Annweiler
Frische Ideen fürs alte Gemäuer: Stadtchef ist neuer Burgverwalter des Trifels
Wenn er die 40 Minuten von seinem Haus in der Annweilerer Innenstadt hinauf zum Sonnenberg läuft und durch den großen Torbogen seinen neuen Arbeitsplatz betritt, „zaubert es mir jedes Mal ein Lächeln aufs Gesicht“, erzählt Benjamin Seyfried. Der 39-Jährige, seit vier Jahren Chef der Trifelsstadt, ist seit Februar auch Chef der Burg hoch oben. Des berühmten Trifels. Zwischen 1088 und 1330 war die Reichsburg unter den Staufern und Saliern eines der wichtigsten Zentren der Macht. Hier wurden die Reichskleinodien Krone, Zepter und Reichsapfel aufbewahrt. Da kann sich Seyfrieds Chefin Angela Kaiser-Lahme – die Direktorin für Burgen, Schlösser, Altertümer bei der Generaldirektion Kulturelles Erbe – den scherzhaften Seitenhieb nicht verkneifen: „Wir kommen zurück zu staufischen Verhältnissen.“
Ja, es sei dann natürlich immer die Frage: Welchen Hut hat er gerade auf – den des Burgverwalters oder den des Bürgermeisters? Der Krux dieser Doppelrolle sind sich die Beteiligten bewusst. „Aber ich denke, ich kann das gut trennen“, so Seyfrieds erste Beurteilung. Im Job kommt die Burg ganz klar zuerst. Aber wenn etwas Dringliches in der Stadt anstehe, dürfe es das erledigen, das sei mit der Generaldirektion so vereinbart. Und er bekomme viel Unterstützung von seinen beiden Kollegen, freut er sich. Jeanne Tiator und Robert Scheib, seit 35 beziehungsweise 37 Jahren auf der Burg, schätzen den neuen Chef mit den frischen Ideen. „Er ist bei uns in guten Händen“, witzelt Tiator. Im vergangenen Herbst hatte nach 41 Jahren die Ära Hans Reither als Burgverwalter geendet. „Ich kann jetzt mit einem Blick von außen herangehen. Aber die Burg bin nicht ich alleine, sondern das sind wir“, macht Seyfried seine Einstellung deutlich.
Burgbesucher in die Stadt locken
Sein Führungsstil im Rathaus ist von Teamgeist geprägt. Es geht darum, gemeinsam etwas schaffen zu können, was alleine nicht machbar wäre. Austausch, Respekt, Miteinander, Innovationsgeist speisen den Elan der aktuellen Legislatur. Und diesen Geist hat der Parteilose auch mit auf die Burg getragen. Während draußen über den Burghof eisiger Wind fegt, herrscht im Aufenthaltsraum zwischen Kuchen und Tee heimelige und lockere Atmosphäre. Man merkt gleich, die Stimmung zwischen den Vieren passt. Und erste Ideen sind bereits emporgesprossen.
„Benjamin Seyfried ist so begeistert, das ist ansteckend. Die Doppelfunktion gibt uns die Chance, in vielen Dingen zusammenzudenken und Stadt und Burg enger zueinanderzubringen. Das ist eine Win-win-Situation“, ist Kaiser-Lahme überzeugt. So soll neben dem Trifels-Erlebnis-Weg, der Wanderer an mehreren Stationen von der Stadt zur Burg führt, bald auch ein Trifelsspielweg eingeweiht werden. Dafür entsteht das Burgen-Dreigestirn aus Trifels, Anebos und Münz als Spiel- und Klettergeräte im Kurpark und im Bindersbacher Tal. Diese sollen Familien dazu animieren, den Burgenweg hinauf unter die Füße zu nehmen. Seyfried kann sich auch vorstellen, das schon bestehende Kombiticket für die Burg und das Museum unterm Trifels mit Vergünstigungen bei städtischem Handel und Gastronomie zu verbinden. Dafür habe er bereits Gespräche angestoßen. „So könnten wir Anreize schaffen, nach einem Besuch weitere Zeit in der Stadt zu verbringen.“
Fällt das Hundeverbot auf der Burg?
