Landau
Junger Mann durch Messerstiche verletzt
Nichts Genaues weiß man nicht. Der flapsige Spruch trifft auf diesen Fall zu. Der Radiosender Antenne Pfalz in Landau berichtet auf seiner Facebookseite, dass es in der Nacht von Freitag auf Samstag zu einer Auseinandersetzung vor dem Coupé gekommen sei. Dabei sei ein Angreifer mit einem Messer auf eine Person losgegangen und habe mehrfach auf diese eingestochen. Anschließend sei er geflüchtet. Die Polizei habe den mutmaßlichen Täter ermittelt, berichtet der Sender, der sich auf „gut informierte Kreise“ beruft. Wegen polizeilicher Ermittlungsarbeiten sei die Königsstraße Richtung Xylanderstraße gesperrt, heißt es dort weiter. Der Beitrag ist mit dem Foto einer Polizeiabsperrung mittels Flatterband und querstehendem Polizeimotorrad in der Xylanderstraße bebildert.
Nur Staatsanwaltschaft darf informieren
Die Polizei in Landau und das Polizeipräsidium in Ludwigshafen bestätigen am Sonntagvormittag lediglich, dass es einen Vorfall in Landau gegeben hat. Den Begriff Messerstecherei wollen sie weder bestätigen noch dementieren. Der Polizeiführer vom Dienst in Ludwigshafen bittet um Geduld bis Montag. Dann werde sich die Staatsanwaltschaft Landau zu dem Fall äußern. Telefonisch ist die Staatsanwaltschaft am Wochenende nicht erreichbar, eine E-Mail bleibt unbeantwortet.
Doch Gastwirt Sejdijaj Gazmend weiß ein bisschen was. Am Sonntagvormittag ist seine Kneipe in der Königstraße 54 noch leer. Es ist schummrig und warm in dem als Bistro bezeichneten Lokal, das im Internet ein paar gute Bewertungen bekommen hat. Und ja, es ist auch irgendwie gemütlich. So wie in den einfachen Eckkneipen, die in zahllosen Liedern oder Kurzgeschichten besungen und beschrieben werden.
Das Opfer war mit Freunden da
In einem Aschenbecher auf einem Stehtisch am Fenster liegen noch Kippen, die Tischplatte klebt, jemand hat sein Getränk verschüttet. Sejdijaj ist noch allein und nimmt sich Zeit. Er bestätigt die Messerstecherei, hat das Opfer selbst gesehen. Und das sogar zwei Mal am frühen Samstagmorgen. Der junge Mann, den er auf 25 bis 27 Jahre schätzt, sei vielleicht so gegen zwei Uhr in seiner Gaststätte gewesen, in Begleitung von zwei Frauen und einem weiteren Mann, der vielleicht ein Freund, vielleicht ein Verwandter des späteren Opfers gewesen sei. So genau wisse er das nicht. Der männliche Begleiter sei nicht lang geblieben, habe nur rasch was bestellt und sei dann wieder gegangen. Die anderen haben eine Weile auf den drei Barhockern am Tresen gesessen. Offenbar alles ganz normal und unauffällig.
Später sei der junge Mann mit seinen Begleiterinnen vor die Tür gegangen. Sie müssten wohl noch anderswo in der Nähe eingekehrt sein, denn es sei zu kalt gewesen, um sich länger draußen aufzuhalten, und er habe erst etwa anderthalb Stunden später wieder von ihnen gehört.
Lärm auf der Straße
Es müsse irgendwann zwischen drei und vier Uhr gewesen sein, meint Sejdijaj, dass er Lärm und Leben auf der Straße wahrgenommen habe. Er wollte nachschauen gehen, weil er aus Rücksicht auf die Nachbarschaft für Ruhe vor seinem Lokal sorgen müsse. Da sei auch schon ein Mann in sein Bistro gestürzt und habe etwas von einer Schlägerei mit Einsatz eines Messer gerufen, zu der es wohl an der Kreuzung von Königstraße und Martin-Luther-Straße gekommen sei. Der Gastwirt ist rausgerannt und sah seinen früheren Gast, der geblutet habe, aber ansprechbar gewesen sei. Polizei und Notarzt seien gekommen, und das Opfer sei ins Krankenhaus gekommen.
Der Gastwirt, der nach seinen Angaben von der Polizei noch nicht befragt worden ist, kennt den jungen Mann vom Sehen. Der sei ab und an mal bei ihm gewesen, aber kein Stammgast. Er glaubt auch den Vornamen zu kennen, der mit M beginne. Und er meint zu wissen, dass er im Bereich der Dörrenbergstraße wohne. „Texasviertel“, sagt der Wirt und meint es völlig wertfrei.
Vater gibt Entwarnung
Am Samstag, so berichtet er weiter, habe der Vater des jungen Mannes ihn angerufen, ob er etwas gesehen habe und zur Aufklärung beitragen könne. Das musste Sejdijaj verneinen. Aber er ist erleichtert, dass der Vater auch berichtet habe, sein Sohn sei operiert worden und es gehe ihm schon wieder ganz gut. Lebensgefahr bestehe offenbar nicht. Und vielleicht, so meint der Wirt, sei es irgendwie um die Freundin des jungen Mannes gegangen. Irgendsowas habe er gehört. Verbürgen kann er sich dafür aber nicht.