Landau / SÜW RHEINPFALZ Plus Artikel Mitarbeiter im Öffentlichen Dienst fordern mehr Lohn

„Wir sind es wert“ ist das Motto des Streiks. Die Teilnehmer snd in verschiedenen Behörden und Einrichtungen beschäftigt.
»Wir sind es wert« ist das Motto des Streiks. Die Teilnehmer snd in verschiedenen Behörden und Einrichtungen beschäftigt.

Sie sind vor allem laut, als sie am Dienstagmorgen durch die Landauer Innenstadt ziehen: rund 360 Beschäftigte im Öffentlichen Dienst, die dem Aufruf der Gewerkschaft Verdi zum ersten Warnstreik gefolgt sind. Ihre Arbeitsplätze sind an diesem Tag verwaist.

„Wir wollen uns mal wieder zeigen. Zu Beginn der Corona-Pandemie wurden wir viel beklatscht. Jetzt wollen wir mehr Geld haben.“ Die Krankenschwester im Pfalzklinikum in Klingenmünster hakt sich unter und marschiert mit Kollegen der Sparkasse Südpfalz, der Bundespolizei in Bad Bergzabern, Energie Südwest, Stadtwerke Bad Bergzabern, den Stadtverwaltungen Landau und Neustadt oder der Arbeitsagentur durch Landau. Rot und weiß sind die dominierenden Farben – Flaggen und Transparente künden vom gemeinschaftlichen Anliegen. Die Trillerpfeifen schrillen durch die Straßen. Polizisten schirmen den Zug ab. Sie blicken so freundlich drein, dass eine Teilnehmerin sie gar für Teilnehmer des Warnstreiks hält.

Start des Demonstrationszugs war Energie Südwest. Von da aus liefen die Streikenden durch cie Stadt bis zur Stiftskirche.
Start des Demonstrationszugs war Energie Südwest. Von da aus liefen die Streikenden durch cie Stadt bis zur Stiftskirche.

Verdi fordert für die Angestellten von Bund und Kommunen 10,5 Prozent mehr Gehalt, mindestens aber 500 Euro mehr im Monat bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Verdi führt die Verhandlungen gemeinsam für die Gewerkschaften der Polizei, Erziehung und Wissenschaft, der IG Bau sowie mit DBB Beamtenbund und Tarifunion. Einige Vertreter sprechen später bei der Kundgebung am Stiftsplatz Grußworte. Die nächsten Verhandlungen stehen am 22./23. Februar in Potsdam an.

Jürgen Knoll, Geschäftsführer des Verdi-Bezirks Pfalz.
Jürgen Knoll, Geschäftsführer des Verdi-Bezirks Pfalz.

Gehaltsstufen fast ausgeschöpft

„Wir sind jetzt mal dran“, betont die Krankenschwester. Sie und ihre Kollegen des Pfalzklinikums stellen die größte Gruppe, zumindest dem Lärm nach zu urteilen, den sie bei Aufruf durch Gewerkschaftssekretär Christian Hartard vor der Stiftskirche machen. Die schwierige Situation der Pflegekräfte ist bekannt.

Über den Arbeitsplatz könne er sich nicht beklagen, meint ein 36-Jähriger, der beim Elektronikzentrum der Bundeswehr in Bad Bergzabern beschäftigt ist. Mit der Bezahlung aber ist er nicht einverstanden. Er könne nur noch eine Altersstufe erklimmen, dann sei er am Ende der Möglichkeiten. Seine Freundin habe nach dem Master gerade die erste Arbeitsstelle und verdiene jetzt schon mehr als er, erzählt der Elektroniker.

Richtig unzufrieden ist Jasmin Hammelmann, die mit ihrem 26-köpfigen Team von der Kindertagesstätte Nußknacker in Hochstadt unter den Streikenden ist. Die Probleme seien die alten, meint sie. Das neue Kita-Gesetz hätten sie nur noch verschlechtert. „Wenn sich nichts ändert, sehen wir schwarz für unseren Traumberuf“, sagt die Leiterin. Die Gruppen seien zu groß, die Räume zu klein, die Personalschlüssel unzureichend. Und die Leitungen würden bei Tarifabschlüssen oft vergessen. So gebe es keine Umwandlungstage zur Regeneration, keinen 180-Euro-Zuschlag. Trotz 147 Kindern in der Einrichtung sei sie nicht zu 100 Prozent freigestellt, klagt Hammelmann.

Die Trillerpfeifen der Streikenden waren weithin zu hören.
Die Trillerpfeifen der Streikenden waren weithin zu hören.

Untere Lohngruppen darben

Thomas Ullemeyer, Betriebsratsvorsitzender der Energie-Südwest-Gruppe Landau, bekommt täglich Anrufe von Kollegen, „die nicht wissen, wie sie den Monat rumkriegen sollen“. Die letzte Tarifrunde sei eine Null-Runde gewesen. In der Krise hätten die Mitarbeiter für Wasser und Gas gesorgt, aber viele wüssten nicht, wie sie ihre eigenen Rechnungen bezahlen sollten. Deshalb seien 500 Euro mehr im Monat für die unteren Lohngruppen so wichtig.

„Heizen oder Essen?“ Viele müssen sich laut Jürgen Knoll entscheiden. Der Geschäftsführer des Verdi-Bezirks Pfalz fordert bei der Kundgebung Reichensteuer und Vermögenssteuer, denn „es gibt viele Leute, die baden im Geld“. Die Mär vom Fachkräftemangel offenbare einen Fehler im System, denn seit Jahrzehnten gebe es zu wenige Beschäftigte in der Pflege und den Kitas. Wenn die Bezahlung besser wäre, würden dort auch mehr Leute arbeiten.

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