1. FC Kaiserslautern Die Wochenend-Kolumne: Ich bin der Meinung, ...
„Europa ist united by Football.“ Schön wär’s, wenn der Slogan, der auf der Homepage des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) grüßt, im wahren Leben gelebt würde. Europa vereint, Europa geeint – eine ferne Illusion. Ein tiefer Riss geht durch die EU, die Briten suchen eines Zechprellers ähnlich den Notausgang, schwächen sich und das Bündnis. Polen, vor allem Ungarn, erfüllen längst nicht mehr die ethisch-moralischen Mindestanforderungen der EU. Ob der Fußball helfen und heilen kann? Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hat um die Austragung der Europameisterschaft 2024 gekämpft. Und hatte Glück, dass die Türkei der Mitbewerber war. Das Schreckgespenst Erdogan war der beste Wahlhelfer des DFB. Das offenbar eingekaufte Sommermärchen, die WM 2006, spielte keine Rolle bei der Vergabe, wurde nicht zur Hypothek. Außerhalb der Landesgrenzen wird offensichtlich nicht wahrgenommen, dass das Verhältnis zwischen DFB und den Fans in den Stadien auf einem Tiefpunkt ist. Nichts ist mehr wie im Sommer 2006! Der Zwist um die Termine, die Kritik an den Montagsspielen bis in die Dritte Liga, die totale Kommerzialisierung spalten. „Scheiß DFB“, „Fußball-Mafia DFB“, hallt es aus den Fankurven. In den Stadien gibt es Probleme mit Pyro und brutale verbale Gewalt. Und da geht es nicht nur um Dietmar Hopp. DFB und Deutsche Fußball-Liga (DFL) haben angesichts des Zuschauerbooms und der Suche nach immer neuen Märkten und Spielwiesen die Befindlichkeiten der Fans ignoriert. Die Romantik blieb auf der Strecke. Eine blutleere Nationalmannschaft samt ihres abgehoben erscheinenden Trainers enttäuschte nicht nur sportlich bei der WM in Russland. Jahrelang wurde die Kritik am späten Beginn bei Länderspielen von den DFB-Oberen überhört, die Preise – vor allem auch bei Testspielen – sind unverschämt überteuert. Der sportliche Neuanfang gestaltet sich schwierig. Das größte Problem für Bundestrainer Löw ist der Mangel an Top-Stürmern. Auch vier Jahre nach dem Abschied von Miroslav Klose aus der Nationalmannschaft ist kein Nachfolger des Weltklassestürmers in Sicht. Vielleicht bildet er als U17-Trainer des FC Bayern jetzt ja einen neuen Klose aus ... Beim 1. FC Kaiserslautern nahm Kloses Karriere einst Fahrt auf. In der Dritten Liga kämpft der FCK nun mit seiner neuen Mannschaft um den Anschluss. Nach vier Remis in Serie tat der 4:1-Sieg am Dienstag beim Mitabsteiger in Braunschweig richtig gut. Heute kommen die Sportfreunde Lotte ins Fritz-Walter-Stadion, auf 22.000 Besucher hoffen die Verantwortlichen. Das wäre eine tolle Kulisse, zumal Nachbar FSV Mainz 05 trotz eines guten Saisonstarts am Mittwoch gegen Wolfsburg gerade mal 19.205 Zuschauer begrüßte. In der Bundesliga! Der FCK hatte im Montagsspiel gegen Fortuna Köln 17.588 Zuschauer. „Hier kann etwas wachsen“, sagt FCK-Trainer Michael Frontzeck, der in Braunschweig fünf 21-Jährige einsetzte. Einen Glücksgriff tat der Coach mit Christian Kühlwetter. Der 22-Jährige reifte in der U23, jetzt U21, des FCK. Kühlwetter hatte mit zwei Toren in seinen beiden ersten Profispielen einen traumhaften Einstand. Ein Jahr nach seinem Beinbruch wird der gebürtige Bonner für sein Schuften belohnt. Heute gegen Lotte spielt er erstmals als Profi auf dem Betze. Kühlwetter ist kein neuer Klose, aber einer, der wie der junge Klose tickt. Couragiert im Anlaufen, stark im Rückwärtsgang, schnell und mit Zug zum Tor. Die FCK-Fans dürfen sich auf einen neuen Hoffnungsträger in einer Mannschaft freuen, die reift. Sie braucht den zwölften Mann, um den Fortschritt mit Punkten zu untermauern.