Und auch der Trifelsverein, bei dem Seyfried zweiter Vorsitzender ist, soll aktiv eingebunden werden. Im September wird mit diesem etwa eine öffentliche Tagung über die Burgen am Oberrhein auf die Beine gestellt. Austragungsort: nicht in der Burg, sondern im Hohenstaufensaal in der Stadt.
Zudem soll der Trifels einladender werden. Auf dem großen Parkplatz unterhalb der Burg sei man ja oftmals etwas verloren. „Wie können wir mit einfachen Mittel für mehr Struktur sorgen, damit sich die Besucher angekommener fühlen?“, fragt sich Seyfried und möchte dafür bauliche Ideen zusammen mit dem Forst entwickeln. Trotz knapper Kassen etwas auf die Beine zu stellen, damit hat der Stadtbürgermeister Erfahrung. Annweiler ist bekanntlich finanziell nicht auf Rosen gebettet. Vielleicht findet er so auch eine Lösung, um die Bestuhlung im Außenbereich der Burg aufzuwerten, wie er es sich wünscht. Und auch das Hundeverbot im Burghof stehe zur Diskussion, berichtet Seyfried, der selbst Hundebesitzer ist. Aber da müsse erst eine für alle passende Lösung entwickelt werden, damit die Mitarbeiter nicht ständig nur mit Häufchenentfernen beschäftigt sind.
Auch schon Toiletten geputzt
Für ihn sei es auf jeden Fall ein „einmaliges Privileg“, diesen geschichtsträchtigen Ort inmitten des Pfälzerwalds als Arbeitsplatz zu haben, sagt Seyfried. „Man merkt, man hat Verantwortung für eine so wichtige deutsche Burg. Das sorgt für einen Gänsehautmoment.“ Man brauche solche Menschen, die diesen Ort lieben und genau hier sein wollen, ist seiner Chefin von der Landesbehörde bewusst. Denn sie stellt klar: Nach außen möge der Job glanzvoll erscheinen, aber er habe seine harten Seiten. Man trage Verpflichtung für ein Denkmal nationaler Bedeutung, das aber auch große Bedeutung für die Menschen vor Ort habe. Auf dem Trifels ist man das ganze Jahr über draußen und den Wetterextremen immer eine Stufe mehr ausgesetzt als im Tal. Und als Burgvogt muss man ein Allrounder sein: Verwaltung, Marketing, Veranstaltungsorganisator, Hausmeister et cetera. Und ja, Seyfried hat auch schon die Toiletten geputzt, wie er uns verrät.
Er brenne für den Trifels, das weiß Kaiser-Lahme zu schätzen, aber er brenne natürlich auch für die Stadt. Das sei beim Auswahlverfahren, in dem sich Seyfried gegen mehrere Mitbewerber durchgesetzt hatte, auch eine Frage gewesen. Sie halte das Ehrenamt hoch und wolle der Stadt nicht einen guten Bürgermeister nehmen. Deswegen habe man ein fließendes Dienstzeit-Arrangement getroffen, damit Seyfried beides zeitlich händeln kann. Aber der Vollblut-Kommunalpolitiker will jetzt schon mit offenen Karten spielen. Von Mitte März bis Oktober läuft die Saison auf dem Trifels. In dieser Zeit knubbelt sich die Arbeit auf der Burg. Dann kommen die Besucher, dann sind viele Veranstaltungen. „Ich werde sehen, wie die erste Saison läuft und ob es tragfähig ist, den Job und das Amt unter einen Hut zu bekommen. Dann werde ich im Herbst entscheiden und bekanntgeben, ob ich noch einmal als Stadtbürgermeister kandidiere.“
Termin
Für Sonntag lädt der Pfälzerwald-Verein Annweiler Interessierte zu einer Wanderung auf dem Trifels-Erlebnis-Weg zu Burg Trifels ein. Dort erwartet das Wandervolk eine Führung durch den neuen Burgvogt Benjamin Seyfried und ein Umtrunk. Treffpunkt ist um 10 Uhr an der Waldgalerie bei der Markwardanlage.