1. FC Kaiserslautern
Abstiegsangst beim FCK: Kevin Kraus und die Sorgen seiner Lieben
Für Kevin Kraus waren die zurückliegenden Tage schwer. Schwerer noch als für viele seiner Kollegen, denn der Innenverteidiger des 1. FC Kaiserslautern kann die Last, die auf ihm lastet, in der Freizeit nicht völlig abschütteln. „Ich muss da auch Fragen zum Spiel beantworten“, berichtet Kraus vom vergangenen Samstag und den Stunden nach der 0:4-Schmach der Roten Teufel gegen den Karlsruher SC. In seinem direkten Umfeld gibt es viele Menschen, denen der FCK nahesteht. Seine Freundin stammt aus Kaiserslautern, ihre Eltern sind Anhänger der Roten Teufel. Kevin Kraus spürt auch in seinem Privatleben hautnah den Schmerz, der mit jeder Niederlage des FCK größer wird.
Die Angst vor dem Abstieg aus der Zweiten Liga hat in Kaiserslautern längst um sich gegriffen. Kraus weiß das. „Wenn man zum Bäcker geht, wird man angesprochen. Man spürt die Verantwortung für die Leute hier, die sehr am Verein hängen“, erzählt er am Dienstag. Die erste Trainingseinheit des Tages ist vorüber, die zweite steht noch bevor. „Wir können durch unsere Leistungen die Woche der Menschen beeinflussen“, sagt Kraus – und ist fest entschlossen, den Fans des Klubs, für den er seit 2018 spielt, möglichst schon die nächste Woche angenehmer zu gestalten.
Funkel fordert mehr Intensität
„Wir müssen in Rostock irgendwie drei Punkte holen“, blickt er auf die nächste Aufgabe im Überlebenskampf in der Zweiten Liga voraus. Beim FC Hansa steigt am Samstag eine Art Abstiegsgipfel, denn der Tabellen-17. trifft auf den punktgleichen 16. Für den Verlierer des direkten Duells wird die Situation noch dramatischer, der Sieger bekommt einen Hauch Rückenwind. Es geht für den FCK (noch) nicht um alles, aber es geht um sehr viel. Erst recht nach der Leistung zuletzt gegen den KSC.
„Wir müssen die Intensität noch mal erhöhen“, sagt Friedhelm Funkel den Profis vor dem Start der Trainingswoche. Am Montag hatten die Spieler frei, ehe am Dienstag zwei Einheiten angesetzt sind. „Es sind nur noch elf Spiele“, ruft der Trainer seinen Schützlingen entgegen, ehe er sie am Vormittag mit laufintensiven Spielformen fordert. Kraus und seine Kollegen sind schon beim Mittagessen kaputt, müssen danach aber noch einmal ran. Beim FCK ist gerade nicht die Zeit, um durchzuschnaufen.
Kraus mahnt Ruhe an
Kraus findet diese Herangehensweise richtig. Der Verteidiger war vor rund drei Jahren dabei, als sich die Lauterer in einer noch schlechteren Ausgangslage befanden, weil der Absturz in die vierte Liga drohte. „Aus meiner Erfahrung heraus ist es gut, ruhig und sachlich weiterzumachen“, sagt Kraus: „Wir müssen gucken, dass wir gute Trainingsleistungen bringen und uns nicht nur auf das Negative konzentrieren.“ Weil Kraus bekannt dafür ist, solide auf dem Platz seinen Dienst zu verrichten und weil er in seiner Laufbahn schon schwierige Momente gemeistert hat, machte ihn Funkel zur Stammkraft. Unter dessen Vorgänger Dimitrios Grammozis war er nur noch als Notnagel vorgesehen.
Vor drei Jahren schafften die Roten Teufel mit Kraus als Stabilisator in der Defensive den Klassenverbleib – und diese Geschichte soll sich nun wiederholen. Dafür hängte sich der 31-Jährige in den Trainingseinheiten am Dienstag rein. Beobachtet wurden seine Kollegen und er in der Einheit am Vormittag von knapp zwei Dutzend Fans, die ins Nachwuchsleistungszentrum des FCK gekommen waren.
Ehrmann und Hengen schauen zu
Außerdem standen Gerry Ehrmann und Thomas Hengen am Rand und steckten die Köpfe zusammen. Der gerade 65 Jahre alt gewordene pfälzische Torwart-Titan und der Geschäftsführer des FCK schauten sich an, ob die FCK-Profis etwas zeigen würden, was man als „Reaktion auf die Derbypleite“ würde bezeichnen können. Die Mannschaft arbeitete konzentriert und war engagiert bei der Sache. Übereifer war nicht zu sehen, was Kraus gut findet: „Wir sollten nicht den Emotionen verfallen, gerade als Spieler nicht. Das ist nicht immer ganz einfach, das weiß ich auch.“
Am Samstag gilt es, auf dem Platz beim Abstiegskrimi in Rostock. Dann müssen die Lauterer das richtige Maß finden, um den negativen Lauf zu stoppen. Kevin Kraus wünscht sich, seiner Freundin und deren Familie anschließend von einem Sieg berichten zu können. In den vergangenen 14 Zweitligapartien war dies nur ein Mal der Fall.
