Unternehmen RHEINPFALZ Plus Artikel BASF mit verhaltenem Ausblick

BASF-Chef Martin Brudermüller erwartet für den Chemiekonzern „keinen leichten Start ins Jahr 2024“.
BASF-Chef Martin Brudermüller erwartet für den Chemiekonzern »keinen leichten Start ins Jahr 2024«.

Die Ludwigshafener BASF äußert sich sehr vorsichtig über die Geschäftsentwicklung der kommenden Monate. Im dritten Quartal ging es unterm Strich sogar in die roten Zahlen. Immerhin: Der Chemiekonzern bleibt bei seiner bisherigen Gewinnprognose für das Gesamtjahr. Aber eine deutlich anziehende Nachfrage sieht das Unternehmen erst einmal nicht.

Im vierten Quartal des laufenden Geschäftsjahres erwartet die BASF zwar „eine weitere Stabilisierung der weltweiten Chemieproduktion“. Aber bei den aktuell weiter hohen Zinsen an den Kapitalmärkten und angesichts zunehmender geopolitischer Risiken bleibe der gesamtwirtschaftliche Ausblick „außerordentlich unsicher“, teilte der Chemiekonzern am Dienstag zur Vorlage der Geschäftszahlen des dritten Quartals mit. Insbesondere steigende Rohstoffpreise könnten Nachfrage und Margen weiter belasten.

BASF-Chef Martin Brudermüller sagte während einer Telefonkonferenz mit Journalisten, er sehe zwar eine gewisse Bodenbildung in der geschäftlichen Entwicklung. Er glaube aber nicht an einen fundamentalen Wechsel in den kommenden Monaten. Er erwarte „keinen leichten Start ins Jahr 2024“. Die Sicht nach vorne sei begrenzt.

Wie im Juli angekündigt, erwartet die BASF für das Gesamtjahr 2023 weiterhin einen Umsatz zwischen 73 und 76 Milliarden Euro (2022: 87,3 Mrd Euro) und ein Betriebsergebnis (Ebit) vor Sondereinflüssen zwischen 4,0 und 4,4 Milliarden Euro (2022: 6,9 Mrd Euro). Die BASF korrigierte die Prognose zwar nicht. Brudermüller sagte aber, er erwarte inzwischen einen Umsatz und ein Ergebnis am unteren Ende der Bandbreiten.

Milliarden-Einsparung

Er warnte aber: Sollte sich die Stabilisierung der Chemieproduktion nicht weiter fortsetzen, dann ergeben sich Risiken für die BASF aus weiter sinkenden Absatzmengen und Preisen. Brudermüller zeigte sich aber überzeugt davon, dass die BASF ihre Marktanteile verteidigen und ausbauen werde, sobald die Nachfrage wieder richtig anziehe, weil sie durch schlankere Strukturen und gutes Kostenmanagement eine gute Wettbewerbsfähigkeit besitze.

BASF-Finanzvorstand Dirk Elvermann betonte hier die „ambitionierten“ Sparmaßnahmen des Konzerns vor allem in Europa, zu denen auch ein Personalabbau am Standort Ludwigshafen gehört. Betroffen von dem Sparprogramm, das bis 2024 umgesetzt werden soll, sind zusammen 3500 Stellen, von denen aber 900 an andere Standorte verlagert werden, vor allem nach Berlin und nach Madrid. Unterm Strich werden 2600 Stellen ersatzlos gestrichen. Auf Ludwigshafen entfallen davon 1800. Elvermann sagte, alle Maßnahmen seien voll im Plan, bis Ende 2026 würden Gesamteinsparungen von jährlich rund 1,1 Milliarden Euro erreicht.

Wintershall Dea belastet

Im dritten Quartal 2023 hatte die BASF mit sinkenden Preisen und Absatzmengen zu kämpfen. Hinzu kamen aber noch Sonderbelastungen durch die Mehrheitsbeteiligung am Öl- und Gaskonzern Wintershall Dea. „Die Absatzmengen waren in allen Kundenindustrien deutlich niedriger als im Vorjahresquartal – mit einer Ausnahme: der Automobilbranche“, sagte der BASF-Vorstandsvorsitzende Brudermüller. Das konnte allerdings nicht verhindern, dass der Umsatz im dritten Quartal gegenüber der gleichen Vorjahreszeit um 28 Prozent auf 15,7 Milliarden Euro zurückging. Das Ergebnis der Betriebstätigkeit (Ebit) vor Sondereinflüssen brach um 57 Prozent ein auf 575 Millionen Euro. Das Ergebnis nach Steuern und nicht beherrschenden Anteilen lag schließlich mit minus 249 Millionen Euro in den roten Zahlen. Im Vorjahresquartal standen hier noch plus 909 Millionen Euro zu Buche.

Neben dem niedrigeren Ebit, so teilte die BASF am Dienstag mit, war dieser Rückgang auf das insgesamt negative Ergebnis bei Wintershall Dea infolge von Sondereinflüssen zurückzuführen. Im dritten Quartal hat der Öl- und Gaskonzern demnach Wertberichtigungen auf Vermögenswerte im Nahen Osten vorgenommen und Rückstellungen für Restrukturierungsmaßnahmen im Zusammenhang mit der im September angekündigten Anpassung der Unternehmensstruktur gebucht. Dazu gehört insbesondere der Ausstieg aus dem Russland-Geschäft. Elvermann bekräftigte, die BASF wolle weiterhin ihren 72,7-prozentigen Anteil an Wintershall Dea verkaufen und arbeite an verschiedenen Optionen dafür.

Dividende soll stabil bleiben

Trotz der schwierigen Geschäftslage will der Chemiekonzern die Dividende zumindest stabil halten. Brudermüller bekräftigte am Dienstag ausdrücklich die Dividendenpolitik der BASF: Eine attraktive Ausschüttung habe für den Vorstand „hohe Bedeutung“. Dies gelte auch in herausfordernden Zeiten. Daher bleibe es bei der Vorgehensweise der vergangenen Jahre, die Dividende zumindest auf dem Niveau des Vorjahres zu halten. Ihre starke Bilanz gebe der BASF dafür „die notwendige finanzielle Stärke“. Der Konzern schüttete für das Geschäftsjahr 2022 mit 3,40 Euro pro Aktie so viel aus wie im Jahr zuvor.

Die Anzahl der Mitarbeiter der BASF an ihrem Pfälzer Heimatstandort geht leicht zurück. Am Standort Ludwigshafen, zu dem neben dem Stammwerk weitere BASF-Gruppengesellschaften gehören, zählte der Konzern Ende September dieses Jahres 38.950 Beschäftigte. Das sind 163 weniger als ein Jahr zuvor. Im Stammwerk erreichte der Beschäftigungsstand Ende September 34.408 Mitarbeiter, 319 weniger als zur gleichen Vorjahreszeit.

BASF-Chef Martin Brudermüller hatte in einem Interview mit der RHEINPFALZ im Juli dieses Jahres gesagt, er gehe davon aus, dass die Beschäftigung am Standort Ludwigshafen über die Zeit etwas zurückgehen werde. Hier müssten aktuell auch Pensionierungen in der Größenordnung von etwa 1000 pro Jahr ersetzt werden. Einen Kahlschlag werde es nicht geben.

wirtbasf23iii
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