Kreis Kusel
Als der erste Zug durch das Lautertal rollte
Die ersten Eisenbahnen in England zu Beginn des 19. Jahrhunderts weckten auch in anderen Ländern den Wunsch nach einem schnelleren Transport von Menschen und Gütern. Nach der ersten Eisenbahnfahrt in Deutschland im Jahr 1835 dauerte es noch zehn Jahre, bis auch in der Pfalz die ersten Schienen verlegt wurden. Von 1849 an verbanden sie Ludwigshafen mit den Kohlegruben in Bexbach. Die Strecke war von einer privaten Aktiengesellschaft finanziert worden. Bis im Lautertal die ersten Züge rollten, mussten noch einige Hürden aus dem Weg geräumt werden.
Die Pläne für eine Eisenbahn zwischen Kaiserslautern und Lauterecken entstanden 1859. Damals bildeten wohlhabende Bürger ein „Komitee aus Notabeln“ und verfassten eine Denkschrift. Anlass war die geplante Strecke von Kaiserslautern nach Bad Münster am Stein. Die Befürworter der Lautertalbahn argumentierten dagegen: „Die ungleich größeren Vorteile, welche die Verbindung durch unser Thal der Alsenzbahn gegenüber gewährt, den gesicherten Anschluss an die Rhein- und Nahebahn, die geringe Entfernung, eine minder aufwendige Anlage von Bahnkörpern, einen größeren Verkehr, liegen auf flacher Hand und können nicht verkannt werden.“ Doch diese Argumente konnten die bayerischen Behörden nicht überzeugen. Sie favorisierten die Alsenzbahn, die 1871 eröffnet wurde.
Feuchter Untergrund und viele Kurven
In den nächsten Jahren gab es weitere Eingaben aus dem Lautertal, mit denen ein Teilerfolg erzielt werden konnte. Es sollte aber nicht die gewünschte Vollbahn gebaut werden, sondern eine eingleisige Sekundärbahn mit weniger aufwendigen Bahnhöfen, die der bayerische König Ludwig II. 1880 genehmigte. In den nächsten zwei Jahren wurde die Strecke festgelegt, vermessen und die dafür notwendigen Grundstücke gekauft. Während dieser Phase kam es zu Streitigkeiten zwischen den einzelnen Gemeinden – zum Beispiel wegen der Errichtung des Wolfsteiner Bahnhofs auf Roßbacher Gemarkung.
Das Lautertal war gut geeignet für eine Eisenbahnstrecke, doch mussten einige Probleme bewältigt werden. Wegen des nassen Untergrundes an der Lauter war ein tiefes Schotterbett erforderlich. 53 Prozent der 33,28 Kilometer langen Strecke bestanden aus Kurven mit teils engem Radius, und in Wolfstein musste wegen des engen Tals der „Eisenknopf“ untertunnelt werden.
Erste Fahrt dauert knapp zwei Stunden
Im Februar 1882 wurde im Kaiserslauterer Westbahnhof mit den Arbeiten begonnen. Eineinhalb Jahre später, im September 1883, fand eine erste Probefahrt statt. Die feierliche Eröffnung folgte am 15. November. Der Zug mit einem Packwagen, sieben Personenwagen und 15 teilweise beladenen Güterwagen wurde in den Gemeinden mit Böllerschüssen und Glockenläuten empfangen. Die Fahrt dauerte etwas mehr als zwei Stunden und war damit deutlich kürzer als mit einer Kutsche, die etwa dreimal so lange unterwegs war.
In den nächsten Jahrzehnten gab es einige Veränderungen: Die Anzahl der Stationen verringerte sich von 19 auf 15. Vom Bahnhof Lampertsmühle-Otterbach aus wurden Zweigstrecken nach Otterberg und Weilerbach (mit Verlängerung nach Reichenbach) gebaut. Die Fahrzeiten konnten verkürzt und die Dampflokomotiven durch Dieseltriebwagen ersetzt werden.
Seit den 1950er Jahren führte die Motorisierung zu einem Rückgang beim Güter- wie beim Personenverkehr, sodass einige Strecken stillgelegt wurden. Folge: Die Lautertalbahn musste auf ihre Zweigstrecken verzichten. Außerdem verlor sie die Anschlüsse zur Glantalbahn zwischen Altenglan und Staudernheim, die ebenfalls aufgegeben wurde.
Lautertalbahn von Stilllegung bedroht
Auch die Lautertalbahn war zeitweilig von der Stilllegung bedroht. Das Angebot war bereits 1975 eingeschränkt worden, sodass sonntags und später auch samstags keine Züge fuhren. Als die Deutsche Bahn 1986 einen Staatsvertrag mit dem Land Rheinland-Pfalz schloss, wurde die Rentabilität aller Bahnstrecken überprüft. Bei der Einteilung in drei Kategorien stufte man die Lautertalbahn in die Kategorie zwei ein, die noch besonders untersucht werden sollte.
