Unternehmen
Die BASF gibt sich verhalten zuversichtlich
Die BASF sei das laufende Geschäftsjahr mit Zuversicht angegangen, sagte am Freitag Konzernchef Markus Kamieth. Er rechne aber nur begrenzt mit Rückenwind aus dem Markt. Die BASF müsse sich „fast alle Verbesserungen selbst erarbeiten“. Aber das, was er bisher gesehen habe, stimme ihn extrem positiv. Das BASF-Team habe geliefert, sagte Kamieth, der gestern erstmals als Vorstandsvorsitzender detaillierte Geschäftszahlen für 2024 vorstellte. Vorläufige Angaben hatte der Konzern bereits am 24. Januar veröffentlicht.
Dabei klafft eine weite Lücke zwischen den Ergebnissen der Segmente, die die BASF nun als Kerngeschäfte betrachtet, und den eigenständigen Geschäften (standalone businesses), für die die BASF andere Besitzstrukturen anstrebt. Bei der für den Konzern maßgeblichen Gewinnkennzahl Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) und vor Sondereinflüssen ging es 2024 bei den Kerngeschäften (Chemicals, Materials, Industrial Solutions, Nutrition & Care) zusammen verglichen mit dem Vorjahr um 18 Prozent nach oben. Bei den Standalone Businesses (Surface Technologies, Agricultural Solutions) dagegen um 13 Prozent nach unten.
Verhaltene Prognose
Die sei ein klarer Beleg für die starke Wettbewerbsposition der Kerngeschäfte, sagte Kamieth. Die schwache Entwicklung bei Surface Technologies führte er auf einen schwachen Automobilmarkt zurück. Im Agrargeschäft (Agricultural Solutions) nannte er geringe Nachfrage, sinkende Preise und hohe Lagerbestände. Dieses Segment zeigte allerdings im vierten Quartal 2024 eine sehr starke Entwicklung. Mit ihrem Ziel, den Wert der eigenständigen Geschäfte voll zur Geltung zu bringen, komme die BASF gut voran, sagte Kamieth. Als Beispiel dafür nannte der BASF-Chef den kürzlich bekanntgegebenen Verkauf des Geschäfts mit Bautenanstrichmitteln in Brasilien für 1,15 Milliarden Dollar (1,11 Mrd Euro) an den US-Konzern Sherwin-Williams. Damit habe die BASF für dieses Geschäft „ein klares Premium realisiert“, sagte Kamieth.
Die Prognose für das laufende Geschäftsjahr blieb verhalten. Die BASF erwartet einen leichten Anstieg des Ergebnisses. Das EBITDA vor Sondereinflüssen soll demnach einen Wert zwischen 8,0 Milliarden und 8,4 Milliarden Euro erreichen. Alle Segmente mit Ausnahme von Chemicals werden demnach zum Ergebnisanstieg beitragen. Bei Chemicals werden laut BASF vor allem steigende Fixkosten für die Inbetriebnahme des neuen Verbundstandorts in China und planmäßige Wartungsabstellungen das Ergebnis belasten.
Hohe Investitionen in China
Kamieth erläuterte, dass die Investitionen in den Verbundstandort im südchinesischen Zhanjiang das EBITDA vor Sondereinflüssen 2025 mit etwa 400 Millionen Euro belasten werden. Von 2025 bis 2028 sollen rund 3 Milliarden Euro in den neuen Standort investiert werden, der in der zweiten Jahreshälfte hochgefahren werden soll. Die Gesamtinvestition in Zhanjiang bezifferte die BASF mit 10 Milliarden Euro.
Das EBITDA vor Sondereinflüssen stieg 2024 für den Konzern um 2,4 Prozent auf 7,9 Milliarden Euro. Unterm Strich lag der Gewinn (Ergebnis nach Steuern und nicht beherrschenden Anteilen) mit 1,3 Milliarden Euro fast um das sechsfache höher als im Vorjahr (225 Millionen Euro). Dazu trug auch ein Veräußerungsgewinn aus dem Verkauf seiner Mehrheitsbeteiligung an dem Öl- und Gaskonzern Wintershall Dea an Harbour Energy bei.
