Pirmasens
Park Brauerei in Pirmasens: Geschichte trifft auf Innovation (mit Bildergalerie)
Wird in Pirmasens überhaupt noch gebraut?
Ja. In Pirmasens wird laut Brauereichef Roald Pauli noch Bier produziert. Konkret werden hier alle Park-Sorten hergestellt, also sowohl Pils und Export als auch Spezialbiere wie Pirminator. Außerdem wird in Pirmasens ein Weizenbier gebraut, das unter dem Namen Valentins-Weißbier von der Park & Bellheimer Brauerei vertrieben wird. Gebraut wird auf zwei Sudstraßen im Sudhaus der Brauerei. Betriebsleiter Benedikt Braun spricht mit Blick auf die Anlage vom „Stolz der Brauerei“. Teile des Sudwerks stammen noch aus dem Jahr 1956, wenngleich unter anderem die Technik erneuert wurde. So ist zwar noch eine alte Schaltwarte zu sehen, aber längst kann die komplette Anlage mithilfe eines Computers digital gesteuert werden.
Wie viele Menschen arbeiten am Pirmasenser Standort der Brauerei?
45 Mitarbeiter beschäftigt die Park & Bellheimer Brauerei in Pirmasens, darunter befinden sich auch ein halbes Dutzend Brauer und ein Braumeister. Brauereichef Roald Pauli ist einmal pro Woche in Pirmasens. Am zweiten Standort, im südpfälzischen Bellheim, beschäftigt das Unternehmen weitere Mitarbeiter. Alles in allem beziffert Pauli die Personalstärke mit rund 130 Männern und Frauen.
Wann hat die Brauerei zuletzt in den Standort Pirmasens investiert?
Die letzte große Investition ist gerade abgeschlossen. Rund eine Million Euro hat die neue Fassabfüllanlage gekostet. Ein Roboterarm wuchtet nun bis zu 160 Fässer pro Stunde auf Paletten – ein enormer Vorteil zur vorherigen Situation, bei der die 30- und 50-Liter-Fässer von Hand herumgehoben wurden. Teil der Anlage ist auch eine Waschstraße, in die brauereieigenen Fässer voll automatisiert außen und innen gereinigt werden. Eine knappe Minute dauert dieser Prozess.
Wie viele Fässer besitzt die Brauerei?
Die Park & Bellheimer Brauerei füllt ihr Bier nur in Fässer ab, die ihr selbst gehören. 150.000 Edelstahlfässer sind dafür notwendig. Für die sogenannten Rotringfässer hat die Brauerei in den vergangenen Jahren acht Millionen Euro in die Hand genommen.
Warum wird in Pirmasens kein Flaschenbier abgefüllt?
Am Standort Bellheim wurde eine Flaschenabfüllanlage installiert. Die Kosten dafür beziffert Brauereichef Pauli mit zwölf bis 13 Millionen Euro. Neben dem Kostenfaktor für eine zusätzliche Flaschenabfüllanlage spielt noch ein weiteres Argument eine Rolle. In Pirmasens reicht der Platz nicht aus, um eine solche Maschine zu installieren. Das hat zur Folge, dass die Biere aus der Südwestpfalz mit Tanklastzügen in die Südpfalz transportiert und dort abgefüllt werden.
Warum gibt es kein Park-Bier in Dosen?
Die Brauerei hat keine entsprechende Abfüllanlage. Außerdem widerspricht es dem Gedanken der Nachhaltigkeit, sagt Marketingchef Jochen Sehn. Allerdings gibt es eine Ausnahme – und die erfreut sich großer Beliebtheit: Vor ein paar Wochen hat die Brauerei eine Fünf-Liter-Dose mit Park-Export auf den Markt gebracht. Das Bier wurde in Pirmasens gebraut und in Bellheim abgefüllt. „Die Dose kommt sehr gut an“, sagt Betriebsleiter Benedikt Braun.
Welche Rolle spielt das Lager in Pirmasens?
Auf rund 1000 Paletten lagern auf dem Areal an der Zweibrücker Straße nicht nur Biere von Park und Bellheimer in unterschiedlichen Gebinden, sondern auch alkoholfreie Getränke. Unter der Marke Bellaris vertreibt die Brauerei nicht nur Mineralwasser, sondern auch Fruchtsaftgetränke, Limonaden und Co.
Wohin wird das Pirmasenser Bier geliefert?
Die Getränke werden vom Firmensitz in der Zweibrücker Straße im Wesentlichen in einem Umkreis von 100 Kilometern ausgeliefert. Das Kernabsatzgebiet liegt jedoch 50 bis 60 Kilometer rund um Pirmasens und wird von den brauereieigenen Lieferfahrzeugen angefahren.
Welches Wasser nutzt die Brauerei in Pirmasens?
Während es etliche Brauereien in Deutschland gibt, die über eine eigene Quelle verfügen, ist das in Pirmasens nicht der Fall. Das Park-Bier wird mit normalem städtischem Wasser gebraut, dessen Werte die Brauerei zusätzlich im eigenen Labor kontrolliert. Das Pirmasenser Wasser gilt als sehr weich und eignet sich damit sehr gut für Bier, sagt Brauereichef Pauli.
Wie geht es weiter mit dem Areal der Brauerei in der Stadtmitte?
Auf rund 16.500 Quadratmeter erstreckt sich der Firmensitz in der Innenstadt an der Ecke Zweibrücker Straße/Rodalber Straße. Hier hat Ende des 19. Jahrhunderts die Geschichte der Park-Brauerei begonnen. Aus heutiger Sicht würde man für eine Brauerei einen anderen Standort wählen, aber darüber denkt Firmenchef Roald Pauli nicht nach. Er bekennt sich zu den Wurzeln der Brauerei. Für dieses Jahr kündigt er größere Arbeiten am Stammsitz an. So sollen die Fenster erneuert und die Fassade saniert werden. Es gebe bereits erste Entwürfe. „Das wird nicht ganz billig“, sagt der Unternehmer und geht davon aus, dass die Sanierung mehrere Hunderttausend Euro kosten wird.
Wie ist die wirtschaftliche Situation bei Park Bellheimer?
Das Ostergeschäft ist gut gelaufen und allgemein befindet sich die Brauerei auf gutem Kurs. Roald Pauli berichtet von einem Jahresumsatz, der bei 25 Millionen Euro liegt und verweist auf 55 Millionen Euro, die in den vergangenen 14 Jahren in die Brauerei investiert worden seien. Der Absatz und der Umsatz des Unternehmens sei in dieser Zeit um 35 Prozent gestiegen. Park Bellheimer beliefert etwa 1600 Gastronomiebetriebe in der Pfalz und den angrenzenden Regionen. „Was wir erwirtschaften, bleibt im Unternehmen“, berichtet Pauli. Die Eigenkapitalquote sei so in der Zeit seiner Verantwortung von vier auf 15 Millionen Euro gestiegen. „Wir agieren heute als Unternehmen bankenunabhängig.“

