Rheinland-Pfalz
Rheinland-Pfalz: „Sturmfrei“ für viele Schüler
An rund 200 der 1600 Schulen in Rheinland-Pfalz gab es wegen des Sturmtiefs „Sabine“ am Montag keinen Unterricht – darunter beispielsweise an den Realschulen plus in Ludwigshafen, der Grundschule Offenbach (Südliche Weinstraße oder der Pestalozzi-Grundschule in Eisenberg (Donnersbergkreis). Die Schulen hätten nach der jeweiligen Lage vor Ort entschieden, ob die Schüler zu Hause bleiben können, sagte Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD).
Auch die schulgesetzliche Regelung, dass die Eltern entscheiden, ob ihre Kinder bei extremen Wetterverhältnissen die Schule besuchen können und der Schulweg sicher ist, habe sich bewährt, sagte die Ministerin. Nur sehr eingeschränkt fand beispielsweise an der Integrierten Gesamtschule (IGS) Rockenhausen Unterricht statt. Der weit überwiegende Teil der insgesamt rund 850 Schüler war zuhause geblieben beziehungsweise hatte wegen der Behinderungen im ÖPNV keine Möglichkeit, nach Rockenhausen zu kommen.
Warum gab es keine landesweite Regelung?
Dass in ein und derselben Stadt beziehungsweise in ein und demselben Landkreis die Schulen unterschiedlich auf die Sturmfolgen reagierten, stieß bei Eltern und Lehrern indes teilweise auf Unverständnis. In Mainz sagte eine Mutter: „Hier haben manche Schulen geschlossen, andere nicht, obwohl die Schulwege nahezu identisch sein dürften, den Eltern kam das eher chaotisch vor.“ Im Ergebnis seien die Klassen teils halbvoll gewesen. Eine kommunale Koordination – auch in Abhängigkeit von den öffentlichen Verkehrsmitteln – wäre vielleicht sinnvoller gewesen.
Mehr als die Hälfte der Schüler kamen nicht
Ähnlich sieht es Christina Zils, Leiterin der Gutenbergschule in Göllheim (Donnersbergkreis). Sie berichtete, dass von 420 Schülern nur 88 anwesend waren. In den anderen Fällen hatten die Eltern entschieden, ihre Kinder sicherheitshalber nicht in die Schule zu schicken. Sie hätte sich in diesem Fall von Seiten des Ministeriums und der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) eine landesweite Entscheidung gewünscht, sagte Zils: „Mit dieser Situation ist keiner glücklich.“ Ähnlich sieht es die Leitung der Realschule plus in Kirchheimbolanden, wo gestern rund 60 Prozent der Schüler fehlten: Eine landesweite oder zumindest kreisweite Lösung hätte man bevorzugt, heißt es.
Die Lage in Rheinland-Pfalz sei von Region zu Region sehr unterschiedlich gewesen, sagte eine Sprecherin des Bildungsministeriums. In Mainz sei es vielerorts nicht nötig gewesen, die Schulen zu schließen. Im Hunsrück habe das anders ausgesehen, insbesondere in bewaldeten Gebieten. Die Schulleitungen hätten in Absprache mit der ADD und dem Ministerium sehr umsichtig gehandelt.
Über 60 beschädigte Autos
Der Orkan „Sabine“ hielt auch in der Pfalz die Einsatzkräfte auf Trab: Rund 400 Einsätze verzeichneten die Polizeistellen in West-, Vorder- und Südpfalz. Die Feuerwehren waren noch stärker gefordert, allein mehr als hundert Mal wurde beispielsweise die Wehr in der Verbandsgemeinde Leininger Land (Kreis Bad Dürkheim) alarmiert. Die pfalzweite Bilanz: Rund 230 umgestürzte Bäume sorgten für Behinderungen, 62 Autos wurden durch herabfallende Äste oder Gegenstände beschädigt, Dutzende von Straßen waren zeitweise gesperrt, dazu kam es zu Stromausfällen, so beispielsweise im Kreis Kusel.
Rekord-Windstärke auf der Kalmit
Nach Angaben des Wetterbüros „Klima Palatina“ (Maikammer) wurden in der Orkannacht auf der 673 Meter hohen Kalmit bei Maikammer Windgeschwindigkeiten von bis zu 158 km/h (Windstärke 12) gemessen – für die Kalmit ein Rekordwert. Auf dem 553 Meter hohen Weinbiet bei Neustadt waren es 151 km/h – dort wüteten andere Orkane schon stärker.
Warnung vorm Wandern im Wald
Das Mainzer Forstministerium warnt vor dem Betreten der Wälder mindestens in dieser Woche – vielerorts bestehe dort auch in den nächsten Tagen „Lebensgefahr“. Das Ausmaß der neuen Sturmschäden lässt sich laut Ministerium derzeit nicht abschätzen: „Momentan ist es auch für die Forstleute zu gefährlich, die betroffenen Waldareale zu begehen.“