FCK-Kolumne
Böhms Betze: Was ich mir für Trainer Lieberknecht wünsche
Ehrlich: Wäre ich am vergangenen Samstag von Berufs wegen nicht dazu verpflichtet gewesen, das Spiel des FCK in Bielefeld zu verfolgen, hätte ich die Glotze spätestens nach der ersten Halbzeit ausgemacht. Bin ich privat, will ich vom Fußball unterhalten werden, Spaß haben, mich an Kombinationen, Dribblings und fulminanten Schüssen erfreuen. Die Spielkultur einer Mannschaft ist mir wichtig. Pures Verteidigen und/oder zum Ergebnis duseln, wie es José Mourinho zur Kunstform erhoben hat, empfinde ich als zynisch. Aber ich bin ja kein Fußballprofi oder muss solche nicht anleiten. Auf mir lastet kein Ergebnisdruck. Hab also leicht hier schreiben.
Was ich in Bielefeld sah, fand ich gruselig. Ich war damit nicht allein. Die Foren quollen über vor Kritik. Gar von Folterfußall war zu lesen. Wenige teilten die Ansicht von Trainer und Spielern: Hauptsache kein Gegentor, Hauptsache gepunktet – wer weiß, was der „Dubbe“ noch wert sein kann. Einerseits muss man das Betonieren verstehen, schließlich waren die jüngsten Auftritte in Braunschweig und Berlin nicht gerade von Stabilität geprägt. Andererseits ist nachvollziehbar, wenn Fans von einem aufstiegsambitionierten Team mehr erwarten. Schon gar bei einem Widersacher, der zuvor dreimal verloren hatte und der selbst nicht gerade vor Selbstvertrauen barst.
Das „Parken des Busses“ war kein Zufall, es fußte auf einer Analyse, dass die Arminia es neben Schalke am schlechtesten schafft, einem tief stehenden Gegner beizukommen. Auch dieser Punkt dient zur Kontroverse: Muss ich den Gegner größer machen, als er ist und mich selbst kleiner, indem ich mich seinen Stärken und Schwächen vollkommen unterwerfe? Oder wäre es als FCK nicht besser, den eigenen Anspruch auf dem Rasen auszudrücken und zu sagen: Soll der Gegner sich gefälligst nach uns richten?
Geduld, Vertrauen, Rückhalt
Wie auch immer: Der Ruf nach einem anderen Trainer ist für mich absurd. Ein abermaliger Wechsel auf der Position des sportlichen Instruktors wäre sinnbefreit. Der Mann braucht Zeit. Muss Automatismen einschleifen. Sich seinen Kader erst mal komplett gestalten. Wir sehen seit Wochen, dass in der kickenden Belegschaft des FCK noch einiges ausgetauscht gehört, dass Profis mitgeschleppt werden, die keine Impulse (mehr) setzen können. Ich wünsche mir in Bezug auf den Trainerposten Geduld, Vertrauen, Rückhalt. Konstanz auf der wichtigsten Position des Klubs. Es mag mitunter unansehnlich sein, aber war es das unter Lieberknechts „Vorfahren“ nicht auch?
Ein dickes Plus darf „TL“ schon jetzt für sich verbuchen: Er baut auf die Jugend, ist steter Gast im NLZ. Mika Haas hat unter ihm seinen Marktwert um 200 Prozentpunkte gesteigert, wird auf dem Bazar der Profikicker nun mit drei Millionen Euro gehandelt. Auch Leon Robinson zählt mittlerweile zum Stamm, Erik Müller und Dino Hofmeister haben erste Zweitliga-Minuten absolviert. Das kann man nicht hoch genug bewerten.
Wir lesen uns wieder am 10. Januar. Bleiben sie sportlich – und schalten Sie bei allem Sicherheitsdenken ruhig auch mal auf Offensive um.
P.S.: Beim Durchforsten der Foren stieß ich auf einen Satz des eingangs erwähnten José Mourinho. Er sagte: „Für mich ist Schönheit, dem Gegner nicht zu geben, was er will.“ Falls ich noch einen Weihnachtswunsch freihabe: Das bitte nicht!
P.P.S.: Während des Schreibens ist ja ein bisschen Zeit vergangen. Muss deshalb meinen Anfang korrigieren. Hätte vermutlich nicht bei Halbzeit weggeschaltet, sondern mich auf Besserung hoffend bis zur 90. Minute durchgequält – und weitergeärgert.
Unser Autor
Andreas Böhm, 58, war Fan der Generation „Kalli, lass die Teufel raus“. Seit 1995 der journalistischen Neutralität verpflichtet, seit 2013 FCK-Reporter für diese Zeitung.
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