FCK-Kolumne
Böhms Betze: Beim Heiligen Florian
Geschieht in Kaiserslautern Ungeheuerliches? Verbotenes gar? Wer einen Blick in die Ordnung des Deutschen Feuerwehrverbandes wirft, der Bequemlichkeit halber im Internet durch eine Suche bei Google, der wird entdecken, dass in Rheinland-Pfalz für Freiwillige mit 63 Jahren Schluss sein muss. Das Einstellungsalter bei Berufsspritzenmännern- und frauen beträgt maximal 29 Jahre. Hinzu kommt als Anforderung eine handwerkliche Ausbildung. Ende ist mit 60.
Frage also: Weshalb ist es Friedhelm Funkel erlaubt, mit 70 – siebzig! – beim 1. FC Kaiserslautern als Feuerwehrmann anzuheuern, wo er doch schon sein Rentnerdasein fristete? Ein unerhörter Vorgang. Manch Spötter unkte am Tag seiner Verpflichtung, er möge ob seines fortgeschrittenen Alters bitte nicht am Medizincheck scheitern ...
Satire Ende. Unglaublich ist es währenddessen wieder einmal, wie schnell sich in den Fanforen der Roten Teufel die Stimmung ins Gegenteil verkehrte. Als Dimitrios Grammozis seinem Abschied entgegenblickte, die Trennung aber noch nicht verkündet war, schien der Untergang nah zu sein. Der Betzenberg ein dystopischer Ort. Düster, unwirtlich, bedrückend.
Rekordkulisse beim Livestream
Doch dann, als alle das immer lauter werdende Hufgeklapper als dräuender Vorbote der Reiter der Apokalypse interpretierten und der Klang des Verderbens in den Ohren schepperte, galoppierte stattdessen der Retter daher. Der Friedhelm. Der Funkel. Heiland. Bewahrer. In Windeseile hatten (fast) alle wieder beste Laune, Bock auf Fußball, Bock auf Betze. Über 10.000 Menschen betrachteten sich am Donnerstag den Livestream der Funkelschen Vorstellung. Eine Wahnsinnszahl für eine Pressekonferenz, in der es nur um Fußball ging.
Aber in Kaiserslautern ist es eben nicht nur Fußball. Sondern Religionsersatz. Funkel, der Oberbrandmeister, weiß das allzu genau. Beim Heiligen Florian: Er wird das Abstiegsfeuer schon löschen.
Unser Autor
Andreas Böhm, 57, war einst Fan der Generation „Willst du bequem nach Hause laufen, musst du Roschy-Schuhe kaufen“. Seit 1995 ist er zum Glück der journalistischen Neutralität verpflichtet; seit 2013 FCK-Reporter für diese Zeitung.
