Kommentar
Friedhelm Funkel als neuer FCK-Trainer: Ein kluger Schachzug
Thomas Hengen hätte es nicht besser machen können – wenn es allein um die Meinung der Fans geht. Mit der Verpflichtung von Friedhelm Funkel, dem Trainer-Veteran und einstigen Betze-Helden, hat er die Anhänger befriedet, die am vergangenen Samstag in Wallung geraten waren. Der Geschäftsführer hat dem Volk zweierlei Dinge gegeben, nach denen es verlangte: die Freistellung des ungeliebten Dimitrios Grammozis und die Inthronisierung eines Sympathieträgers.
Vorübergehend mehr Ruhe
Dem Geschäftsführer des 1. FC Kaiserslautern ist ein kluger Schachzug gelungen, der zwar nicht solitär dafür sorgen wird, trotz einer schlechten Stellung auf dem Brett am Ende als Sieger hervorzugehen, der aber immerhin die Möglichkeit dazu eröffnet. Das beinahe chronisch aufgeregte Umfeld rund um den berühmtesten Fußballberg der Republik hat nun einen Trainer vorgesetzt bekommen, dem es zutraut, den Verbleib in der Zweiten Liga zu schaffen – und der als Spieler für eine Zeit steht, in der die Roten Teufel nicht nur in Deutschland, sondern in Europa eine große Nummer waren. Das sorgt zumindest vorübergehend für ein wenig mehr Ruhe beim Traditionsklub.
Funkel steht für Autorität
Außerdem, und das ist mindestens ebenso wichtig, strahlt Friedhelm Funkel eine Autorität aus, die es ihm möglich machen kann, der Mannschaft einen Impuls zu geben, den sein Vorgänger Dimitrios Grammozis nicht zu geben vermochte. In den zurückliegenden Wochen brachen immer wieder Egoismen einzelner Profis durch, die den Erfolg des Ganzen gefährden. Die Spieler werden nun erst einmal im übertragenen Sinn strammstehen, wenn der Mann zu ihnen spricht, der mehr Bundesligaspiele auf dem Platz und auf der Bank erlebt hat als jeder FCK-Profi.
Diese Aura, die Funkel umweht, ist elementar für die Zukunft des gesamten Klubs. Mit der Verpflichtung des Trainer-Urgesteins hat der FCK eine wichtige Figur ausgetauscht. Noch einmal wird das nach dem zweiten Trainerwechsel innerhalb weniger Monate nicht möglich sein. Der FCK steht sportlich ganz knapp vor dem Abgrund und droht sich – wie üblich bei Klubs mit einer großen Geschichte – von innen heraus zu zerfleischen. Wenn jede Niederlage dazu führt, alle Grundsätze zu hinterfragen, ist eine zielgerichtete Arbeit nur schwer umzusetzen. Was in Zeiten des Erfolges beflügelt, bremst in der Krise. Immerhin: Funkel ist zuzutrauen, seine Aufgabe trotz der schwierigen Gemengelage zu meistern.
Geht es schief, muss Hengen bangen
Sollte Funkel mit den Roten Teufeln in drei Monaten den Klassenverbleib gefeiert haben und sollte er womöglich mit den Lauterern vor einer Reise zum Pokalfinale nach Berlin stehen, wird er seinen Job in der Pfalz auch im Anschluss an das Endspiel fortführen wollen, müssen und dürfen. Es ist schwer vorstellbar, dass sich Funkel aufs Altenteil zurückzieht, wenn ihm die Massen huldigen und er noch einmal vom Nektar des sportlichen Erfolges gekostet hat. Aus einer zeitlich befristeten könnte eine auf Dauer angelegte Lösung werden.
Klar ist, dass die Zukunft von Thomas Hengen fortan an die Erfolge von Funkel geknüpft ist. Geht die Rettungsmission mit dem 70-Jährigen schief, wird das Volk weitere Opfer fordern – dann nicht (nur) den Trainer, sondern auch den Geschäftsführer.
