Pirmasens
Berufsbildende Schule klagt über Lehrermangel
Die Schulleiter der Berufsbildenden Schulen (BBS) in der Westpfalz haben bei ihrer Dienstbesprechung vorvergangene Woche ein eklatantes Problem festgestellt: Offensichtlich fehlt es allen sechs Schulen an Lehrkräften für die allgemeinbildenden Fächer. Besonders in Englisch, aber auch in Deutsch und Mathe gibt es momentan offensichtlich kein Personal. „Das ist äußerst ungewöhnlich und gibt jetzt sofort ein riesen Problem“, zeigt sich Jörg Altpeter, der Schulleiter der BBS in Pirmasens, beunruhigt. Während es bei den Spezialfächern wie Elektrotechnik häufig schwieriger sei, kompetente Lehrkräfte zu finden, habe es bei den Standardfächern noch nie Probleme gegeben: „Wenn ich einen Englisch-Lehrer anfrage, bekomme ich den normal. Das ist sehr merkwürdig, dass wir da jetzt einen Lehrermangel haben.“
Gleiche Bezahlung, vielfältigere Aufgaben
So wirklich erklären können sich das weder der Schulleiter noch sein Stellvertreter Markus Kiefer. Eine mögliche Begründung sehen sie unter anderem darin, dass sich die Lehramtsstudierenden aufgrund der Corona-Pandemie in den beiden vergangenen Jahren mehr Zeit für ihr Studium gelassen haben. Für wahrscheinlicher halten sie es jedoch, dass viele das unübersichtliche System der Berufsbildenden Schulen nicht ganz verstanden haben und zum Beispiel nicht wissen, dass eine Stelle an einer BBS gleichwertig mit der einer Gymnasialstelle ist – und auch so bezahlt wird. „Das ist alles Sekundarstufe zwei, also mit Verbeamtung und gleicher Bezahlung wie bei einem Gymnasiallehrer, aber der Job ist vielfältiger. Vielen ist das nicht bekannt“, mutmaßt Altpeter. Ihm ist es daher ein Anliegen, auf das Problem aufmerksam zu machen.
Auch Quereinstieg ist möglich
„Es wäre das Schlimmste, wenn Leute hier aus der Region nach Ludwigshafen müssten oder Ähnliches, wenn wir hier Stellen haben“, sagt Altpeter. Gesucht werden vorrangig Englisch-Lehrkräfte mit abgeschlossenem Referendariat, aber auch Quereinsteiger oder Studierende sind willkommen. Da es sich bei der BBS in Pirmasens um eine sogenannte selbstbudgetierte Schule handelt, können solche Vertretungskräfte von der Schule selbst eingestellt werden, ohne das Vergabeverfahren des Landes zu berücksichtigen.
„Formale Kriterien sind erstmal nicht so wichtig“, betont Kiefer. Dennoch sei es natürlich das Ziel, langfristige Lehrkräfte zu finden. Nur mit Aushilfskräften zu Arbeiten, sei auf Dauer keine Lösung. Schon jetzt gebe es einen Mangel, den die Schule mit sechs oder sieben Vertretungskräften ausgleichen müsse.
Unterricht droht auszufallen
„Wir hoffen, dass sich Leute melden, besonders für Englisch. Wenn wir da niemanden haben, geht das schon an die Substanz“, sagt Altpeter. Wenn keine Lehrkräfte nachkommen würden, führe das zu einer „drastischen Unterversorgung“. Als Folge müsse zunächst „umgeschichtet“ werden. Das heißt, dass beispielsweise die Berufsschulklassen weniger Englisch-Stunden hätten, um so wenig Unterricht wie möglich in den Abiturjahrgängen ausfallen zu lassen.
„Am Ende tragen die Schüler die Last, die einfach weniger Ausbildung haben“, bedauert Altpeter. Zugleich betont er aber: „So weit sind wir noch nicht, jetzt haben wir erst mal eine Bedarfsanfrage geschickt.“ Er hofft, dass sich das Problem so lösen lässt.
Info
Interessierte könnten sich unter der Telefonnummer 06331 24010 oder info@bbspirmasens.de melden.