Thallichtenberg
Die Sanierung der Burgruine Lichtenberg zu Beginn des 20. Jahrhunderts
Die Burg war im Krieg nie erobert worden, aber kämpfte trotzdem vom Ende des 18. Jahrhunderts an ums Überleben. Im Jahr 1799 wurden viele Gebäude durch einen großen Brand zerstört, dem weitere kleinere Brände folgten. Die Regierung des Herzogtums Sachsen-Coburg-Gotha, zu dem die Lichtenberg seit dem Wiener Kongress gehörte, hatte die Ruine bereits aufgegeben und verkaufte sie in einzelnen Parzellen. Die neuen Eigentümer durften die Gebäude auf Abbruch versteigern lassen, was zum Verlust des vierten Tores und des ehemaligen Pferdestalles führte.
Der Schutt liegt meterhoch
Die erste Beschreibung der Ruine und ihres Zustandes stammt von Walter Haarbeck, von 1907 bis 1937 Pfarrer der Gemeinde Burglichtenberg. Er veröffentlichte sie 1906 mit der Geschichte seiner Kirchengemeinde. Darin berichtete er, der Schutt „liegt so reichlich und so hoch, dass nur an wenigen Stellen die Bodenhöhe die ursprüngliche ist. Völlige Klarheit über die Anlage der Burg ist aber nur zu gewinnen, wenn aller Schutt beseitigt ist“.
Es waren glückliche Umstände, dass das ehemalige Fürstentum Lichtenberg 1834 preußisch geworden war. Vor allem Kaiser Wilhelm II. war an dem Erhalt von historischen Bauten sehr interessiert. Im Jahr 1892 schenkte der Kuseler Bürger Binger, der einen Großteil der Oberburg gekauft hatte, seinen Anteil der preußischen Regierung. 1894 wurde die Burg preußischer Staatsbesitz und ein Jahr später unter Denkmalschutz gestellt. Das war der Beginn einer umfassenden Renovierung durch die preußischen Behörden.
Restaurierung vor mehr als 100 Jahren
Über diese Arbeiten gibt es eine sehr detaillierte Schrift mit dem Titel „Die Burg Lichtenberg. Die Veste und ihre Erhaltung“, die im Jahr 1910 im 15. Bericht über die Tätigkeit der Provinzialkommission für die Denkmalpflege in der Rheinprovinz publiziert worden ist. Sie stammt von dem Regierungs- und Baurat Heinrich von Behr (1860-1921) und wurde 1911 auch als Sonderdruck veröffentlicht.
Die Bedeutung der Publikation besteht in der sorgfältigen Dokumentation des gesamten Gebäudes und seiner Restaurierung. Diese begann mit Sicherungsarbeiten, deren Ziel es war, „alle für die geschichtliche Erscheinung der Burg wichtigen Mauerzüge zu erhalten“. Dazu gehörte die Instandsetzung der Mauern am Bergfried, an den Pallasbauten, an der „Hufeisenbastion“, am Torturm des ersten Außentores sowie an der Schildmauer, die die Burg nach Westen hin abschließt.
Detaillierte Plan-Zeichnungen
Um den Besuchern der Burg eine geeignete Unterkunft zu bieten, wurde die 1871 abgebrannte Landschreiberei wieder hergestellt. Bei der Unterburg beschränkte man sich darauf, den alten Burgweg freizulegen, dessen Pflaster etwa zwei Meter hoch zugeschüttet war. Dabei entdeckte man auch das Untergeschoss des „Finkentürmchens“ und legte es frei.
Ein wichtiger Bestandteil des Berichts sind die vielen Fotos und Skizzen, die den ursprünglichen Zustand und die Veränderungen als Ergebnis der Restauration zeigen. Sie werden ergänzt durch detailgenaue Grundrisse und Quer- sowie Längsschnitte.
Restauration als Anreiz zur Denkmalpflege
Abschließend schreibt Behr: Durch die Maßnahmen sei „eine der bedeutendsten Burgruinen im ganzen deutschen Westen bloßgelegt und gesichert worden, die nicht nur wegen ihres Alters, sondern auch wegen ihrer geschichtlichen und künstlerischen Gestaltung besondere Pflege verdient“. Die bisherigen Erfolge hätten zu einer deutlich höheren Zahl von Besuchern geführt. Außerdem seien sie ein Anreiz für die Bevölkerung, sich für die Denkmalpflege und den Schutz der heimatlichen Monumente einzusetzen.
Schon vor einigen Jahren wurde der Burg ein Sonderdruck der Schrift von Behr geschenkt. Nun ist es Andreas Rauch von der Burgverwaltung gelungen, von der Generaldirektion kulturelles Erbe Kopien der Bilder des Berichts zu bekommen. Damit verfügt die Burg über ein wichtiges Zeugnis zu ihrer Geschichte im 19. und 20 Jahrhundert. Es soll in das Kuladig-Projekt eingearbeitet werden, das die Kulturlandschaften digital erfasst und präsentiert, sodass alle wichtigen Dokumente zur Burg zentral gesammelt und allgemein zugänglich sind.
Info
Auf www.kuladig.de gibt es beispielsweise auch einen virtuellen Rundgang über die Burg Lichtenberg.
