Mannheim
Lizenz zum Grasanbau: Cannabis Social Club Grüne Liebe richtet sein Gewächshaus ein
Schwere Holzbalken, weiße Wände und etwas Licht, das durch ein Gewächshausfenster dringt – noch ist die große Halle im Dachgeschoss eines Gebäudes im Stadtteil Rheinau eine Baustelle, viel zu sehen gibt es nicht. Der Raum soll künftig zu einem „Growroom“ werden, berichtet Matthias Caroli, Erster Vorsitzender des CSC Grüne Liebe Rhein-Neckar in Mannheim. Aufgereiht auf Pflanztischen sollen dann verschiedene Cannabis-Sorten gedeihen und alle vier Monate eine Ernte von 18 bis 30 Kilogramm ermöglichen, die nur an Vereinsmitglieder ausgegeben wird.
Rund 100.000 Euro muss der Verein für die erforderliche Technik investieren. Benötigt werden künstliches Licht sowie Bewässerungs- und Entfeuchtungsanlagen. „Wir wollten kein Risiko eingehen“, erläutert Caroli. Denn vor der Blüte komme die Bürokratie. Seit im vergangenen Jahr die Idee zur Gründung eines Cannabis-Vereins aufgekeimt sei, habe er über 60 Anwaltstermine absolviert und sich tief in die Materie eingelesen. Der 53-Jährige spricht von einem aufwendigen Genehmigungsverfahren: „Die Rechtslage hat sich häufig geändert, und die gesetzlichen Auflagen sind sehr hoch – mein Leben besteht praktisch nur noch aus Ampere, Watt und Paragrafen.“
Keine Zeit zum Feiern
68 Anträge für den großflächigen und nicht gewinnorientierten Anbau von Marihuana wurden in Baden-Württemberg gestellt. Bislang erteilte das Regierungspräsidium Freiburg nur in zwei Fällen eine Erlaubnis zum Anbau. Neben dem Cannabis Club Südwest in Achern im Ortenaukreis erhielten die Mannheimer die Freigabe. „Wir haben auf Nachforderungen immer schnell geantwortet und sind nun unter den Ersten, das macht uns schon stolz“, freut sich Caroli.
Zeit zum Feiern bleibe keine. Gemeinsam mit der Mannheimer Kriminalpolizei und dem Landeskriminalamt habe ein Sicherheitskonzept erstellt werden müssen. Nun gehe es an die Technik und an den Anbau. Klima- und Entfeuchtungsanlagen seien schon bestellt worden, erzählt Caroli. „Jetzt müssen noch Löcher gebohrt, Kabel und Schläuche gelegt und die LED-Lampen angebracht werden.“ Per Regler und Touchscreens solle die ganze Anlage dann bequem bedient werden. Sonnenaufgänge und -untergänge sowie der Verlauf der Jahreszeiten würden simuliert. Ende März 2025 sei dann die erste Ernte zu erwarten, sagt Caroli.
Die Nachfrage sei enorm. Der CSC Grüne Liebe Rhein-Neckar zähle inzwischen über 200 Mitglieder, fast 50 Personen seien in der vergangenen Woche dazugekommen. „Bei einer Größe von 350 Personen wollen wir aber erst mal aufhören. Wir wollen langsam wachsen“, erläutert Caroli. Die Mitglieder entsprächen einem Querschnitt der Gesellschaft, darunter seien Lehrer, Anwälte und Bauarbeiter. „Das Durchschnittsalter beträgt 35 Jahre, wir haben aber auch über 70-jährige Rentner dabei“, verrät Dominic Deigner, Carolis Stellvertreter an der Vereinsspitze. 30 Prozent der Mitglieder seien Frauen.
Wer Mitglied werden will, muss mindestens 21 Jahre alt sein. Bis zu 50 Gramm Cannabis können monatlich pro Person ausgegeben werden, die maximale Ausgabemenge pro Besuch beträgt 25 Gramm. „Den Jugendschutz nehmen wir sehr ernst. Wir werden darauf achten, dass die Ernte nicht in die Hände Heranwachsender kommt“, betont Caroli. Auch vom Drogenverein Mannheim sei man geschult worden, ein Sucht- und Präventionsbüro werde direkt neben der Ausgabe eingerichtet. Bei deutlichem Suchtverhalten könne man die Ausgabe auch stoppen, so der 53-Jährige.
Saubere Qualität
Caroli weiß, dass die Cannabis-Freigabe polarisiert. Für die Konsumenten wolle man einen sicheren Rahmen schaffen, eine saubere Qualität liefern und die Menschen aus der Kriminalität holen. „Letztlich wollen wir nicht nur Gras an-, sondern auch Vorurteile abbauen. Wir wollen zur Entstigmatisierung beitragen und den Cannabiskonsum aus der illegalen Ecke holen, in die er gedrängt wurde“, sagt Caroli. „Wer einmal ein Bier trinkt, ist ja nicht gleich ein Säufer oder Alkoholiker. Wer aber einmal einen Joint raucht, gilt sofort als Kiffer“, findet Deigner. „Die Konsumenten werden schnell verurteilt.“
Das bekam der Verein auch bei der Standortsuche zu spüren. Eine Bedingung ist, dass kein Kindergarten und keine Jugendeinrichtung in der Nähe sein darf. In Mannheim sei es gar nicht so einfach, einen entsprechenden Ort zu finden, erzählt Deigner. „Es gab viele Absagen, man wollte keine 80 Hippies im Hof haben.“ Letztlich wurden die Initiatoren fündig. Die Nachbarn sollen sich nicht von einer Geruchsbelästigung gestört fühlen. Auf dem Gelände selbst soll ein striktes Konsumverbot herrschen.
Einen Artikel über den Cannabis Social Club „Miami Hempire“ aus Speyer finden Sie hier.