Homburg / Rostock RHEINPFALZ Plus Artikel Gefahr für Marine-Minenjagdboot: Homburger Patenschiff sabotiert

Die „Homburg“, das Patenschiff der Stadt Homburg der Bundesmarine, wurde von Unbekannten sabotiert.
Die »Homburg«, das Patenschiff der Stadt Homburg der Bundesmarine, wurde von Unbekannten sabotiert.

Durchgeschnittene Kabel, ein lahmgelegtes Schiff: Unbekannte haben das Minenjagdboot „Homburg“, das Patenschiff der saarländischen Stadt der Deutschen Marine, sabotiert.

Das Patenschiff von Homburg, das bei der Marine den Namen der Kreis- und Universitätsstadt trägt, wurde offensichtlich sabotiert. Während eines Wartungsaufenthalts voriges Jahr in einer Werft in Rostock seien mehrere Kabelbäume durchgeschnitten worden, meldeten vor rund einer Woche übereinstimmend der „Norddeutsche Rundfunk“, die „Tagesschau“, das Nachrichtenmagazin „Spiegel“ und das „Marineforum“, eine Publikation der Marine-Offizier-Vereinigung.

Der Inspekteur der Marine, Vizeadmiral Jan C. Kaack, sagte während der Gesprächsrunde „Navy Talks“, dass es Verdachtsfälle von Sabotage auf Schiffen der Marine gäbe. Er deutete an, dass es während eines Werftaufenthaltes eines Bootes Beschädigungen gegeben habe, die den Verdacht auf Sabotage begründeten. Inzwischen berichteten mehrere Medien, dass es sich um das Minenjagdboot „Homburg“ (Kennung: M 1069) handelte, das sich zu einer planmäßigen Instandsetzung bei der Tamsen-Maritim Werft an der Warnow (bei Mecklenburg-Vorpommern) befand. Unbekannte sollen mehrere Kabelbäume durchtrennt haben. Mehrere Medien sprechen von einem Bolzenschneider als Tatwerkzeug. Der „Spiegel“ berichtet von Ermittlungen der Rostocker Staatsanwaltschaft, meldet das Marineforum. Wann die „Homburg“ wieder einsatzbereit ist, ist noch nicht klar, da die Schäden noch untersucht werden.

Homburg hat seit 1995 Patenschaft übernommen

Die „Homburg“ ist ein Minenjagdboot der Klasse 332. Es wurde in der Kröger-Werft in Rendsburg gebaut und 1995 in Dienst gestellt. Die Stadt Homburg hat mit der Indienststellung die Patenschaft über das Boot übernommen. Eine 24-köpfige Delegation aus Homburg, darunter Vertreter der Homburger Marinekameradschaft, reiste letztmals im vorigen Jahr in den Heimathafen des 54 Meter langen Bootes nach Kiel. Im Februar 2022 war die „Homburg“ mit ihrer 40-köpfigen Besatzung zusammen mit einem weiteren Minenjagdboot und einem Minensuchboot sowie einem Tender in die Ostsee ausgelaufen, um die Nato-Ostflanke zu verstärken.

Hauptaufgabe der „Homburg“ sind Minenjagen und Minenlegen. Das Boot ist 9,22 Meter breit und hat einen Tiefgang von 2,50 Meter. Es wird angetrieben von zwei Dieselmotoren mit jeweils 2774 PS Leistung. Seit 2006 ist der Heimathafen Kiel.

Kiloweise Metallspäne in Bootsantrieb

Dabei ist der Fall der „Homburg“ offenbar nicht der einzige. Während das Minenjagdboot im aktiven Dienst der Deutschen Marine steht, wurde laut Marineforum in der Hamburger Werftanlage von „Blohm & Voss“ bei NVL („Naval Vessels Lürssen“) die noch nicht fertiggestellte Korvette „Emden“ ebenfalls sabotiert: Unbekannte sollen mehrere Kilogramm Metallspäne in den Antrieb des Bootes geschüttet haben. Dies hätte große Schäden am noch nicht an die Bundeswehr übergebenen Schiff verursacht, wäre es nicht entdeckt worden. Und an Bord der Fregatte „Hessen“, die derzeit am Pier ihres Stützpunktes Wilhelmshaven liegt, ist laut „Tagesschau“ vor wenigen Tagen versucht worden, das Trinkwasser mit Altöl zu verunreinigen. In diesen und einigen weiteren Fällen ermitteln Staatsanwaltschaften, Polizei und auch der militärische Abwehrdienst MAD.

Erst in der vergangenen Woche hat der Inspekteur der Marine Jan Christian Kaack öffentlich erklärt, dass die Marine mittlerweile Angriffsziel von Saboteuren sei. Kaack sprach davon, dass „wir auf mehr als einer Einheit Zerstörung, also Sabotage, gesehen haben“. In den Werften seien deshalb entsprechende Maßnahmen getroffen worden.

Seit russischem Angriffskrieg: Warnung vor zunehmender Sabotage-Gefahr

Deutsche Sicherheitsbehörden warnen seit dem Beginn des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine vor zunehmender Gefahr durch Spionage und Sabotage. In Deutschland ist etwa die Zahl der Sichtungen von unbekannten Drohnen über Militäreinrichtungen wie der US-Militärbasis Ramstein oder Standorten der kritischen Infrastruktur wie Industrieparks gestiegen. Zuletzt sorgten Flugkörper über dem Luftwaffenstandort Schwesing bei Husum in Schleswig-Holstein für Aufsehen. Dort werden auch ukrainische Soldaten an Waffensystemen ausgebildet.

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