1. FC Kaiserslautern
Ein Pfälzer als Betze-Schreck: Schlägt Luca Schuler wieder gegen den FCK zu?
Es gibt im Fußball diese speziellen Biografien, die sich wie eine späte Kränkung für den Heimatverein lesen. Luca Schuler ist so ein Fall. Er ist der Stürmer, den sie beim 1. FC Kaiserslautern zehn Jahre lang ausgebildet, geformt und in die weite Welt ziehen ließen, ohne das wahre Ausmaß seines Potenzials zu ahnen. Heute ist Schuler 27 Jahre alt, trägt das Trikot von Hertha BSC und hat sich darauf spezialisiert, seinem Ausbildungsverein FCK die Wochenenden zu ruinieren.
Warum es gegen den Klub seiner Jugend verlässlich so gut funktioniert, da kann Schuler nur spekulieren. „Das ist eine gute Frage, die habe ich mir schon selbst gestellt. Fußball ist immer auch eine Kopfsache. Man spielt gegen einen Verein, den man aufgrund seiner Vergangenheit besser als alle anderen Gegner kennt. Und man geht bei solchen Spielen mit einer gewissen Vorfreude auf dem Platz. Es ist die positive Haltung, die sich nochmals besonders bemerkbar macht“, sagt der Hertha-Stürmer über die auffällig gute Bilanz gegen die Roten Teufel.
Eine Geschichte wie die von Baris Atik
Schulers Quote gegen den FCK trägt Züge einer Demütigung: Sechs Tore hat der Mittelstürmer aus Meckenheim im Landkreis Bad Dürkheim schon gegen Kaiserslautern geschossen, drei davon allein in dieser Saison. Erst crashte der gebürtige Neustadter im November 2025 die Party zum 125-jährigen Lauterer Vereinsgeburtstag mit dem 1:0-Siegtreffer für Hertha im Fritz-Walter-Stadion, einen Monat später steuerte der Pfälzer zwei Tore zum Berliner 6:1-Triumph im DFB-Pokal-Achtelfinale bei. „Eigentlich haben wir denen heute den Hintern versohlt“, sagte der Angreifer danach. Luca Schuler, der Betze-Schreck.
Wenn es am Samstag (13 Uhr) im Berliner Olympiastadion zum erneuten Wiedersehen mit dem Angreifer kommt, der zwischen 2006 und 2016 in der Jugend der Roten Teufel reifte, ist die Mannschaft von Trainer Torsten Lieberknecht vor dem Mann gewarnt, der in sieben Duellen mit dem FCK fünfmal als Sieger den Platz verließ. Ein wenig gleicht Schulers Geschichte der des Frankenthalers Baris Atik, der sich auf dem Betzenberg ebenfalls nicht durchsetzen konnte, aber jetzt für den 1. FC Magdeburg bevorzugt gegen den Klub aus seiner alten Heimat trifft.
Auch Schuler musste einige Umwege nehmen, bis er letztlich den Durchbruch im Profifußball schaffte. Im konkreten Fall hießen diese Zwischenstationen unter anderem SV Elversberg, 1. FC Saarbrücken, 1. FC Köln, Schalke 04 und 1. FC Magdeburg, bis der wuchtige Stürmer im Sommer 2024 beim Traditionsverein im Westen der Hauptstadt landete.
Lieberknecht rechnet mit Startelf-Nominierung
Unter Hertha-Trainer Stefan Leitl musste der 26-Jährige aber in den vergangenen Wochen mit der Joker-Rolle vorliebnehmen – im Berliner Angriffszentrum ist zurzeit der Pole Dawid Kownacki gesetzt. Mit Schulers Quote kann diese Entscheidung kaum zu tun haben, denn acht Saisontore – der Pfälzer trifft durchschnittlich alle 112 Minuten – sprechen für eine überragende Effizienz. Aber selbst wenn er nur von der Bank kommen sollte: Gegen den FCK ist der gelernte Tischler immer für ein Tor gut. Das weiß auch Lauterns Trainer Lieberknecht, der zur Sicherheit lieber mal damit davon ausgeht, dass Schuler am Samstag von Beginn an auf dem Platz steht. „Auch wenn ich dem Stefan Leitl nicht in seine Aufstellung reinreden will: Ich rechne damit, dass Luca zum Einsatz kommt. Weil er diese Historie hat, gegen den FCK zu treffen“, sagte Lieberknecht auf der Pressekonferenz am Donnerstag.
Schulers Verbindungen in die Heimat sind trotz all der Jahre fern der Pfalz intakt geblieben. Er stammt aus einer echten Sportlerfamilie. Sein Opa Peter Frisch wurde mit der TSG Haßloch 1975 letzter Meister im Feldhandball, Papa Holger Schuler kickte unter anderem für den VfL Neustadt und den 1. FC 08 Haßloch. „Natürlich schaue ich auch, wie es beim FCK läuft, denn schließlich stamme ich aus der Region“, sagt Schuler. „Wenn man aus Meckenheim kommt und beim FCK seine Jugend verbracht hat, dann bleibt die Verbundenheit bestehen, auch wenn niemand aus meiner Jugend dort noch spielt.“
Eine Rückkehr auf den Betzenberg sei grundsätzlich nicht ausgeschlossen. „Man soll im Leben nie nie sagen, gerade im Fußball, der sehr schnelllebig ist“, bekundet Schuler. Was man halt so sagt, wenn man die Tür zumindest einen Spalt breit offenlassen will. Kulinarisch würde sich der Hertha-Stürmer bei einem FCK-Comeback nach eigenen Angaben auf jeden Fall nicht verschlechtern: „Die Berliner Currywurst ist mega lecker, aber nichts geht über einen Pfälzer Teller.“
