Ludwigshafen
Die Auswirkungen von Sturmtief „Sabine“ in Ludwigshafen und im Rhein-Pfalz-Kreis
Die Bilanz von Feuerwehr und Polizei
Die Berufsfeuerwehren in Ludwigshafen und Mannheim ziehen eine unaufgeregte Bilanz der Sturmnacht. In Ludwigshafen kamen bis zum Morgen 40 Einsätze zusammen. „Das war nicht viel, und es war nichts Schlimmes dabei“, so Feuerwehrchef Stefan Bruck auf Anfrage. Seine 38 Kollegen hätten sich um heruntergefallene Ziegel oder lose Blechabdeckungen kümmern müssen. Ähnlich die Bilanz in Mannheim: Hier sind 20 Einsätze gezählt worden.
Die Polizei kommt in Ludwigshafen auf eine Schadenssumme von 15.000 Euro. Unter anderem gab es sieben beschädigte Autos und sieben beschädigte Gebäude. Im Vergleich zu anderen Bereichen des Präsidiums sei es „sehr, sehr ruhig“ geblieben, so Polizeisprecherin Sandra Giertzsch. Auch an der Baustelle der Hochstraße Süd hat „Sabine“ einen kleinen Schaden angerichtet. Doch die Mitarbeiter der Firma Moß haben diesen gleich beheben können.
Im Kreis sieht die Bilanz etwas anders aus. An der Rundsporthalle in Mutterstadt hat „Sabine“ das Dach beschädigt. Die Halle ist bis auf Weiteres für den Schul- und Vereinssport geschlossen. 15 Einsätze vermelden die Wehren aus der Verbandsgemeinde Maxdorf. Unter anderem musste ein umgestürzter Baum vom Kreisel am Ortseingang (aus Birkenheide kommend) entfernt werden. Spektakulär war es in Böhl-Iggelheim: Hier fielen zwei Bäume im 2. Maxfeldweg auf einen oberirdischen Gastank. Da Flüssiggas austrat, wurden drei Häuser vorübergehend evakuiert. In Dannstadt-Schauernheim stürzte in der Schillerstraße ein Baum von einem Privatgrundstück auf die Fahrbahn. In Mutterstadt wurde ein Bauzaun auf die Fahrbahn geweht. Auf der K 30 zwischen Waldsee und Schifferstadt kollidierte ein 57-jähriger Lkw-Fahrer mit einem Baum, der durch den Sturm in die Fahrbahn ragte.
Der Nahverkehr
Dass die Rhein-Neckar-Verkehr GmbH sich in der Nacht zum Montag entschieden hat, mit Bussen und Bahnen zum Betriebsstart am Montag überhaupt nicht auszurücken, hat viele Pendler kalt erwischt. Das Unternehmen habe sich dennoch bewusst für diese Linie entschieden, um kein Risiko einzugehen. Da sich im Laufe des Morgens herausstellte, dass es keine größeren Schäden gab und die Strecken nicht blockiert waren, wurde der Betrieb bis zur Mittagszeit wieder aufgenommen. Die RNV-Homepage sei zwischenzeitlich überlastet gewesen: „Da hatten wir den zehnfachen Betrieb als sonst“, so ein RNV-Sprecher.
Die Parks und der Müll
Der Sturm hat sich am Montag auch auf den Alltag der Bürger ausgewirkt. So konnten in Böhl-Iggelheim (Restmüll) und Limburgerhof (Biomüll) die Tonnen nicht geleert werden. Laut Kreisverwaltung wird die Müllabfuhr in diesen Gemeinden am Samstag nachgeholt. In Ludwigshafen konnten die Fahrzeuge des Wirtschaftsbetriebs WBL wie geplant ausrücken. Laut WBL-Chef Peter Nebel waren aber insbesondere in Friesenheim Gelbe Säcke und Altpapierbündel weggeweht worden. Zum Teil kamen Mitarbeiter verspätet, weil sie keinen ÖPNV-Anschluss hatten. Auch die Stadt Mannheim weist auf einzelne Verzögerungen bei der Müllabfuhr hin.
Aus Sicherheitsgründen haben die Verwaltungen in Ludwigshafen und Mannheim Friedhöfe und Parks gesperrt. Bestattungen finden in Ludwigshafen jedoch statt. Wann die Parks wieder betreten werden dürfen, wird kurzfristig entschieden. Vor einer Öffnung müsse geprüft werden, ob alle Bäume den Sturm unbeschadet überstanden haben, also kein Astbruch droht. WBL-Chef Nebel rät daher, Parkanlagen aktuell nicht zu betreten. Die Städte und auch die Förster appellieren ferner an die Bürger, auch den Wald noch einige Tage zu meiden, da Schäden erst erfasst und beseitigt werden müssten.
Die Schulen
Die Karolina-Burger-Realschule plus in Mundenheim hatte sich am Sonntag mit den anderen Realschulen-plus in Ludwigshafen darauf verständigt, den Unterricht am Montag ausfallen zu lassen. „Die Meldekette am Sonntag hat gut geklappt“, zeigt sich Schulleiter Oliver Hornickel zufrieden. Nur vier der über 700 Schüler sind am Montagmorgen in der Schule aufgetaucht. „Um sie haben wir uns dann gekümmert, bis sie abgeholt werden konnten“, sagt Hornickel. Der Plan, Unterricht anzubieten, scheitert am Theodor-Heuss-Gymnasium (West) daran, dass zu wenige der 820 Schüler kommen. „Es waren nur etwa fünf bis zehn Prozent der Schüler da“, sagt Schulleiter Friedrich Burkhardt. Viele seien wohl auch wegen des ÖPNV-Ausfalls nicht gekommen. Am Morgen seien die Telefone „heiß gelaufen“, zudem gingen über 100 E-Mails mit Entschuldigungen ein, so Burkhardt. Nach der zweiten Stunde durften die Schüler entweder nach Hause gehen oder sie wurden weiter in der Schule betreut.
Zur Sache: Auf dem Weg zur Arbeit
Friesenheim, 9.30 Uhr. Der Wind weht kräftig, aber ich bin guter Dinge, als ich zur Straßenbahnhaltestelle laufe. Doch dort stehe ich mit etwa acht anderen Optimisten und warte vergeblich auf meine Bahn in Richtung Innenstadt. Nach 20 Minuten gebe ich auf und mache mich zu Fuß auf. Knapp 35 Minuten brauche ich bis zur Redaktion in der Amtsstraße. Auf dem Weg sehe ich umgekippte Mülltonnen, aufgerissene gelbe Säcke und viele größere und kleinere Äste auf den Straßen.