FCK-Kolumne
Böhms Betze: Wenn der Abschied naht
Gerahmtes Trikot. Händeschütteln mit dem Geschäftsführer vor der Westtribüne. Ein Bad in wärmendem Beifall. Gesänge vielleicht. Goodbye. So oder so ähnlich verhält es sich in der Regel, wenn der 1. FC Kaiserslautern Spieler verabschiedet, die keinen Vertrag mehr erhalten oder die aus freien Stücken den Verein verlassen. Nun wird das nicht möglich sein. Wenn an diesem Sonntag gegen den SV Darmstadt 98 das letzte Heimspiel der regulären Saison angepfiffen wird, ist keineswegs gewiss, dass es für die Spielzeit 2024/25 tatsächlich auch die letzten 90 Minuten im Fritz-Walter-Stadion sein werden.
Der FCK hat in diesem Moment noch immer die Chance, die Relegation zu erreichen, obendrein ist nicht ja auszuschließen, dass der neue Trainer Torsten Lieberknecht Profis auch über die Sommerpause hinaus in seiner Belegschaft sehen möchte, von denen man vor drei Wochen sagte, dass sie das Betzenberg-Engagement definitiv beenden werden.
Zum Beispiel: Philipp Klement. Als „Pippo“ vor drei Jahren in Kaiserslautern anheuerte, dachte ich, durch einen Fußballer wie ihn würde die Kultur des FCK-Spiels eine deutliche Aufwertung erhalten. Der damalige Trainer Dirk Schuster schien das ebenso zu sehen. Unvergessen, dass Schuster Klement als einschwebende Boeing 747 rühmte. Viel zu lang steht diese nun im Hangar des Fritz-Walter-Stadions. 124 Minuten spielte er in dieser Saison, letztmals am 28. September 2024 gegen Jahn Regensburg. 276 waren es in der Spielzeit davor. In seiner Premierenrunde verbuchte Klement immerhin 26 Einsätze, er erzielte drei Tore und bereitete deren sechs vor. Immerhin war der heute 32-Jährige ein fester Teil der Mannschaft, manchmal sogar eine Säule.
Ein aus der Zeit gefallener Spieler?
Auch im aktuellen Kader, da bin ich recht sicher, gibt es kaum einen Spieler, der solch akurate Pässe spielt wie Klement, der Räume und Lücken so erkennt, der Standards so punktgenau treten kann. Einbringen kann er all das nicht, weil dem zu viele Abers entgegenstehen. Immer wieder hört man, ihm fehlten Dynamik, Tempo, Zweikampfstärke, Defensivdenken, die Intensität. Es scheint, als wären die vergangenen drei Jahre verschwendete Zeit gewesen, ein großes Missverständnis. Gibt es für einen Spieler wie ihn im heutigen Fußball keine Verwendung mehr? Ist Philipp Klement aus der Zeit gefallen? Welcher Klub könnte in ihm jenen Mann sehen, um den er sein Spiel aufbaut? Torsten Lieberknecht, der einst für Klement schwärmte, nominierte ihn in seinen ersten beiden Spielen als FCK-Cheftrainer ebenfalls nicht für den Kader. Weil auch er nichts Gewinnbringendes mehr in ihm sieht?
Was nun? Klements Vertrag läuft aus. Ich glaube, er wird seine Laufbahn nicht um jeden Preis fortsetzen. Tiefer als in der Zweiten Liga möchte er vermutlich nicht spielen, Angebot und Perspektive müssen passen. Da Klement schon lange nicht mehr gespielt hat, würde eine potenzieller Abnehmer den Spielmacher im Sack verpflichten. Welchen Anteil er selbst daran hat, kann allein er in kritischer Selbstreflexion beantworten.
Zukunft weiterhin im Fußball?
Sollte nach dieser Saison Schluss sein, wird man ihn im Fußball wiedersehen, da bin ich sicher. Weniger auf der Trainerbank denn als Funktionär. Für einen Coach ist Klement vermutlich zu nett, zu höflich, zu freundlich. Mit eisernem Besen hat er sich auch als Spieler nie den Weg freigefegt. Vielleicht ist das ja auch einer seiner „Fehler“.
Klement hat einen Abschluss in Sportmanagement. Der Pfad ist also geebnet, um seine Expertise auf diese Art zum Wohl eines Klubs einbringen zu können. Zu wünschen wär’s ihm allemal.
Unser Autor
Andreas Böhm, 58, war einst Fan der Generation „Kalli, lass die Teufel raus“. Seit 1995 ist er zum Glück der journalistischen Neutralität verpflichtet; seit 2013 FCK-Reporter für diese Zeitung.
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Dieser Artikel stammt aus der RHEINPFALZ am SONNTAG, der Wochenzeitung der RHEINPFALZ. Digital lesen Sie die vollständige Ausgabe bereits samstags im E-Paper in der RHEINPFALZ-App (Android, iOS). Sonntags ab 5 Uhr erhalten Sie dort eine aktualisierte Version mit den Nachrichten vom Samstag aus der Pfalz, Deutschland und der Welt sowie besonders ausführlich vom Sport.
