Unternehmen RHEINPFALZ Plus Artikel BASF: Größter Stellenabbau seit Jahrzehnten

Der Abbau von 1800 Stellen in Ludwigshafen läuft. Er ergibt sich aus dem ersten Sparprogramm der BASF von Anfang 2023. Etwa 80 P
Der Abbau von 1800 Stellen in Ludwigshafen läuft. Er ergibt sich aus dem ersten Sparprogramm der BASF von Anfang 2023. Etwa 80 Prozent dieser Arbeitsplätze sind nach Angaben des Chemiekonzerns bereits abgebaut. Das Foto zeigt die Acetylen-Anlage im Stammwerk.

Der Standort Ludwigshafen des Chemiekonzerns steht unter hohem Spardruck. Die Kosten sollen um mehr als 1 Milliarde Euro gesenkt werden. Deshalb werden auch Stellen abgebaut. Wie viele Arbeitsplätze wegfallen sollen, lässt die BASF bislang im Dunkeln. Doch die geplante Größenordnung lässt sich abschätzten.

BASF-Chef Markus Kamieth will partout nicht sagen, wie viele Arbeitsplätze am Standort Ludwigshafen bis Ende 2026 wegfallen sollen. Klar ist: Auch mit dem zweiten Sparprogramm innerhalb von zwölf Monaten, das sich nun ganz auf den Standort konzentriert, wird es erneut einen Stellenabbau geben. Mit dem Programm, das im Februar dieses Jahres angekündigt wurde, sollen die jährlichen Kosten bis Ende 2026 um 1 Milliarde Euro gesenkt werden.

Beim ersten Sparprogramm, das Anfang 2023 angekündigt wurde und das europaweit angelegt war mit einem Schwerpunkt in Deutschland, war von Anfang an bekannt, dass unter dem Strich in Ludwigshafen 1800 Stellen wegfallen. Davon sind nach BASF-Angaben aktuell bereits etwa 80 Prozent abgebaut.

Rote Zahlen im Stammwerk

Beim zweiten Sparprogramm ist bislang nur klar: Es wird einen Arbeitsplatzabbau geben. Kamieth sagte lediglich, der geplante Stellenabbau werde nicht klein ausfallen. Der BASF-Chef erläuterte auch, warum er hier nicht genauer werden will. Es bringe erst einmal überhaupt nichts, jetzt eine Zahl in Stein zu meißeln, erläuterte Kamieth Ende Oktober zur Vorlage der Quartalszahlen. Das ganze Sparprogramm mit einer Zielzahl Personal zu versehen, die die BASF groß kommuniziere, das richte den Blick nicht auf das, worauf es ankomme. Es gehe vielmehr darum, die Kosten und die Wettbewerbsfähigkeit am Standort Ludwigshafen zu verbessern. Das Stammwerk war in den vergangenen Jahren tief in die roten Zahlen gerutscht. Die BASF SE, die weitgehend identisch ist mit dem Stammwerk, weist für 2023 beim Ergebnis der Betriebstätigkeit einen Verlust von 2,1 Milliarden Euro aus.

Natürlich gebe es Annahmen, welcher Anteil an den Einsparungen von 1 Milliarde Euro auf Personalkosten entfalle, führte Kamieth im Oktober weiter aus. Aber das könne sich hier und da noch ein bisschen verschieben, während die Sparmaßnahmen abgearbeitet würden. 80 Prozent der Einsparungen entfielen auf Fixkosten, davon sei ein signifikanter Anteil Personalkosten, sagte der BASF-Chef damals. Man könne sich leicht ausrechnen, dass da am Ende keine kleine Zahl stehe, aber wie hoch der Stellenabbau genau ausfalle, so Kamieth, wolle die BASF – auch in Abstimmung mit dem Betriebsrat – bis auf weiteres nicht explizit kommunizieren.

Abbau wesentliches Element

Der BASF-Chef hatte zuvor auf einer Investorenkonferenz Ende September darauf hingewiesen, dass sich am Personalstand in Ludwigshafen in den vergangenen 20 Jahren nicht viel verändert habe. Die BASF habe in Ludwigshafen ungefähr die gleiche Anzahl an Mitarbeitern wie 2005. Jetzt solle Ludwigshafen schlanker und stärker werden. Deshalb müsse jetzt auch damit begonnen werden, die Personalkosten in Ludwigshafen zu senken. Denn die BASF müsse sich darauf einstellen, dass die europäische Chemieindustrie künftig nur noch moderat wachsen werde. Vorstandsmitglied Katja Scharpwinkel ergänzte damals, bei der Hälfte der 1 Milliarde Euro Einsparungen in Ludwigshafen werde der Personalabbau ein wesentliches Element sein. Vor etwa einer Woche hatte Scharpwinkel vor Journalisten in Ludwigshafen wiederholt, 500 Millionen Euro der Einsparungen seien im Wesentlichen durch Stellenabbau zu erreichen.

