FCK-Kolumne
Böhms Betze: Wenn Formationen und Zahlen überraschen
Ich war in den vergangenen Tagen in Bezug auf den 1. FC Kaiserslautern zweimal überrascht. Zunächst, als ich vor dem Spiel gegen den Hamburger SV die Mannschaftsaufstellung zu Gesicht bekam. Zur Überraschung gesellte sich Erleichterung. Ich war davon ausgegangen, dass Cheftrainer Markus Anfang selbst gegen den individuell deutlich besser besetzten und torgefräßigen Spitzenklub von der Elbe darauf pochen würde, die eigene Spielidee durchzudrücken. Tatsächlich wäre das für die Rothosen eine Einladung zum Festmahl gewesen.
Doch Anfang ersetzte Ideologie durch Pragmatismus. In unserer Whatsapp-Gruppe scherzte ein Kollege vom „Schusterball“ in Reinkultur, den er da zu sehen bekam. Meint, in Anlehnung an Aufstiegstrainer Dirk Schuster: sicher stehen, Gegner permanent nerven – und schließlich überrumpeln. Tatsächlich wirkte der FCK recht lange stabil. Erst in der Schlussphase bröselte der Wall, was allerdings auch schon unter Schuster in manch einer Partie der Fall gewesen war und zu manch einer Diskussion über mögliche Fitnessdefizite geführt hatte. Dass immerhin ein 2:2 heraussprang, war primär Torwächter Julian Krahl zu verdanken. Ja, er verhielt sich beim ersten Gegentor suboptimal, doch er machte dies mit etlichen Paraden allemal wett.
Tomiaks Wertsteigerung
Womit ich zur zweiten Überraschung käme. Bei einem Blick auf die Marktwertentwicklung des Kaders musste ich feststellen, dass Krahl noch immer bei 900.000 Euro steht. Nun sind die Marktwerte natürlich keine verlässlichen Zahlen, sondern Schätzwerte, doch auch so hätte ich ob der Leistungen Krahls ein Plus erwartet, wie Ragnar Ache (nun vier Millionen, plus eine), Jannis Heuer (eine Million, plus 200.000) und Aaron Opoku (800.000, plus 200.000) sie verzeichnen. Hinter Ache sortiert sich Daisuke Yokota ein (zwei Millionen). Rang drei geht mit 1,8 Millionen an Boris Tomiak, der seit seinem Wechsel in die Pfalz 2021 satte 1,6 Millionen hinzugewonnen hat.
Weltweit, eine kleine Spielerei, liegt er damit auf Platz 4797, hierzulande 222, in Liga zwei auf Rang 63. In der Riege der Innenverteidiger ist ihm weltweit Position 820 beschieden. Die beiden global am höchsten bewerteten Verteidiger spielen in England und sind mit 80 Millionen Euro notiert. Es sind William Saliba vom FC Arsenal und Ruben Diaz von Manchester City. Überraschend? No.
Einer der beiden genannten Profis ist übrigens rund 3,5-mal so viel wert wie der gesamte Kader des 1. FC Kaiserslautern, der auf 23,13 Millionen Euro beziffert wird. Im Ranking der Zweiten Liga bedeutet dies Platz acht. Der Gegner dieses Samstags kreucht mit 10,15 Millionen Euro am Tabellenende. Der Sport bildet demnach die Finanzen ab. Mit Blick nach oben gilt das nicht. Die gleichauf vornweg marschierenden Fortunen aus Düsseldorf und der KSC sind mit 35,58 und 20,20 Millionen Marktwertvierter und -zwölfter. Zahlen erzählen halt doch nur einen Teil der Geschichte.
Unser Autor
Andreas Böhm, 57, war einst Fan der Generation „Kalli, lass die Teufel raus“. Seit 1995 ist er zum Glück der journalistischen Neutralität verpflichtet; seit 2013 FCK-Reporter für diese Zeitung.
