1. FC Kaiserslautern
FCK: Vaterfreuden beim „Betze-Spieler“
Für Bruno ist die ruhige Zeit im Hause Kalocs vorbei. Der vor kurzem fünf Jahre alt gewordene Labrador genießt es, im Mittelpunkt zu stehen. Das wird sich aber in absehbarer Zeit ändern. Denn Filip Kaloc wird Vater. Seine Lebenspartnerin Sarah Nemcova erwartet im April eine Tochter. Dann wird es auch vorerst mit der Ruhe für die werdenden Eltern vorbei sein. Dann verändern sich unter anderem auch die Koordinaten im Leben von Filip Kaloc.
Die sportlichen Koordinaten haben sich im Januar des vergangenen Jahres geändert. Da lieh der FCK den tschechischen Mittelfeldspieler zunächst von Banik Ostra aus. Laut dem tschechischen Fußballportal inFotbal.cz überwies der FCK 10.000 Euro Leihgebühr an Ostrau bis Juni.
Der zum Jahresende zurückgetretene Technische Direktor des FCK, Enis Hajri, hatte den Transfer eingeleitet und schließlich auch abgewickelt. Er sicherte dem FCK auch eine Kaufoption für 400.000 Euro. Zwischenzeitlich ist Kaloc mehr wert. Vor der dieser Saison hätte der FCK den 24 Jahre alten Tschechen verkaufen können. Interessenten gab es. Nicht ausgeschlossen, dass Kaloc kommenden Sommer bei einem angemessenen Angebot den FCK verlässt.
Auch andere Vereine an Kaloc interessiert
Denn seit Wochen spielt der Mittelfeldspieler – wieder – auf gutem Niveau. Sein Traumtor am Samstag gegen den SSV Ulm war ein Beleg für das Selbstvertrauen, das Kaloc aktuell hat. „Es war vielleicht das schönste Tor, das ich bislang hier beim FCK erzielt habe. Aber wichtiger ist, dass wir als Team gewinnen“, sagt Kaloc. Bislang hat er fünf Tore erzielt für den FCK erzielt. „Jedes Tor war wichtig“, findet er: „Wenn die Tore dem Team helfen, freue ich mich.“ Es waren durchaus entscheidende Treffer dabei, etwa das 2:1 vorige Runde in Kiel oder das 1:0 gegen Eintracht Braunschweig oder aber jener Volleykracher am Samstag gegen Ulm.
Filip Kaloc ist ein zweikampfstarker Spieler, der technisch und taktisch gut ausgebildet ist. Er war Kapitän der tschechischen U21-Nationalmannschaft, führte das Team bei der Europameisterschaft 2023 in Rumänien und Georgien an. In Ostrau war er zeitweise Kapitän gewesen, verlor aber seinen Stammplatz. Da Enis Hajri sich intensiv um Kaloc kümmerte, entschied dieser sich für den FCK, obwohl er andere lukrative Angebote vorliegen hatte. „Ich habe mich hier von Anfang an wohlgefühlt. Das Stadion und die Fans sind unglaublich“, sagt er.
Filip Kaloc ist der elfte Tscheche, der das Trikot des 1. FC Kaiserslautern trägt. Michal Kadlec, Sohn von Ex-FCK-Libero Miroslav Kadlec, sagte bei der Verpflichtung damals dieser Zeitung: „Filip ist ein Spieler, der zwischen den Strafräumen viel unterwegs ist, der das Spielfeld dort mächtig beackert. Er hat einen guten Schuss und ist ein harter und unangenehmer Gegenspieler. Er ist konditionell sehr gut und könnte dem FCK helfen.“ Das hat er getan. Kaloc hat sich zu einem Stammspieler entwickelt. Von bislang 35 Ligaspielen stand er sechs Mal nicht in der Startelf, zweimal fehlte er wegen der fünften Gelben Karte, gegen Fortuna Düsseldorf und den 1. FC Köln war er zwar im Kader, kam aber nicht zum Einsatz. Und beim 1:0-Erfolg in Münster kam Kaloc 21 Minuten vor Spielende.
Die Laufstärke und das taktische Verständnis sind zwei Aspekte, die bei Filip Kaloc herausstechen. In Tschechien war das offensive Mittelfeld, die Rolle des sogenannten Achters, die bevorzugte Position. Für den FCK ist er ein Volltreffer, für Kaloc ist der FCK ein Glücksgriff. Der Tscheche hat schnell die DNA des Klubs verinnerlicht. „Ich kann mir vorstellen, hier zu bleiben – auch in der Dritten Liga. Die Fans und das Stadion, das ist es, wovon ich als Jugendlicher geträumt habe, als ich Profi werden wollte“, sagte Kaloc vorige Saison.
Funkels Lobrede auf Kaloc
Der damalige Trainer Friedhelm Funkel adelte den Tschechen als er ihn einen „Betze-Spieler“ nannte. In seiner damaligen 87-sekündigen Lobrede auf Kaloc wiederholte Funkel viermal das Wort Betze-Spieler. Kaloc verkörpere all die Tugenden, die auf dem Betzenberg gesehen werden wollen. Der FCK brauche Spieler, die diesen Mythos leben, sagte Funkel. Bei Kaloc ist dies der Fall.
Auch der aktuelle Trainer Markus Anfang sieht in Kaloc einen Betze-Spieler – besonders, was dessen Mentalität angeht. „Filip hat noch Luft nach oben. Er muss noch konstanter werden. Vielleicht ist diese Tatsache den häufigen Wechseln in der Hinrunde geschuldet, die wir vornehmen mussten. Er muss sich durchbeißen. Man sieht, welches Potenzial und welche Qualität er hat“, sagt Anfang.
Filip Kaloc, der drei jüngere Schwestern hat, und Anfang haben eine Gemeinsamkeit. Beide sind sehr ehrgeizig und mögen keine Niederlagen. Das war am Dienstag im öffentlichen Training wieder zu sehen. „Ich habe eine Siegermentalität und verliere nur ungern“, sagte Kaloc vor einem Jahr.