Wer nun – wie der BASF-Chef nahelegt – nachzurechnen versucht, merkt schnell: Am Ende steht tatsächlich keine kleine Zahl beim Personalschnitt. Wenn man annimmt, dass bis zu 500 Millionen Euro an Personalkosten eingespart werden sollen, dann kann hochgerechnet werden, in welcher Größenordnung abgebaut werden soll. Gerade hat der Bundesarbeitgeberverband Chemie (BAVC) neue Daten vorgelegt, die man dazu verwenden kann. Das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln hat für den BAVC die durchschnittlichen Gesamtarbeitskosten für Vollzeitbeschäftigte in der chemisch-pharmazeutischen Industrie im Jahr 2023 berechnet und kam dabei auf einen Wert von 102.706 Euro pro Kopf (davon Bruttojahresverdienst 77.981 Euro). Teilt man nun die 500 Millionen Euro durch diesen Wert, kommt man auf rechnerisch 4868 Vollzeitstellen. Dieser Wert kann sicher nur als Näherungswert für den Umfang des Stellenabbaus betrachtet werden. Er dürfte auch eher ein Maximalwert sein. Aber er gibt sicher eine Orientierung über die Größenordnung des angestrebten Personalabbaus. Auf Anfrage teilte die BASF mit, diese Rechnung greife zu kurz und sei irreführend, die erwähnten 500 Millionen Euro entfielen nicht nur auf den Stellenabbau.

Führt man sich umgekehrt vor Augen, dass mit dem Abbau von 4000 Vollzeitstellen gemessen an den durchschnittlichen Arbeitskosten eine Einsparung von 410 Millionen Euro erreicht würde, dann würde sich das mit der Aussage decken, dass ein wesentlicher Teil der halben Milliarde an Einsparungen auf Personalkosten entfallen soll. Insofern erscheint dann die Aussage nicht unrealistisch zu sein, dass mit dem zweiten Sparprogramm durchaus 4000 Vollzeitstellen abgebaut werden könnten.

Starker Stellenabbau ab 1990

Zusammen mit dem ersten Sparprogramm, das den Abbau von 1800 Stellen in Ludwigshafen vorsieht, würde sich mit dieser Abschätzung der angestrebte Abbau bis 2026 grob in der Größenordnung 5000 bis 6000 Stellen bewegen. Das allerdings wäre der stärkste Stellenabbau am Heimatstandort seit zwei Jahrzehnten.

Tatsächlich hat sich die Beschäftigung am Standort Ludwigshafen – wie von BASF-Chef Kamieth erwähnt – seit 2005 nicht sonderlich stark verändert. Damals zählte die BASF hier 37.030 Beschäftigte, Ende des dritten Quartals 2024 waren es 38.221. In den Jahren vor 2005 war es allerdings zum vermutlich größten Stellenabbau in der Geschichte der BASF gekommen – damals ebenfalls mit dem Ziel die Kosten am Standort Ludwigshafen zu senken und ihn wieder wettbewerbsfähig zu machen. Unter dem Vorstandsvorsitz von Jürgen Strube (1990 bis 2003) ging die Stellenzahl von rund 58.500 massiv um 20.000 Stellen nach unten.

Nicht den harten Weg

Beobachter der Entwicklung damals stellten fest, dass der Stellenabbau ohne Panik oder Revolte unter den Mitarbeitern bewältigt wurde und kamen zu dem Schluss, dafür habe es zwei Gründe gegeben. Zum einen habe es daran gelegen, dass nie gesagt worden sei, wie viele Jobs am Ende des Abbaus wegfallen würden. Das sei nur scheibchenweise mitgeteilt worden. Zum anderen habe die BASF dabei nicht den harten Weg der betriebsbedingten Kündigungen gewählt, sondern Vorruhestandsprogramme und das Nichtersetzen von Mitarbeitern, die das Unternehmen aus anderen Gründen verlassen.

Derzeit gehen jährlich rund 1000 Mitarbeiter am Standort Ludwigshafen in Ruhestand. Das wird nach Angaben der BASF noch einige Jahre anhalten. Für das Stammwerk gilt aktuell eine Standortvereinbarung in der der Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2025 vereinbart ist. Dieser Tage werden die Verhandlungen über eine neue Standortvereinbarung aufgenommen. Sowohl die Arbeitgeber- als auch die Arbeitnehmerseite hat immer wieder den Wert dieser Vereinbarung gelobt. Es ist deshalb anzunehmen, dass ein wesentliches Ziel beider Seiten auch diesmal wieder ein Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen sein wird.

Sinischa Horvat, Betriebsratsvorsitzender der BASF SE, sagte, alle vorgesehenen Kosteneinsparungen und entsprechende Maßnahmen würden vom Betriebsrat kritisch überprüft. „Unsere rote Linie ist klar: Fällt eine Stelle weg, muss auch die Arbeit wegfallen“, sagte Horvat. Dieser Nachweis müsse im Einzelnen erbracht werden. „Zahlenspielereien bringen uns nicht weiter“, sagte er. Kosteneinsparungen als einziges Mittel seien zu kurz gedacht. Es gehe darum die Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig zu stärken.

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