Unternehmen
BASF baut ihre Tankerflotte aus
Durchschnittlich 40 Prozent aller jährlich ein- und ausgehenden Transporte des Ludwigshafener Stammwerks der BASF werden über Binnenschiffe abgewickelt. Weil in der zweiten Hälfte 2018 wegen des extremen Niedrigwassers kaum noch Schiffe fahren konnten, musste die Produktion im Stammwerk mit seinen 200 Produktionsanlagen und rund 34.400 Mitarbeitern stark gedrosselt werden. Das Unternehmen büßte deswegen rund eine Viertel Milliarde Euro Gewinn ein.
Um die Versorgung des Standortes auch bei Niedrigwasser sicherzustellen erweitert die BASF nun ihre bestehende langfristig gecharterte Binnenschiff-Flotte um drei neue Spezialschiffe, die auch bei niedrigen Pegelständen besonders viel Ladung transportieren können. Die Niedrigwasser-Tankschiffe würden eigens für die BASF entwickelt und gebaut, teilte der Konzern am Mittwoch mit. Sie sollen demnach von Reedereien exklusiv für den Transport der BASF betrieben werden. Die Schiffe befinden sich also nicht im Besitz des Konzerns.
Frühwarnsystem entwickelt
Mit diesen drei Schiffen könne die BASF die Versorgungssicherheit und damit die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts auch bei kritischem Niedrigwasser nochmals deutlich verbessern, sagte der Ludwigshafener Werkleiter Uwe Liebelt. Der Einsatz dieser Spezialschiffe sei der Abschluss eines Stufenplans, den der Chemiekonzern unverzüglich nach der extremen Trockenheit im Sommer und Herbst 2018 gefasst habe. Die BASF braucht viel Kühlwasser aus dem Rhein, was bei Niedrigwasser Probleme bereitet. Deshalb sei die Rückkühlkapazität für die Anlagen im Werk bereits erweitert worden. Ein Frühwarnsystem für Trockenperioden mit einer Vorwarnzeit von bis zu sechs Wochen sei entwickelt worden. Ladestellen im Stammwerk seien um- und ausgebaut worden, um auf andere Verkehrsträger wie Bahn und Lkw flexibler umstellen zu können.
Die BASF hatte zudem als Erstmaßnahme zwar schon 2019 von verschiedenen Reedereien auf dem Markt vorhandene Schiffe fest angemietet, die auch bei Niedrigwasser noch nennenswerte Mengen transportieren können. Doch nach Angaben des Konzerns gab es weiter Lücken in der Versorgungssicherheit. Um sie zu schließen, stieß die BASF gemeinsam mit externen Partnern die Entwicklung von drei neuen niedrigwassertauglichen Binnenschiffstypen an.
„Canaletto“ schafft extremes Niedrigwasser
Die Hamburger Reederei GEFO wird exklusiv für die BASF ein Tankschiff für den Transport von Spezialchemikalien bauen und betreiben. Das Schiff mit einer Länger von 110 Metern und einer Breite von 11,45 Metern ist für extremes Niedrigwasser optimiert und wird den Namen „Canaletto“ tragen. Der Tanker soll Mitte 2022 in Betrieb gehen.
Bereits in Betrieb genommen wurde das Gas-Tankschiff mit dem Namen „Gas94“ der Kölner Reederei HGK. Der 110 Meter lange und 12,5 Meter breite Gastanker ist den Angaben zufolge breiter als die üblichen Gas-Schiffe. Dank seiner auftriebsoptimierten Konstruktion kann er auch bei einem Rhein-Pegelstand Höhe Kaub von 30 Zentimeter noch 200 Tonnen verflüssigter Gase befördern.
Flaggschiff noch ohne Namen
Das Flaggschiff der neuen Niedrigwasserschiffe sei ein neuartiges, von der BASF mitentwickeltes Tankschiff mit „außergewöhnlich hoher Tragfähigkeit“. Es wird die kritische Stelle im Rhein bei Kaub selbst bei dem Pegelstand von 30 Zentimetern, der 2018 noch knapp unterschritten wurde, mit einer Ladung von 650 Tonnen passieren können. Das sei deutlich mehr als bei jedem anderen Tankschiff, so die BASF. Das Schiff in Leichtbauweise sei auch wegen seiner Abmessungen von 135 Meter auf 17,5 Meter außergewöhnlich. Die BASF habe für den Bau 2018 selbst die Initiative ergriffen, denn „ein entsprechendes Schiff stand am Markt nicht zur Verfügung“, sagte Liebelt. Das Schiff wird von der Reederei Stolt Tankers für BASF gebaut und soll ab Ende 2022 eingesetzt werden.
Lesen Sie auch: Gigantischer Strombedarf: Die BASF und die Signale der Ampel-Sondierungen