1. FC Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Böhms Betze: Wenn YouTube-Videos Erwartungen wecken

Flink, ballsicher, spielintelligent: Naatan Skyttä (links), hier im Trikot der finnischen Juniorenauswahl.
Flink, ballsicher, spielintelligent: Naatan Skyttä (links), hier im Trikot der finnischen Juniorenauswahl.

Naatan Skyttä ist der vierte Finne, der für den FCK spielt. Hinterlässt er tiefere Spuren als die Landsleute?

Zugegeben, Highlight-Videos auf YouTube können schon mal täuschen. Manch ein Kicker, dem man aufgrund solcher Zusammenschnitte messianische Züge andichten mochte, schien in der Realität seinen weniger begabten Bruder auf den Betzenberg geschickt zu haben. Doch wenn Naatan Skyttä annähernd das hält, was die Clips versprechen, dürfen die Fans des 1. FC Kaiserslautern laut Hurra schreien.

An dieser Stelle finden Sie ein Video via YouTube.

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Sagen wir mal so: Der 23-Jährige erscheint wie eine Mischung aus Daisuke Yokota und Philipp Klement, nur jünger und zielstrebiger. Ein Freigeist, von dem der Gegner nicht weiß, in welchem Raum er sich als Nächstes herumtreibt. Nun stellen sich natürlich Fragen. Darf Skyttä bei den Roten Teufeln so agieren, wie er es gewohnt ist, gewährt man ihm alle oder viele Freiheiten, oder wird er in ein System gepresst – was zur Folge haben kann, dass er einen hübschen Teil seiner Unberechenbarkeit verliert? Kann er seine Qualitäten problemlos auch in der zweiten deutschen Fußball-Liga entfalten – oder ist der Sprung aus Dünkirchen und der Ligue 2 doch zu groß und verlangt nach einer längeren Phase der Anpassung?

Größter Invest seit Borysiuk

Skyttä könnte das werden, was man einen Königstransfer nennt. Umsonst haben die Entscheider aus der FCK-Geschäftsstelle nicht einen derartigen Batzen Geld in die Hand genommen. Es soll sich um bis zu zwei Millionen Euro inklusive Boni handeln. Eine Summe, die in Kaiserslautern letztmals im Januar 2012 für Ariel Borysiuk investiert wurde. Der Pole sollte helfen, den dritten Abstieg aus der Fußball-Bundesliga zu vermeiden. Zwölf Einsätze schlugen für ihn zu Buche, er blieb ohne Tor und Vorlage. Eine Fehlinvestition, ganz ohne Zweifel.

Für Skyttä scheint das Geld besser angelegt zu sein. Und die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass er der erfolgreichste Finne im Trikot des FCK sein wird. Drei seiner Landsleute spielten bislang auf dem Betzenberg. Am längsten blieb Alexander Ring. Von 2013 bis 2017 verdingte er sich für den FCK. Er absolvierte 83 Spiele und erzielte acht Tore. Anfangs top, brillierte er hernach nur mehr durch sein überbordendes Selbstbewusstsein. Mike Nurmela verließ den Berg im Sommer 2005 nach zwei Jahren FCK mit dem Label „nett, aber langsam“. 31-mal trug der heute 53-Jährige den Kaiserslauterer Dress. Aki Riihilahti, mittlerweile 48, spielte nur in der Saison 2006/2007 für den FCK. Bilanz: elf Einsätze.

Mittlerweile in Helsinki aktiv: Alexander Ring (rechts).
Mittlerweile in Helsinki aktiv: Alexander Ring (rechts).

Alle drei zogen von dannen, ohne bleibenden Eindruck hinterlassen zu haben. Der nun 34-jährige Ring war zwischen 2017 und 2025 noch in den USA aktiv, zunächst für New York City FC und dann für den FC Austin. Mittlerweile steht er in seiner Heimat bei HJK Helsinki unter Vertrag.

Das Kaiserslauterer Arbeitspapier des in Ylöjärvi geborenen Naatan Skyttä soll bis ins Jahr 2028 reichen. Genug Zeit, um sich in die Fanherzen zu spielen. Die Videos auf YouTube verheißen nichts anderes. Aber es sind halt nur Videos ...

Unser Autor

Andreas Böhm, 58, war einst Fan der Generation „Kalli, lass die Teufel raus“. Seit 1995 ist er der journalistischen Neutralität verpflichtet. Seit 2013 arbeitet er auch als FCK-Reporter für diese Zeitung.

Info

Dieser Artikel stammt aus der RHEINPFALZ am SONNTAG, der Wochenzeitung der RHEINPFALZ. Digital lesen Sie die vollständige Ausgabe bereits samstags im E-Paper in der RHEINPFALZ-App (Android, iOS). Sonntags ab 5 Uhr erhalten Sie dort eine aktualisierte Version mit den Nachrichten vom Samstag aus der Pfalz, Deutschland und der Welt sowie besonders ausführlich vom Sport.

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