Wachenheim
Villa Rustica: Wo die alten Römer Wellness und Party machten
Die Erkenntnisse über die Römervilla, deren Anfänge auf das Jahr 20 nach Christus datiert werden, sind nicht neu. Sie wurden nur aus einer anderen Richtung betrachtet, erläutert Sebastian Arnold, Schriftführer des Förderkreises Villa Rustica. „In der Vergangenheit hat eher der landwirtschaftliche Aspekt der Villa im Fokus gestanden. Wir haben hier aber ein außergewöhnliches Detail: Für eine Größe der Wachenheimer Villa sind zwei Thermen herausragend“, erklärt der 62-Jährige aus dem Rhein-Pfalz-Kreis.
Mit der Wahl des neuen Vorstands im Januar fand eine Neubewertung der Erkenntnisse aus sozialhistorischer Sicht statt, ohne die Geschichte der Villa komplett neu zu schreiben. „Dass die Villa in Wachenheim zum Feiern und zur Gästebewirtung genutzt wurde, war schon immer dokumentiert und in Veröffentlichungen im Nebensatz erwähnt, jetzt rückt diese Nutzung in den Fokus, eben weil es für die Größe des Areals normalerweise nur eine Therme gab“, sagt Arnold.
Moralvorstellungen wandelten sich
Die beiden Thermen seien voll ausgestattet gewesen mit Ankleidebereichen, Kalt- und Warmräumen sowie Hypokausten-Heizungsanlagen, bei denen Räume tagelang über warme Luft in Fußböden und Wänden erwärmt wurden. Viel Holz habe verfeuert werden müssen. Genutzt worden seien die beiden Thermen womöglich jeweils von Herren und Gesinde, von Frauen und Männern oder auch unterschiedlichen gesellschaftlichen Schichten – in der Zeit der jahrhundertelangen Nutzung haben sich die Moralvorstellungen der Römer immer wieder gewandelt, weiß Arnold. Der bautechnische Sachverständige interessiert sich als Lateiner schon lange für die Römer, die vor Tausenden Jahren Grundlagen für unser heutiges Zusammenleben erfunden und entwickelt haben.
Im Förderkreis der Villa Rustica inzwischen hauptverantwortlich für die wissenschaftlich korrekte Darstellung der Fundergebnisse ist Archäologe Thomas Kreckel. Als erste Maßnahme, um die Neupositionierung der Wachenheimer Villa zu verbreiten, wurde ein Flyer herausgegeben. Er liegt an den Eingängen der Villa für die Besucher zum Mitnehmen aus. Schon 1500 Exemplare wurden so verteilt. In Führungen, die man für das rund um die Uhr geöffnete Gelände weiterhin auf Anfrage an die Tourist-Information Wachenheim sowie den Förderkreis anbietet, soll das Thema „Party“ auf der Villa Rustica jetzt im Fokus stehen. Und die Villa als landwirtschaftlicher Selbstversorgerbetrieb umrissen werden.
Pinie und Kastanie werden neu gepflanzt
Die neuzeitlich erste Feier nach langer Zeit in der Villa war eine Weinprobe im Keller zum Tag des offenen Denkmals im September. Im November steht eine Pflanzaktion an: Mit einer weiteren Pinie, gespendet von Fritz Schumann von der Villa am Weilberg, soll laut Arnold der provinzialrömische „Wellnesscharakter“ der Wachenheimer Villa an den sonnenverwöhnten Hängen der Mittelhaardt betont werden. Als Ergänzung zum vor zwei Jahren angelegten Kammertwingert wird ein mehrjähriger Kastanienbaum gepflanzt. Die Römer nutzten die Kastanie zur Ergänzung des Speisezettels, das elastische und dennoch harte und witterungsbeständige Holz zur Fassherstellung.
Öffentliche Pflanzaktion
Samstag, 30. November, 11 Uhr, Villa Rustica an der Bundesstraße 271