FCK-Kolumne RHEINPFALZ Plus Artikel Böhms Betze: Hat hier jemand „Favorit“ gesagt?

Am Boden, aber obenauf: FCK-Keeper Julian Krahl ist zu einer echten Nummer eins geworden.
Am Boden, aber obenauf: FCK-Keeper Julian Krahl ist zu einer echten Nummer eins geworden.

Der Südwestschlager zwischen dem 1. FC Kaiserslautern und dem Karlsruher SC wird nicht über Statistiken entschieden. Gleichwohl: ein Überblick.

Die Ehre verletzt, die Seele derart wund, dass gar nicht so viel Balsam vorhanden sein konnte, um die Pein zu lindern: Der 24. Februar 2024 war ein Tag, an dem der 1. FC Kaiserslautern im eigenen Stadion eine Schmach sondergleichen erlebte, von Tabellenplatz 16 grüßte und der Abstiegsmorast die Pfälzer Kickerbeine zu verschlucken drohte. Was den Verantwortlichen der Roten Teufel nach dem 0:4 gegen den Karlsruher SC blieb, waren allein Überlebensmottos. „Ich glaube daran, auch wenn es sonst keiner tut“, beschwor der einst amtierende Cheftrainer Friedhelm Funkel die Chance auf den Klassenverbleib, „wir sind weit davon entfernt, schon aufzugeben“, bekundete Geschäftsführer Thomas Hengen.

Beide sollten sich ein paar Monate danach in ihrer Haltung bestätigt sehen, der FCK beschloss die Spielzeit auf Platz 13 und genoss als Dessert das Pokalfinale in Berlin. Neuneinhalb Monate später trifft der FCK erneut auf seinen badischen Erzrivalen, nun unter völlig anderen Prämissen. Beide Mannschaften haben sich mit je 23 Punkten in der Spitzengruppe etabliert, der FCK als Dritter, Karlsruhe als Fünfter. Ein echtes Topspiel also.

Wie wirkt das brutale Pokalaus?

Lässt sich ein Favorit herausarbeiten? Das „Duell“ bei zehn bedeutenden Mannschaftsstatistiken endet mit einem Unentschieden. Der KSC gewinnt bei intensiven Läufen (9578:8735), erzielten Treffern (27:26), Passquote (83,9:82,5 Prozent), Laufdistanz (1609,3:1588 Kilometer) und Sprints (2989:2792). Bezüglich intensiver Läufe haben die Roten Teufel übrigens den schlechtesten Wert der Liga. Im Vergleich mit dem KSC obsiegt der FCK in den Kategorien Gegentore (20:25), Torschüsse (194:184), Ballbesitz (50:48), gewonnene Zweikämpfe (1331:1300) und erfolgreiche Kopfballduelle (259:255). Fun fact: Während der KSC zwölfmal das Aluminium traf, ließ der FCK sechsmal Pfosten und Latte wackeln.

Der Trend ist aktuell ein Kaiserslauterer Freund. Vom neunten Spieltag an firmiert das Pfälzer Ensemble als bestes Zweitligateam, gemeinsam mit Darmstadt 98. Beide erspielten je 14 Punkte. Der KSC ist mit sieben Zählern Elfter. Ob die Formkurve den Ausgang des Klassikers beeinflusst, ist freilich zweifelhaft. Gewichtiger dürfte die Frage sein, wie der Karlsruher SC das brutale Pokalaus gegen den FC Augsburg verkraftet hat, denn zur mentalen Komponente gesellt sich die körperliche. In Beinen und Köpfen stecken 120 zehrende Minuten, ein Gegentor in der Nachspielzeit der Verlängerung und ein bitteres Elfmeterschießen. Doch ein Derby ist ein Derby ist ein Derby.

Am Boden, schwer enttäuscht: KSC-Torhüter Max Weiß nach dem Elfmeterschießen gegen den FC Augsburg.
Am Boden, schwer enttäuscht: KSC-Torhüter Max Weiß nach dem Elfmeterschießen gegen den FC Augsburg.

Ein klares Plus hat der FCK im Tor. Julian Krahl ist eine echte Nummer eins, der Keeper mit den ligaweit meisten Paraden (57); sein Karlsruher Pendant Max Weiß wackelte im Topspiel der Vorwoche gegen den Hamburger SV, verschuldete das 0:1 und wirkte per se unsicher. Auch in der letzten Deckungslinie liegt ein Trumpf in Pfälzer Hand. Ob der Verletzung Ragnar Aches punktet der KSC indessen an vorderster Front. Budu Zivzivadze hat wie Ache neun Tore erzielt. Im Mittelfeld ist kein Vorteil auf einer Seite auszumachen. Hier Wirbelwind Daisuke Yokota, dort Marvin Wanitzek, mit neun Vorlagen und vier Toren bester Scorer der Liga.

Also? Schon Sepp Herberger wusste: Die Leute gehen zum Fußball, weil sie nicht wissen, wie es ausgeht.

Unser Autor

Andreas Böhm, 57, war einst Fan der Generation „Kalli, lass die Teufel raus“. Seit 1995 ist er zum Glück der journalistischen Neutralität verpflichtet; seit 2013 FCK-Reporter für diese Zeitung.

An dieser Stelle finden Sie ein Video via Glomex.

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