1. FC Kaiserslautern
FCK nach Paderborn: Niederlage mit Nebengeräuschen
Die kleine Geste erzielte eine große Wirkung. Der Tross des FCK hatte sich schwarzes Tape ums Handgelenk geklebt. Es war ein improvisierter Trauerflor, eine symbolische Anteilnahme am Tod von Tim Lobinger. Der Vater von FCK-Stürmer Lex Tyger Lobinger war am Donnerstag im Alter von 50 Jahren gestorben. Lex Tyger Lobinger stand beim 0:1 am Freitag gegen den SC Paderborn zwar nicht im Kader, aber der 23 Jahre alte Angreifer war trotzdem dabei. „Jeder rechnet ihm das hoch an, bei der Mannschaft zu sein“, sagte Kapitän Jean Zimmer. „Nichts ist wichtiger als die Gesundheit. Nach so einem Schicksalsschlag hier herzufahren, Hut ab.“
Ablenkung für Lex Tyger Lobinger
Zimmer sprach diese Worte und hielt dabei ein Spruchband in der Hand. „Kopf hoch, Lex Tyger“ hatten die Lauterer Fans darauf geschrieben. Es hing während des Spiels am Zaun und wurde dann erst so besonders, als die Fans nach dem Abpfiff der Mannschaft zujubelten und Lobinger skandierten. Die Anhänger drückten ihre Anteilnahme mit Applaus aus. Diese Geste rührte Lobinger zu Tränen.
„Du sitzt neben Lex Tyger und weißt, was du sagst, ergibt keinen Sinn“, sagte Stürmer Terrence Boyd: „Was wir machen konnten war, wir selbst sein. Am Ende des Tages ist es doch nur ein Spiel. Er hat seinen Vater verloren, der sechs Jahre lang gekämpft hat. Für Lex war es Ablenkung gewesen, hier bei uns zu sein. Gerade dafür wollten wir ihn glücklich machen.“ Damit meinte Boyd einen Sieg in Paderborn.
Personalrochade bleibt erfolglos
Das wäre aber nach dem Spielverlauf am Freitag vor 14.701 Zuschauern zu vermessen gewesen. Der FCK hatte nur 36 Prozent Ballbesitz, eine Passquote von 77 Prozent. „Im Großen und Ganzen war es ein ausgeglichenes Spiel. Paderborn hatte eine gute Spielanlage und mehr Ballbesitz“, sagte Philipp Klement: „Wir hatten aber die klareren Torchancen.“ Der Spielmacher war einer von fünf neuen Akteuren, die Trainer Dirk Schuster in die Startelf beordert hatte. Außerdem ließ der Cheftrainer mit zwei Spitzen stürmen und einer Dreier-Abwehrkette verteidigen. Dieses System wandte Schuster auch beim Hamburger SV an. Damals endete die Partie 1:1 – dank eines Tores von Lobinger.
In Paderborn fruchtete die Personalrochade nur bedingt. „St. Pauli war besser, in Paderborn gingen unsere Chancen nicht rein. Das war schlecht, alles andere kann man uns nicht vorwerfen. Es ist schade, dass wir uns nicht belohnen konnten. Wir können aber in den Spiegel schauen“, kommentierte Boyd. Er mahnte nun, bloß nicht in Hektik oder einen Krisenmodus zu verfallen. „Man darf jetzt nicht den Fehler machen, zu glauben, wir kommen jetzt in eine Negativspirale, nur weil wir zweimal verloren haben“, sagte Boyd. Dem FCK gehe es gut. Boyd: „Wir sind Aufsteiger. Warum sollen wir bedröppelt sein? Jetzt unmittelbar nach dem Spiel, ja. Ich bin sauer, weil ich die Chancen nicht rein mache.“
Zwei gute Möglichkeiten hatte der wuchtige Angreifer – in der 36. Minute und in der Nachspielzeit. Doch da klatschte sein Schuss an die Latte. Der FCK zog sich trotz der Niederlage achtbar aus der Affäre. Kiel ging in Paderborn 2:7 unter, der KSC 0:5. Die beiden Aufsteiger Magdeburg und der FCK traten „nur“ mit 0:1-Niederlagen die Heimreise an. Dreimal verlor der SCP im eigenen Stadion – gegen Bielefeld, Darmstadt und den HSV.
Klement: Zum Hinrundenende überperformed
Philipp Klement ordnete das Spiel in seiner sachlichen Art ein. „Wir sollten uns von zwei Niederlagen nicht verrückt machen lassen. Wir hatten zwei schwere Auswärtsspiele. Ende der Hinrunde hatten wir ein bisschen Glück gehabt. Wir sind als Team aber sehr gefestigt, und ich habe keine Angst, in einen negativen Strudel hineinzugeraten.“ Dieses Matchglück, das den FCK in Bielefeld oder in Düsseldorf zu Ekstasen geführt hatte, müsse sich die Mannschaft wieder erarbeiten, sagte Boyd.
Der 32 Jahre alte Stürmer arbeitete in seiner Zeit bei RB Leipzig mit Tim Lobinger zusammen. Lobinger war damals Athletiktrainer der aufstrebenden Sachsen. Nun spielt Boyd mit Lobingers Sohn in einer Mannschaft. Der Todesfall ging daher auch Boyd nahe. Er hatte unter dem FCK-Trikot ein spezielles Shirt, das an Tim Lobinger erinnerte.
Auch Boyd war gerührt von der Geste der FCK-Fans. „Die Fans, ja, da hast du gesehen, wie Tyger mit Tränen in den Augen vor der Tribüne stand. Da kriegst du Gänsehaut. Da siehst du, wie schön Fußball sein kann“, sagte Boyd und sinnierte: „Da wird dir auch bewusst: Worüber reden wir? Wir haben alle Familie. Fußball ist doch nur ein Spiel.“
