Bexbach RHEINPFALZ Plus Artikel Rennfahrer und Freiheit: Warum die Bexbacher Campingmesse statt neun nur fünf Tage dauert

Die Bexbacher Campingmesse (hier aus dem Jahr 2023) ist eine der ältesten Deutschlands. Ab Mittwoch kann man sich auch virtuell
Die Bexbacher Campingmesse (hier aus dem Jahr 2023) ist eine der ältesten Deutschlands. Ab Mittwoch kann man sich auch virtuell auf eine Rennstrecke beamen.

Von Südfrankreich aus arbeiten, während man im Wohnmobil sitzt? Wie das geht, zeigt die Bexbacher Campingmesse ab Mittwoch. Es gibt viel Neues – und einen Wermutstropfen.

„Arbeiten, wo andere Urlaub machen.“ Wer im Büro sitzt, vor dessen Fenster sich Wolken türmen, muss jetzt ganz stark sein: Denn das ist das Motto der diesjährigen Messe auf dem Gelände des Bexbacher Blumengartens, die sich in ihrer 64. Auflage fünf Tage lang nicht nur ums Thema Camping, sondern auch um Freizeit allgemein, um Oldtimer und um 100 Aussteller dreht. Beim Motto geht es um die Camper, „die ihren Wohnwagen oder ihr Wohnmobil schon als fahrendes Büro nutzen. Durch die modernen Medien sind die ja total unabhängig und können ihrem Beruf auch nachgehen, wenn sie zum Beispiel in Südfrankreich irgendwo auf dem Campingplatz stehen“, erklärt Volker Wagner.

Die RHEINPFALZ erreicht den 62-Jährigen, der die Messe zusammen mit seinem Team organisiert, in den letzten Zügen der Vorbereitungen. Telefone schrillen, es herrscht Hektik. Deshalb ruft Wagner zurück – von der frischen Luft, wo es ein bisschen ruhiger ist.

7500 Kilometer in 16 Tagen

Mittlerweile gibt es laut Wagner schon einen großen Hersteller, der sich auch darauf spezialisiert hat, das reine Reisemobil zum fahrenden Büro umzubauen – und zwar in nur wenigen Schritten, wie der Organisator sagt. Dieser Hersteller könne aber, da er zum Zeitpunkt der Messe verhindert sei, nicht kommen.

„Früher sind die Leute mal für eine Nacht gekommen und waren auf der Durchreise.“ Mittlerweile stehen manche Messe-Besucher auch mal für zwei, drei Tage auf dem Gelände – „haben freies WLAN und gehen einfach ihrem Job nach. Mittags wird Fahrrad gefahren, morgens wird im Wohnmobil gearbeitet. “ Gerade wegen dieser Freiheit liebt Volker Wagner sein Wohnmobil. Seit 1988 ist er mit seinem Camper unterwegs. Im Sommer fahren er und seine Frau gerne nach Skandinavien, also Schweden oder Norwegen. Die Polarlichter haben die beiden zwar noch nicht gesehen, „so weit oben waren wir noch nicht, aber das hab ich mir vorgenommen“. Spätestens, wenn er in Pension ist, möchte er das angehen. Dann möchte er auch mal nach Marokko. „In 16 Tagen haben wir es schon geschafft, 7500 Kilometer zu fahren – und trotzdem haben wir bei weitem nicht das mitgenommen, was wir wollten.“

„Man lässt sich einfach überraschen“

„Man setzt sich so Ziele, aber dann gefällt es einem irgendwo, und dann bleibt man da. Und dann sagt man: Wir verschieben es auf nächstes Jahr.“ Auch in Schottland waren sie schon. Im Herbst verschlägt es sie nach Südfrankreich, „Saint-Tropez, die Kante“. Aber: „Der Weg ist das Ziel beim Wohnmobil. Man lässt sich einfach überraschen. Man fährt nicht nur auf der Autobahn, sondern guckt sich auch mal die Landschaften, die Städtchen und Dörfer an. Und wenn einem irgendwas gefällt, dann bleibt man halt mal eine Nacht da stehen. Deswegen hat man ein Reisemobil.“

