Billigheim-Ingenheim RHEINPFALZ Plus Artikel Spezialist sucht Ursache für Pferdekrankheit

Beim Reit- und Fahrverein Billigheim brodelt es.
Beim Reit- und Fahrverein Billigheim brodelt es.

Elf von 16 Pferden, die auf dem Gelände des Reit- und Fahrvereins Billigheim untergestellt sind, sind erkrankt. Erhöhte Leberwerte. Schuld soll minderwertiges Heu sein. Doch das ist noch nicht geklärt. Derweil erheben einige Pferdebesitzer schwere Vorwürfe gegen den Vorstand des Vereins.

Ihr Pferd habe im September sogar Infusionen bekommen, weil es ihm so schlecht gegangen sei, sagt eine Frau im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Ihren Namen möchte sie nicht in der Zeitung lesen, aus Sorge, sie könnte ihren Stellplatz in den Ställen des 1953 gegründeten Reit- und Fahrvereins (RFV) Billigheim verlieren. So geht es auch anderen Pferdebesitzern, denn Unterstellmöglichkeiten für die teuren Vierbeiner sind rar. Das Heu für ihr Pferd habe sie nun selbst in Norddeutschland eingekauft, weil sie nach wie vor Zweifel an der Qualität des Heus habe, das beim RFV verfüttert werde. „Das Heu unseres Lieferanten ist beste Qualität, im Sommer wurde beim Renn- und Reitverein Heu der Kategorie drei verfüttert, schlechter geht es nicht“, sagt die Frau. Ein Gutachten bestätige den Vorwurf, das im August und September verwendete Heu sei voller Pilze und Schimmel gewesen, so die Frau.

Unstimmigkeiten zwischen der Vorstandschaft und den privaten Pferdebesitzern gibt es schon länger. Anfang Dezember wurde das Veterinäramt Südliche Weinstraße darüber informiert. Bei einigen Tieren wurden von den jeweiligen betreuenden Tierärzten Blutproben entnommen und erhöhte Leberwerte festgestellt, bestätigt die Kreisverwaltung. Vonseiten einiger Pferdebesitzerinnen und Pferdebesitzer sei deshalb der Verdacht geäußert worden, dass dies durch Pflanzen im Heu verursacht sein könnte. „Das betroffene Heu wurde bereits im Sommer verfüttert und befindet sich entsprechend nicht mehr im Bestand“, teilt die Kreisverwaltung auf Anfrage mit.

Vorsätzlich minderwertiges Heu verfüttert?

Ein Vereinsmitglied äußert im Gespräch mit der RHEINPFALZ den Verdacht, dass der Vorstand aus Kostengründen bewusst minderwertiges Heu gekauft habe. „Dem Verein geht es finanziell schlecht, das wissen alle Mitglieder“, sagt die Frau, die ebenfalls anonym bleiben will. Bei der Mitgliederversammlung im September seien die Zahlen offengelegt worden. „Es gibt schon erhebliche Preisunterschiede beim Heu. Und wenn ich Heu der Kategorie drei einkaufe, lässt sich viel Geld sparen“, so der Verdacht der Frau, die selbst Pferdebesitzerin ist.

RFV-Vorsitzender Reiner Neuhard weist die Vorwürfe zurück. „Wir schreiben schwarze Zahlen“, sagt er. Neuhard erinnert daran, dass der Vorstand mit ihm an der Spitze von den Mitgliedern entlastet worden sei. Es werde schon seit geraumer Zeit von einigen Mitgliedern Stimmung gegen ihn gemacht, so Neuhard. Im Alter von vier Jahren sei zum ersten Mal mit seinem Vater zum Reit- und Fahrverein gegangen, erzählt der 62-Jährige. Er engagiert sich schon seit Jahrzehnten im Vorstand, steht nach einer Unterbrechung bereits zum zweiten Mal an der Spitze. „Der Verein liegt mir am Herzen, ich würde nichts tun, was dem Verein schaden könnte“, versichert Neuhard.

Spezialist für Pferdemedizin beauftragt

Der Verein habe drei verschiedene Heulieferanten. „Die kennen wir seit Jahren“, so Neuhard. „Wir haben alle Lieferanten besucht und uns von der Qualität ihres Heus überzeugt.“ Es könne immer mal passieren, dass Pflanzen, wie etwa die Herbstzeitlose, sich unter das Heu mischten. Die Herbstzeitlose enthält das sehr giftige Alkaloid Colchicin, das für viele Tiere, auch Pferde, gesundheitsschädlich ist.

Der Vorstand hat Heu-, Einstreu- und Wasserproben entnehmen lassen. Die wurden in der Landwirtschaftlichen Untersuchungs- und Forschungsanstalt in Speyer untersucht. „Die Ergebnisse zeigen, dass Heu, Einstreu und Wasser nicht die Verursacher für die erhöhten Leberwerte sind“, bestätigt die Kreisverwaltung. Das bezweifeln auch die Kritiker nicht. „Das Problem war das Heu, das im Sommer verwendet wurde“, sagen sie. Um Klarheit zu bekommen, hat der Vorstand einen Spezialisten für Pferdemedizin beauftragt, die gesammelten Ergebnisse zu untersuchen und zu interpretieren, auch die verschiedenen Gutachten. Die Expertise des Spezialisten steht noch aus. „Wenn das Ergebnis vorliegt, werden wir alle Einsteller informieren“, kündigt Neuhard an. Vorher werde er sich zu den Erkrankungen der Pferde nicht äußern.

„Die betroffenen Tiere werden von ihren Tierärzten betreut und sind auf dem Weg der Besserung“, informiert die Kreisverwaltung. Sie verweist weiter darauf, dass die Unstimmigkeiten im Reit- und Fahrverein eine interne Angelegenheit seien. „Da keine vorsätzliche Verletzung des Tierschutzgesetzes gegeben ist, besteht derzeit keine Zuständigkeit des Veterinäramtes“, stellt die Behörde klar.

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