Unternehmen RHEINPFALZ Plus Artikel Was die BASF künftig an die Aktionäre zahlt

„Ehrgeizige“ Pläne für die Ausschüttung an die BASF-Aktionäre: Acetylen-Anlage im Stammwerk in Ludwigshafen.
»Ehrgeizige« Pläne für die Ausschüttung an die BASF-Aktionäre: Acetylen-Anlage im Stammwerk in Ludwigshafen.

Der Ludwigshafener Chemiekonzern bewegt sich geschäftlich durch schwierige Zeiten. Der Kurs der BASF-Aktie dümpelt vor sich hin. Ein Lichtblick für die Anleger ist bislang die vergleichsweise hohe Dividendenrendite. Aber der Konzern hat mit seiner neuen Strategie auch die Dividendenpolitik geändert. Was das für die Aktionäre bedeutet.

Seit 1994 hat die BASF von Jahr zu Jahr entweder die Dividende pro Aktie erhöht oder gegenüber dem Vorjahr gleich gehalten. Nur eine Ausnahme gab es in dieser Zeit: 2010 ging einmalig die Dividende zurück auf 1,70 (2009: 1,95) Euro, um allerdings im darauffolgenden Jahr auf 2,20 zu steigen. Bei den jüngsten Ausschüttungen an die Anteilseigner des Unternehmens trat der Wert mit 3,40 Euro drei Jahre lang auf der Stelle, zuletzt für das Geschäftsjahr 2023. Die Dividende für 2024 werden Aufsichtsrat und Vorstand des Chemiekonzerns am 28. Februar vorschlagen. Die Aktionäre müssen sich auf einen erheblichen Abschlag einstellen. Denn die sehr lange gültige Dividendenpolitik, die noch der vorherige Konzernchef Martin Brudermüller hochgehalten hatte, ist Geschichte. Mit dem neuen Vorstandsvorsitzenden Markus Kamieth, seit 25. April 2024 im Amt, hat sich die Konzernstrategie deutlich verändert und mit ihr auch die Dividendenpolitik.

„Attraktive Ausschüttung“

Trotz einer schwierigen Geschäftslage hatte Brudermüller noch Ende 2023 bekräftigt: Eine attraktive Ausschüttung habe für den Vorstand „hohe Bedeutung“. Dies gelte auch in herausfordernden Zeiten. Daher bleibe es bei der Vorgehensweise der vergangenen Jahre, die Dividende zumindest auf dem Niveau des Vorjahres zu halten. Ihre starke Bilanz gebe der BASF dafür „die notwendige finanzielle Stärke“. Für das Geschäftsjahr 2023 blieb es dann tatsächlich bei unverändert 3,40 Euro pro Aktie, obwohl sich der Gewinn unterm Strich (Ergebnis nach Steuern und nicht beherrschenden Anteilen) auf gerade mal 225 Millionen Euro erholt hatte, nachdem hier 2022 mit minus 627 Millionen Euro sogar rote Zahlen zu Buche gestanden hatten.

Mit der neuen Konzernstrategie, die der BASF-Vorstand Ende September vergangenen Jahres vorstellte, wurde auch die „Dividendenpolitik aktualisiert“, wie es hieß. Konzernchef Kamieth kündigte eine „attraktive Ausschüttungsstrategie für die Aktionäre“ an. Und BASF-Finanzvorstand Dirk Elvermann gab als Ziel an, die Gesamtausschüttungen an die Aktionäre auf dem Niveau der vergangenen Jahre zu halten. Doch das mit einem wesentlichen Unterschied: Die Ausschüttungen fließen nicht mehr alleine in die Dividende, sondern auch in Aktienrückkäufe, die allerdings deutlich zeitversetzt beginnen.

Die BASF hatte seit 2019 stets knapp über 3 Milliarden Euro an die Anteilseigner ausgeschüttet. Das soll 2025 bis 2028 im Durchschnitt auch so bleiben. Für diese vier Jahre zusammen ist eine Ausschüttung von mindestens 12 Milliarden Euro geplant, das wären im Schnitt weiterhin mindestens 3 Milliarden Euro pro Jahr. Auf die Dividende sollen dabei aber mindestens 2 Milliarden Euro entfallen. Damit garantiert die BASF nur noch eine Auszahlung von mindestens 2,25 Euro pro Aktie für die nächsten Jahre. Das gilt bereits für die Dividende des Geschäftsjahres 2024, die in diesem Jahr ausgezahlt wird. Gemessen an den zuletzt gezahlten 3,40 Euro entspräche die Mindestdividende einer massiven Kürzung um knapp 34 Prozent. Mit 2 Milliarden Euro pro Jahr käme in den genannten vier Jahren 8 Milliarden für die Dividende zusammen. Die fehlenden 4 Milliarden bis zu den geplanten 12 Milliarden Euro Ausschüttungen sollen spätestens ab 2027 ins Spiel kommen und dann bis 2028 für den Rückkauf eigener Aktien aufgewendet werden.