Der Ludwigshafener Chemiekonzern schlägt für das abgelaufene Geschäftsjahr eine deutlich verminderte Dividende von 2,25 Euro (Vorjahr 3,40 Euro) pro Aktie vor. Damit bleibt die BASF bei dem Mindestwert für die Ausschüttung, die der Konzern mit seiner neuen Konzernstrategie Winning Ways im September 2024 angekündigt hatte. Die BASF senkt damit zum ersten Mal seit 14 Jahren die Dividende, und zwar um 34 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Kamieth sprach am Freitag von einer attraktiven Dividendenrendite von über 5 Prozent. Dieser Wert betrug allerdings im Vorjahr noch 7 Prozent. Das bereinigte Ergebnis je Aktie ist 2024 um 26 Prozent gestiegen auf 3,51 Euro.
Neue Dividendenpolitik
Die BASF hatte seit 2019 stets knapp über 3 Milliarden Euro an die Anteilseigner ausgeschüttet. Die neue Dividendenpolitik sieht vor, dass das 2025 bis 2028 im Durchschnitt auch so bleiben soll. Für diese vier Jahre zusammen ist eine Ausschüttung von mindestens 12 Milliarden Euro geplant, das wären im Schnitt weiterhin mindestens 3 Milliarden Euro pro Jahr. Neu ist jetzt allerdings: Auf die Dividende sollen dabei nur noch mindestens 2 Milliarden Euro pro Jahr entfallen. Damit garantiert die BASF nur noch eine Auszahlung von mindestens 2,25 Euro pro Aktie für die nächsten Jahre. Mit 2 Milliarden Euro pro Jahr käme in den genannten vier Jahren 8 Milliarden für die Dividende zusammen. Die fehlenden 4 Milliarden bis zu den geplanten 12 Milliarden Euro Ausschüttungen sollen zeitversetzt, aber spätestens ab 2027 ins Spiel kommen und dann bis 2028 für den Rückkauf eigener Aktien aufgewendet werden. Das soll den Aktienkurs tendenziell nach oben bewegen.
Die BASF ist nach Angaben des BASF-Chefs „auf gutem Weg“ die angestrebten jährlichen Einsparungen von 2,1 Milliarden Euro bis Ende 2026 zu erreichen. Die beiden aktuell laufenden Kostensenkungsprogramme konzentrieren sich vor allem auf den Standort Ludwigshafen. Damit verbunden ist voraussichtlich der größte Stellenabbau am Heimatstandort seit zwei Jahrzehnten. Die BASF will bislang nicht beziffern, wie hoch der Arbeitsplatzabbau ausfallen wird. Kamieth sagte auch gestern, die BASF sei noch nicht so weit, die Höhe des Jobabbaus in Ludwigshafen zu beziffern.
Aussagen zum Anteil der Einsparungen, der wesentlich auf Personalabbau entfallen soll, lassen aber eine Hochrechnung zu. Demnach könnten, wie bereits mehrfach berichtet, in Ludwigshafen 5000 bis 6000 Stellen wegfallen. Die BASF hatte dazu geäußert, diese Rechnung greife zu kurz und sei irreführend, ohne dies genauer auszuführen. Kamieth sagte gestern allerdings, nach mehrfachen Fragen verschiedener Medien zu dem Thema, es seien verschiedene Berechnungen zum Stellenabbau berichtet worden, die vielleicht gar nicht so falsch seien. Für das Stammwerk gilt aktuell noch eine Standortvereinbarung, in der der Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen vereinbart ist, allerdings nur bis Ende 2025. Derzeit verhandelt der BASF-Vorstand mit den Arbeitnehmervertretern über eine neue Standortvereinbarung.
Die BASF hat kürzlich ihre jahrzehntelange Praxis eingestellt, jedes Quartal detailliert über die Beschäftigung in Ludwigshafen zu informieren. Informationen über den Personalstand gebe es jetzt „transparent einmal jährlich“ im Unternehmensbericht. Und da auch nur noch für die BASF SE, die weitgehend deckungsgleich ist mit dem Stammwerk. Also nicht mehr für den Standort Ludwigshafen.
Doch diese beiden Angaben unterscheiden sich erheblich. Das Stammwerk zählte 33.684 Beschäftigte Ende September 2024 – als zum letzten Mal Angaben dazu gemacht wurden. Am Standort Ludwigshafen, zu dem neben dem Stammwerk weitere BASF-Gruppengesellschaften gehören, waren es zu diesem Zeitpunkt 4537 Beschäftigte mehr. Ende September 2024 zählte der BASF-Standort 700 Stellen weniger als zwölf Monate zuvor.
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