Homburg RHEINPFALZ Plus Artikel Warum Königin Silvia von Schweden in drei Wochen nach Homburg kommt

Vor 25 Jahren hat Königin Silvia von Schweden die Childhood-Foundation gegründet, die misshandelten Kindern und Jugendlichen hil
Vor 25 Jahren hat Königin Silvia von Schweden die Childhood-Foundation gegründet, die misshandelten Kindern und Jugendlichen hilft. Wenn am 27. November in Homburg das erste Childhood-Haus im Saarland eröffnet wird, wird die Königin da sein und eine Rede halten.

Wenn Königin Silvia von Schweden nach Homburg kommt, muss das schon einen besonderen Grund haben. In diesem Fall geht es um Kinder und Jugendliche, die Opfer von körperlicher oder sexueller Gewalt geworden sind. Die sollen in einer besonderen Einrichtung Hilfe bekommen. Die Königin wird sie in knapp drei Wochen eröffnen.

Wenn Königin Silvia von Schweden (80) am 27. November nach Deutschland kommt, wird es auch eine Reise in ihre alte Heimat sein. Denn einen Tag vor Heiligabend wurde sie im Jahr 1943 in Heidelberg geboren – als Silvia Renate Sommerlath. Aus der jungen Frau wurde im Sommer 1976 durch die Heirat mit König Carl XVI. Gustaf eine Königin. Carl Gustaf wurde schon drei Jahre vorher zum König von Schweden gekrönt.

Eine Herzensangelegenheit für Ihre Majestät die Königin war schon immer ihre Arbeit für benachteiligte und missbrauchte Kinder. Vor 25 Jahren gründete sie deshalb die World Childhood Foundation. Und das ist auch der Grund, weshalb Königin Silvia nach Homburg kommt. Genauer gesagt: zur Homburger Uniklinik. Denn dort wird am 27. November das erste Childhood-Haus im Saarland eröffnet.

Die Königin hält eine Rede

Die Königin wird nachmittags in Homburg eintreffen und dort zum Festakt der Childhood-Haus-Eröffnung eine Rede halten. Nach RHEINPFALZ-Informationen sollen 500 Personen ins neue Hörsaalgebäude der Uniklinik kommen, wo der Festakt stattfinden soll. Danach soll sich die Königin „ihr“ Childhood-Haus genauer ansehen können und durchs Gebäude geführt werden.

Die World Childhood Foundation betreibt verschiedene „Außenstellen“, also Childhood-Häuser, die Anlaufstellen für misshandelte Kinder oder Jugendliche sind. In Deutschland gibt es bisher zehn dieser Häuser. Und nun, zum 25. Jubiläum der Stiftung, kommt in Homburg noch eins dazu.

Alles in einem im Childhood-Haus

Aber wie soll dort in Zukunft den Betroffenen geholfen werden? Wenn ein Jugendlicher oder ein Kind misshandelt worden ist, beginne für viele ein unangenehmer, oft langer Weg, bedauert Eva Möhler. Die Chefärztin der Kinder- und Jugendpsychiatrie an der Homburger Uniklinik berichtete der RHEINPFALZ schon Ende März vom damals noch etwas schwammig beschriebenen Hintergrund des geplanten Childhood-Hauses. „Nach einem Misshandlungsverdacht beginnt für viele Kinder eine Odyssee durch Instanzen der Rechtsmedizin, Kindermedizin, Polizei und Justiz und oft auch der Gynäkologie“, sagte Möhler im März. Viele Betroffene empfänden diese Prozedur als „sehr belastend und beängstigend“. Und mehr noch: Viele junge Menschen, die misshandelt worden sind, könnten dadurch, dass sie alles noch einmal erzählen und durchleben müssten, erneut traumatisiert werden („Sekundärtraumatisierung“, hatte es Möhler beschrieben).

Mit diesem Wulst an Untersuchungen und Befragungen soll im Childhood-Haus nun Schluss sein: In mehreren Zimmern machen verschiedene Behörden und Ämter ihre Arbeit. Jugendhilfsmitarbeiter, Mediziner, Psychologen, Polizisten, und, und, und, sollen im Childhood-Haus künftig Hand in Hand zusammenarbeiten, um misshandelten Kindern und Jugendlichen zu helfen und die Täter zu finden. Das soll den Opfern ersparen, dass sie immer wieder an anderen Stellen – etwa auf der Polizeidienststelle, im Krankenhaus, oder von Psychologen – untersucht oder befragt werden müssen. Es ist also eine behördenübergreifende, ambulante Anlaufstelle. Um den Kindern das Reden ein bisschen leichter zu machen, sollen die Zimmer geräumig und kinderfreundlich gestaltet sein – vom Wartebereich bis zum Besprechungszimmer. Außerdem soll es einen überdachten Außenbereich geben, „samt Boxbirne, Ergometer und Schaukel zur Selbstberuhigung und zum Durchatmen“.

1,2 Millionen Euro Umbaukosten

Das Childhood-Haus befindet sich im Gebäude 33 der Uniklinik. Dafür wurde das Gebäude saniert und auch umgebaut. Denn bis vor kurzem wurde dort eine Tagesklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie betrieben. Einige der Arbeiten laufen auch jetzt noch, sagt Eva Möhler. Bis zur Eröffnung am 27. November soll aber alles fertig sein. „Vollkommen und uneingeschränkt startklar ist das Childhood-Haus auf jeden Fall zum 1. Januar 2025“, so Möhler. 1,2 Millionen Euro hat die Sanierung des Gebäudes gekostet. Das Geld dafür zahlt laut Möhler die Genossenschaft Rheinland-Pfalz/Saar des Johanniterordens.

Die Childhood-Stiftung habe dagegen sowohl die audiovisuelle Vernehmungstechnik, die medizinische Ausstattung, die Inneneinrichtung des Hauses und eine Projektleiterstelle für sechs Monate bezahlt. Mit der audiovisuellen Vernehmungstechnik soll den Betroffenen auch der Gang zum Gericht erspart werden. 100.000 Euro werde das Personal im Childhood-Haus jedes Jahr kosten. Diese Kosten wird das Saar-Gesundheitsministerium tragen.

Früher mit Schweden verbunden

Wenn Königin Silvia nach Homburg kommt, schließt sich ein 340 Jahre währender Kreis. Denn der Saarpfalz-Kreis war früher mit Schweden verbunden. 1681 hatte der schwedische König Karl XI. das pfälzische Herzogtum Zweibrücken geerbt. Aber Karl XI. hatte die Herzogstadt oder das angrenzende Homburg nie besucht. Am 27. November wird Homburg also von royaler Stimmung überzogen. Königin Silvia spricht neben Deutsch und Schwedisch auch Französisch, Spanisch, Portugiesisch und Englisch und beherrscht die Schwedische Gebärdensprache. Weil Deutsch ihre Muttersprache ist, könnte es auch sein, dass Königin Silvia von Schweden ihre Rede in der Homburger Uniklinik vielleicht auf Deutsch hält. Sobald weitere Details des königlichen Besuchs bekannt sind, wird die RHEINPFALZ darüber berichten.

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