Und für die Reisemobile gibt es wiederum die Messen. Seit 1960 gibt es sie in Bexbach – und ist damit eine der ältesten in Deutschland. Jedes Jahr kommen auch Besucher aus Luxemburg oder Frankreich, aber auch aus der Region, wie Saarbrücken, Kaiserslautern oder auch Ludwigshafen, sagt Volker Wagner. Voriges Jahr waren 44.000 Besucher da.

Aus neun werden fünf Tage

Ob dieses Jahr auch wieder so viele kommen werden? Denn erstmals dauert die Messe nicht neun, sondern nur noch fünf Tage. „Das ist auf ausdrücklichen Wunsch von unseren Ausstellern passiert“, erläutert der Initiator. Die neun Tage seien ihnen zu lang gewesen. So hätten viele von ihnen schon vor drei Jahren den Wunsch an die Veranstalter herangetragen, die Messe zu verkürzen.

Vor rund zehn Jahren „kamen die meisten Aussteller hier aus der Umgebung“. Jetzt sei es so: „Die Aussteller kommen aus der ganzen Republik.“ Die Folge: Sie alle müssen Hotelzimmer mieten, ihr Personal unterbringen, und können nicht mal eben ins (unbesetzte) Büro, wenn etwas Dringendes ansteht. Zum anderen „haben sie alle Personalprobleme“. Was aber laut Wagner nicht bedeute, dass die Messe auf dem absteigenden Ast ist. „Die Gründe liegen weder in Messemüdigkeit, noch in finanziellen Nöten“, betont Volker Wagner. Es sei eben vieles nicht mehr so einfach wie vor zehn Jahren. Auch Absagen drei Tage vor der Messe kämen schon vor. Umso dankbarer ist Wagner den Stamm-Ausstellern, die immer wieder kommen. Auch das Publikum bezeichnet er als sehr treu.

Per Simulation auf die Rennstrecke

Aus neun werden fünf Tage – aber dafür verlängern sich nun die Öffnungszeiten der Messe. In den Vorjahren hatte sie unter der Woche erst ab 13 Uhr auf, „jetzt ist die Messe an den fünf Tagen von 10 bis 18 Uhr geöffnet – jeden Tag. Ich denke, von den Öffnungszeiten her ist sie nicht kürzer.“ Da in den ersten drei, vier Tagen in den vorigen Jahren etwa 80 Prozent der Besucher kamen, „habe ich mir die Entscheidung auch nicht so schwer gemacht, zu sagen: Wir gehen auf die fünf Tage. Man hat gesehen, die Leute sind bereit, diese Kompromisse einzugehen.“

Kompromisse beim Programm muss man aber nicht machen: Am 1. Mai gibt es ab 10.30 Uhr wie üblich die Oldtimer-Rallye und den Frühlingsmarkt. Auch die Tourismuszentrale des Saarlandes präsentiert Regionen zum Campen, Wandern oder Erholung. Auch ein Händler nur für Camping-Zubehör beansprucht im großen Zelt 200 der 1000 Quadratmeter. Dass es zu wenig Aussteller für Zubehör gebe, wurde in der Vergangenheit kritisiert. Der ADAC bietet an allen fünf Tagen in ihrem Zelt „Simracing“ an. Da kann man sich per Simulation etwa auf die Rennstrecke beamen. Auch Profi-Rennfahrer nutzen die Simulation. „Das ist was anderes als am PC daheim. Das ist schon realistisch und gut gemacht. Wenn man drin sitzt, denkt man, man ist in einer anderen Welt. Man erschrickt auch.“

Info

Die 64. Bexbacher Campingmesse findet von 30. April bis 4. Mai, jeweils von 10-18 Uhr, auf dem Gelände des Bexbacher Blumengartens statt.

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