Transport
Das neue Flaggschiff der BASF-Flotte
Die Dimensionen sind beeindruckend für ein Binnenschiff. Auf Deck könnte man mehr als drei Tennisplätze unterbringen. Mit 135 Metern Länge und einer Breite von 17,5 Metern ist das Schiff deutlich größer als die gängigen Tanker auf dem Rhein. Am Freitag wurde dem Niedrigwasser-Spezialschiff bei einer Schiffstaufe an einer Anlegestelle des Stammwerks der Namen Stolt Ludwigshafen verliehen.
Die Ausmaße des Tankers für flüssige Chemikalien sind den Aufgaben geschuldet, die das Schiff erfüllen soll: möglichst viel transportieren bei denkbar niedrigem Wasserstand. Herausgekommen ist nach fünf Jahren Entwicklungszeit ein „innovativer Binnentanker“, wie die BASF und der Schiffsbetreiber, die niederländische Reederei Stolt Tankers, meinen.
„Klima-Resilienzmaßnahme“
Das Niedrigwasser-Schiff schafft es, die kritische Stelle des Rheins in der Nähe von Kaub auch bei einem Pegelstand von nur noch 30 Zentimetern (entspricht einer Wassertiefe von 1,60 Meter) mit einer Nutzlast von rund 800 Tonnen zu passieren. Bei moderatem Niedrigwasser kann das Schiff nach Angaben von BASF und Stolt Tankers 2300 Tonnen laden und damit doppelt so viel wie ein konventionelles Binnenschiff. Die maximale Traglast der Stolt Ludwigshafen beträgt 5100 Tonnen. Zum Vergleich: Durchschnittliche Pegelstände in Kaub liegen über 2 Meter. Im Extremjahr 2018 fiel der Pegel bis auf 24 Zentimeter, den niedrigsten je gemessenen Wert.
Nach dem beispiellosen Niedrigwasser des Rheins in jenem Dürrejahr stieß die BASF die Entwicklung eines Tankers für chemische Produkte an, der auch bei extrem niedrigem Wasserstand fahren und hohe Nutzlasten transportieren kann. Das Ludwigshafener Stammwerk ist stark abhängig vom Gütertransport auf dem Rhein. 2018 musste die BASF die Produktion im Stammwerk stark drosseln, weil kaum noch ein Binnenschiff auf dem Strom fahren konnte. Das kostete den Konzern in jenem Jahr eine Viertel Milliarde Euro Gewinn.
Weitere Spezialschiffe
„Das neue Flaggschiff bildet einen wesentlichen Bestandteil unserer Klima-Resilienzmaßnahmen und sichert die Versorgung unserer Kunden und Produktionsstätten“, sagte am Freitag, Uwe Liebelt, der Leiter des Stammwerks. Die Stolt Ludwigshafen ist das Ergebnis einer Partnerschaft der BASF mit der niederländischen Reederei Stolt Tankers, einem Konsortium aus dem Duisburger Entwicklungszentrum für Schiffstechnik und Transportsysteme, dem Ingenieurdienstleister Technolog Services, sowie Agnos Consulting und der chinesischen Mercurius Shipping Group, die im Auftrag von Stolt Tankers den Rumpf herstellte. Die Reederei wird die Stolt Ludwigshafen exklusiv für die BASF betreiben. Das brandneue Schiff fuhr Ende April erstmals für den Chemiekonzern.
Um die Versorgung des Standortes bei Niedrigwasser sicherzustellen hat die BASF seit 2018 bereits zwei Spezialschiffe in ihre Flotte langfristig gecharterter Binnenschiffe aufgenommen. Die Hamburger Reederei GEFO hat für die BASF die Canaletto gebaut, ein Schiff für den Transport von Spezialchemikalien, das GEFO seit Anfang 2023 exklusiv für den Chemiekonzern betreibt. Das Schiff ist ebenfalls für extremes Niedrigwasser konzipiert, mit 110 Metern Länge und 11,45 Metern Breite aber kleiner als die Stolt Ludwigshafen. Seit Oktober fährt das Gas-Tankschiff Gas94 der Kölner Reederei HGK für die BASF, das mit 110 Meter Länge und 12,5 Metern Breite breiter als übliche Gas-Tanker ist. Es kann bei einem Rhein-Pegel auf Höhe Kaub von 30 Zentimetern noch 200 Tonnen verflüssigter Gase transportieren.
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