Winnweiler
Bei Bischoff wird schon kein Bier mehr hergestellt
Es gebe „leider nur noch geringe Chancen“ für den Erhalt der Brauerei Bischoff „in ihrer bisherigen Form“ – das sagt Jürgen Erbe von der Kanzlei Schultze&Braun auf RHEINPFALZ-Anfrage. Seit Mitte August ist Erbe der Insolvenzverwalter der Winnweilerer Privatbrauerei: Damals war das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung in ein Regel-Insolvenzverfahren übergegangen, nachdem die saarländische FDK-Beteiligungsgesellschaft kurzfristig erklärt hatte, doch nicht bei Bischoff einzusteigen. Wenig später beschloss die Gläubigerversammlung der Privatbrauerei, den Betrieb in Winnweiler kontrolliert herunterzufahren.
Das geschieht laut Erbe seit einiger Zeit. „Dass dieser Prozess mehrere Wochen dauert, ist völlig normal.“ Nur noch ein Teil der zuletzt rund 40 Mitarbeiter wird dafür benötigt. Bier gebraut wird bereits nicht mehr. Derzeit würden „die Maschinen, Geräte, Tanks und Leitungen gereinigt“, erläutert Jürgen Erbe. „Insgesamt wird der Prozess des Herunterfahrens noch einige Wochen dauern.“
Insolvenzverwalter: „Muss Rechte der Gläubiger schützen“
Zwar hat es in den zurückliegenden Wochen Interessensbekundungen gegeben, doch haben sich laut Erbe „die Investitionen, die nötig wären, um den Brauereibetrieb wieder wirtschaftlich aufnehmen zu können, als zu hoch für potenzielle Investoren herausgestellt“. Etwa zwei Millionen Euro seien nötig, schätzt der Insolvenzverwalter. Unter anderem muss eine defekte Ammoniakleitung instandgesetzt werden, die seit längerem eine Vollauslastung in der Produktion verhindert hatte.
„Meine Aufgabe als Insolvenzverwalter ist es auch, die Rechte der Gläubiger zu schützen und die Insolvenzmasse zu sichern, aus der die Forderungen der Gläubiger befriedigt werden“, unterstreicht Erbe. Daher würden auch bereits Gespräche geführt „mit möglichen Käufern für zum Beispiel die Anlagen der Brauerei oder das Grundstück, auf dem die Brauerei steht“.
Insolvenzverfahren seit Ende 2020
Sven Bischoff hatte im Dezember 2020 die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beantragt. Ein Hauptgrund, so hatte er stets betont, seien die Umsatzrückgänge während der Pandemie gewesen. Das Verfahren war in Eigenverwaltung eröffnet worden, so dass Bischoff die Geschäfte selbst hatte weiterführen können. Seither aber hatten sich neue Schulden angehäuft, die Bischoff nicht mehr aus eigener Kraft hätte begleichen können, wie Erbe schildert.
Ende 2021 sollte das große firmeneigene Areal in Winnweiler veräußert werden, um Investoren Wohnbebauung zu ermöglichen. Mindestens 5,5 Millionen Euro hätte diese Transaktion in die Kassen der Brauerei spülen sollen – zum einen, um endlich das Insolvenzverfahren zum Abschluss zu bringen, zum anderen, um die dringend notwendigen Investitionen in den Betrieb zu tätigen. Am Ende war Bischoff in Gesprächen mit der FDK-Beteiligungsgesellschaft aus dem Nordsaarland, die nicht nur das Gelände erwerben, sondern auch bei der Brauerei mit einsteigen wollte. Diese Hoffnung hat sich mit der Absage am 10. August zerschlagen. Fünf Tage später beschloss die Gläubigerversammlung, den Betrieb bei Bischoff herunterzufahren.