Gegen eine Stilllegung gab es Widerstand im Lautertal. In Katzweiler wurde 1988 der „Förderverein Schienenverkehr Lautertal“ gegründet, der in einer Broschüre die „freie Fahrt für die Zukunft“ forderte. Auch mehrere Gutachten befürworteten die Beibehaltung der Eisenbahnlinie, die gegenüber dem Busbetrieb viele Vorzüge habe. Sie sei das umweltfreundlichste Verkehrsmittel und im Unterschied zu den Bussen nicht stauanfällig. Außerdem könne man in der Bahn Fahrräder und Gepäck einfacher transportieren. „Im Zug kann man schlafen oder lesen – die Zeit wird sinnvoll genutzt“, heißt es in der Broschüre.
Viel Kritik wegen ausfallender Züge
Mit der Bahnreform, die am 1. Januar 1994 in Kraft trat, erhielten die Bundesländer von 1996 an die Verantwortung für den Bahnverkehr. Damit waren die Stilllegungspläne hinfällig. Stattdessen wurde damit begonnen, die Strecke schrittweise zu modernisieren, den Fahrplan zu verbessern, die Geschwindigkeit zu erhöhen, die Bahnsteige barrierefrei zu gestalten und elektronische Anzeigetafeln anzubringen.
Inzwischen gibt es beim Verkehr eine neue Entwicklung – bedingt durch die höheren Energiepreise und ein zunehmendes Umweltbewusstsein. Deshalb wird sogar die Reaktivierung von stillgelegten Strecken wie der Glantalbahn diskutiert. Auch die Lautertalbahn befördert inzwischen nicht nur Senioren, Arbeitnehmer und Schüler, sondern immer häufiger auch Touristen, deren Ziel ein „Wanderbahnhof“ ist.
Allerdings kam in jüngster Zeit wiederholt Kritik auf – nicht an der Lautertalbahn selbst. Sie bezieht sich auf ausfallende Züge, Verspätungen, alte klapprige Wagen und unbenutzbare Toiletten. Aber viele schätzen auch die täglich 15 Verbindungen, die vor einigen Jahren durch zwei Nachtzüge ergänzt wurden. Die Fahrzeit nach Kaiserslautern, für die man von Lauterecken-Grumbach aus mit dem Zug 54 Minuten benötigt, kann sogar mit der des Autos konkurrieren.
Ausstellung zur Lautertalbahn
Der Otterbacher Förderverein „Dampflok am Stellwerk“ präsentiert eine zweigeteilte Wanderausstellung zum Thema 140 Jahre Lautertalbahn. Sie wandert sozusagen aufeinander zu, ist bis Mitte Februar in der Otterbacher und Lauterecker Volksbank-Filiale zu sehen.
Die älteren Freunde der Bahngeschichte haben den Stahlkoloss der Baureihe 50 vielleicht noch selbst erlebt. Die Umsiedlung eines dieser Exemplare ans Otterbacher Stellwerk ist beschlossene Sache – die Schenkungsurkunde wurde bereits übergeben –, nur der Zeitpunkt steht noch nicht fest. In der Ausstellung ist eine Abbildung samt technischer Daten im Seitenflügel des Bahnhofs zu sehen. 140 Tonnen ist die Lok schwer, fast 23 Meter lang und 4,50 Meter hoch. Neben diesen Angaben bietet die Ausstellung Anschauungsmaterial – etwa dafür, wie die damalige Bundesbahn ihre Fahrgäste durchs Lautertal transportierte. Als n-Wagen wird eine Gattung von Personenwagen – umgangssprachlich Silberling – bezeichnet. Modelle dieses Typs stehen in der Ausstellungsvitrine.
Neben diesen Infos liefert die von Matthias Fischer, dem Schriftführer des Vereins, konzipierte Ausstellung heute vergessene „Accessoires“ des Bahnverkehrs. Besucher können den „Nachtbefehlsstab für Aufsichtsbeamte zum Abfahr-Auftrag“ (Kelle mit grünem Rand und grünem Licht) anschauen sowie die rote Dienstmütze für Fahrdienstleiter oder den „Druckstock“ für Einfach- und Rückfahrkarten mit Datum und einige Fahrkartenrohlinge aus Pappe bestaunen.
Info
Hier ist die Ausstellung zu sehen: Volksbank-Filiale Otterbach: bis 14. Februar; Volksbank-Filiale Olsbrücken: 15. Februar bis 14. Mai; Volksbank-Filiale Wolfstein: 15. Mai bis 14. August; Volksbank-Filiale Lauterecken: 15. August bis 14. November.
Und aus der anderen Fahrtrichtung: Volksbank-Filiale Lauterecken: bis 14. Februar; Volksbank-Filiale Wolfstein: 15. Februar bis 14. Mai; Volksbank-Filiale Olsbrücken: 15. Mai bis 14. August; Volksbank-Filiale Otterbach: 15. August bis 14. November.