„Sehr hoch und ehrgeizig“

Die Idee dahinter: Durch den Rückkauf verschwindet eine erhebliche Anzahl an BASF-Aktien vom Markt. Der Unternehmenswert verteilt sich damit auf weniger Anteilsscheine, die Anteile werden wertvoller. Außerdem wird die Dividendensumme auf weniger Aktien ausgeschüttet. Die Erwartung: Der Aktienrückkauf sollte den Kurs der Aktie steigen lassen.

Finanzvorstand Elvermann begründete die geänderte Dividendenstrategie damit, dass sie dem Konzern „etwas mehr Flexibilität“ für die genannte Zeit biete, zugleich bleibe die Zusage für die Ausschüttung an die Anteilseigner „sehr hoch und ehrgeizig“. Die BASF belohne die Langzeit-Investoren, sagte Elvermann. „Mit der Zeit werde die Gesamtrendite für die Aktionäre steigen – da sind wir sehr zuversichtlich.“

Die BASF reagiert damit möglicherweise auch auf Kritik von Aktionären, die auf den Hauptversammlungen 2023 und 2024 geäußert wurde. Aktionärsvertreter, Fondsmanager und Anteilseigner beklagten auf der Hauptversammlung Ende April 2023 den Kursverlauf der BASF-Aktie, der sich seit Längerem wenig attraktiv entwickele. Die BASF schreibe hier schon länger keine Erfolgsgeschichte mehr, war damals zu hören. Ein Aktionärsvertreter sprach vom „stillen Leiden der Aktionäre“ am Kurs der BASF-Aktie. Besser geworden ist es seither nicht. Von Kursen um die 70 Euro pro Aktie ging es von 2019 an bergab. Seit Mitte 2022 bewegt sich die Notierung grob in einem Korridor zwischen 40 und 50 Euro, den sie nur selten nach oben verlässt. Anfang 2018 stand die Aktie in der Spitze einmal kurz vor der 100-Euro-Marke.

„Zahlung aus der Substanz“

Was sich bislang noch sehen lassen konnte, war die Dividendenrendite. Sie lag zuletzt gemessen am Durchschnitt der Kursspanne der vergangenen zwölf Monate bei beachtlichen 7,2 Prozent. Die nun genannte Mindestdividende würde hier nur eine Rendite von 4,7 Prozent erreichen.

Allerdings wurde bei der Hauptversammlung im April 2024 die Dividende der BASF von 3,40 Euro pro Aktie als zu hoch kritisiert. In Redebeiträgen kam der Vorwurf auf, die BASF nehme hier eine „Zahlung aus der Substanz“ vor. Der Vertreter einer Fondsgesellschaft rief die Unternehmensführung dazu auf, die Dividendenpolitik zu überdenken. Ein anderer nannte die Ausschüttungshöhe eine „zu große finanzielle Bürde“ und forderte: „zuerst das Geschäft, dann die Dividende“. Der damalige BASF-Chef Brudermüller entgegnete allerdings, die Dividendenpolitik der BASF biete den Aktionären Beständigkeit und eine „hohe Dividendenrendite“. Die BASF sei auch in rauen Zeiten finanzstark.

Ein Blick auf die Prognosen von Analysten zeigt, was die Finanzmärkte derzeit der BASF-Dividende für 2024 zutrauen: nicht viel mehr als die Mindestausschüttung. Aus einem monatlich erstellten Überblick, den der Dienstleister Vara Research für die BASF erstellt, geht hervor, dass hier im Mittel eine Dividende von 2,36 Euro für das Geschäftsjahr 2024 vorhergesagt wird. Das sind 11 Cent mehr als die angekündigte Mindestdividende und 1,04 Euro weniger als die Dividende des Vorjahres. Es wäre die niedrigste Dividende seit 13 Jahren.

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