen Luftwaffenausbildungsbataillons werden zu dürfen“, sagte Zerau. Es sei eine herausfordernde Zeit gewesen, in der es galt, in jedem Quartal mehr Soldaten auszubilden und noch mehr Kapazitäten vorzuhalten. Dass die Stimmung gut geblieben sei, habe ihn selbst verwundert, sagte Zerau launig. Habe es doch gegolten, zugunsten von mehr Grundausbildung die Vorbereitung auf Auslandseinsätze zu reduzieren. So hätten gestandene Stabsfeldwebel, die bisher Soldaten auf Kampfeinsätze vorbereitet hätten, plötzlich jungen Rekruten unter anderem beibringen müssen wie man Schuhe bindet.
Düsenjets übertönen Militärmusik
Kurz vor 15 Uhr sorgten zwei Düsenjets für Aufsehen, die donnernd über den Stadtpark flogen. Als sie wenig später zurückkamen, übertönten sie kurz das Spiel des Heeresmusikkorps aus Koblenz.
„Das ist die anspruchvollste und erfüllendste Aufgabe, die ein Offizier haben kann. Das ist ein Privileg“, sagte Wirths beim Empfang dazu, dass er nun Kommandeur ist. Und: „Es ist eine verantwortungsvolle Aufgabe in Zeiten der Zeitenwende.“