Contwig RHEINPFALZ Plus Artikel Rechtsstreit Schimmelkita: Urteil gefallen, so viel Geld bekommt die Gemeinde

Der Kran steht, der Baustopp ist vorbei, an der Kita-Baustelle in der Maßweilerstraße geht’s weiter. Als erstes wird nun das Dac
Der Kran steht, der Baustopp ist vorbei, an der Kita-Baustelle in der Maßweilerstraße geht’s weiter. Als erstes wird nun das Dach abgebaut.

Der Rechtsstreit um Contwigs Schimmelkita scheint beendet. Das Amtsgericht hat ein Urteil gefällt. Dem Architekten und dem Verputzer dürfte dieses nicht gefallen.

Die Corona-Pandemie hatte gerade begonnen, da ließ Contwigs Ex-Bürgermeister Karlheinz Bärmann in einer Gemeinderatssitzung die Bombe platzen: Der krachneue Kindergarten in der Maßweilerstraße − damals wie heute noch eine Baustelle − schimmelt. Es folgte ein Baustopp, seitdem verkommt das Gebäude oberhalb des Contwiger Friedhofes immer mehr zu einem „Lost Place“, also einem „vergessenen Ort“. Als ein Jahr später Contwigs Bürgermeisterin Nadine Brinette das Zepter ihres Amtsvorgängers übernahm, war sie es, die im Rechtsstreit an vorderster Front mitkämpfte. Jetzt, fünf Jahre später, könnte das Drama beendet sein: für die Gemeinde mit einem Happy End, für den Architekten sowie die Handwerkerfirma, die damals mit den Putzarbeiten im Innenbereich beauftragt war, mit einer Niederlage. Fest steht: Das Zweibrücker Amtsgericht hat am vergangenen Mittwoch ein Urteil gefällt.

Grob umrissen hat die Gemeinde das Gerichtsverfahren gewonnen, so Richter Peter Ehrmantraut. Die beiden Beklagten − Architekt und Handwerkerfirma − müssen für den entstandenen Schaden aufkommen. Zunächst passiert das in einem sogenannten Vorschussanspruch über 230.000 Euro. Allerdings weiß Ehrmantraut, dass der tatsächlich entstandene Schaden viel höher ist. Brinette beziffert die Mehrkosten aktuell auf rund 750.000 Euro. Laut Urteil müssen die beiden Beklagten generell alle Mehrkosten bezahlen, abgerechnet werde zum Schluss.

Architekt und Handwerker haben Verfahren in die Länge gezogen

Die Mehrkosten setzen sich aus zahlreichen Rechnungen zusammen: höhere Baukosten, weil Handwerkerhonorare und Materialkosten in den vergangenen Jahren durch die Decke geschossen sind, Umbaukosten, weil das Rathaus kurzerhand zum Kindergarten umfunktioniert worden ist − die bereits angemeldeten Kinder konnten ja schlecht auf der Straße betreut werden −, Verfahrens- und Gerichtskosten und so weiter. Eigentlich hätte der Rechtsstreit schon längst geklärt sein können. Mehrere Vergleichsvorschläge zwischen den beiden Streitparteien sind gescheitert, zudem, so Brinette, hätten die Beklagten immer wieder um Fristverlängerung gebeten. Und je länger der Rechtsstreit dauerte, umso länger hat sich der Kita-Neubau hingezogen.

Mit dem jetzt verkündeten Urteil zeigt sich Contwigs Bürgermeisterin sehr zufrieden. Luftsprünge macht sie aber noch nicht: „Es kann gut sein, dass die gegen das Urteil vorgehen und vor die nächsthöhere Instanz ziehen.“ Ihr oberstes Ziel ist es nun, möglichst flott mit dem Bau des Kindergartens voranzukommen. Am vergangenen Dienstag ist der Kranwagen zur Baustelle gefahren, ab Montag wird dann das alte Dach demontiert, anschließend vom Dachdecker ausgetauscht. Danach soll auf Hochtouren weitergebaut werden. Eine Einschätzung, wann die Kita in Betrieb geht, wagt Brinette jedoch nicht mehr − zu oft musste sie ihre Versprechen diesbezüglich brechen: „Wir machen dann auf, wenn wir fertig sind.“

Das richtige Material zur falschen Zeit verbaut

Aber warum hat es jetzt eigentlich während der Bauphase im Kindergarten geschimmelt? Kurze Antwort: Das richtige Material zur falschen Zeit verbaut. Die Dachkonstruktion sollte ursprünglich aus OSB-Platten hergestellt werden, also aus Holz. Grundsätzlich ist das laut Brinette kein Problem. Allerdings wurden die Platten in der nasskalten Jahreszeit verbaut. Und dann hat auch noch die Dämmung gefehlt und die Baustelle wurde nicht getrocknet. Ein Nährboden für Schimmel. Jetzt soll das anders laufen: Statt OSB-Platten wird die neue Dachkonstruktion aus zementgebundenen Platten hergestellt. Damit, so die große Hoffnung der Bürgermeisterin, soll der Schimmel-Angst ein Riegel vorgeschoben werden.

Zum Kommentar: Am Ende leiden die Kinder!

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