Dannstadt-Schauernheim
Mundartwettbewerb: Lustige, lebendige und lebensfrohe Beiträge
Etwa 200 Gäste lauschten am Freitag im Zentrum Alte Schule den finalen Beiträgen des Mundartwettbewerbs Dannstadter Höhe. Betritt Edith Brünnler die Bühne, wissen Kenner: Jetzt gibt’s wieder eine herrlich kuriose Geschichte, in der sich jeder ein bisschen wiederfindet. Den von der Autorin exakt erkannten Kern des Themas treibt ihre Protagonistin gerne auf amüsante Weise auf die Spitze. So auch in „Die Katz im Sack“ – mit dem Brünnler den ersten Platz in der Kategorie Prosa eroberte. Darin ist die Cousine der Erzählerin „von A bis Z, also von Amazon bis Zalando“ gesperrt, weil sie bestellte Waren kurz genutzt und dann wieder zurückgeschickt hat. Die „Bestellerei im Indernet“ ist ihr aber zu unpersönlich, sie geht lieber selbst in die Geschäfte. So wird sie zunächst aus einem Buchladen geworfen, nachdem sie dort mehrere Bücher gelesen und für kein einziges bezahlt hat. Ums Geld gehe es ihr nicht. „Awwer der Nervekitzel, ob’s funktioniert odder net, der hot schun was.“ Deshalb ergaunert sie sich im Tanzstudio ein Probetraining sowie einen Schnupperkurs und ist stolz darauf. Im Sportstudio scheitert die Erzählerin mit ihren Tricks, ist bereits bekannt als „die, wu nie was bezahle wollt“. Dennoch schmiedet sie große Pläne: Zur Weihnachtszeit im Blumenladen „zwää Chrischtbääm zur Asicht zu krigge“. Den, der zuerst die Nadeln verliert, bringe sie dann zurück. Brünnlers Siegerbeitrag war an diesem Abend nicht der einzige, bei dem das Publikum an diesem Abend herzhaft lachte.
Mit „Iwwerfall vum Läwe“ erdichtete sich Maritta Reinhardt bei den Poeten die Gunst der Jury und damit den Sieg. „Schdurmgebimmel on de Deer“ kündigt überraschenden, aber willkommenen Besuch an. Wer die Personen genau sind, ließ die Autorin offen, weil es keine Rolle spielt: eigentlicher Gast ist das bunte Leben, das mit Urgewalt „in de Hausgong“ platzt, bis unters Dach tänzelt und sich „in mei Herz“ küsst. Es lacht, hat Hunger, „kaut unn babbelt gleichzeidisch“, macht Flecken auf der neuen Tischdecke, erzählt von der Arbeit, dem Urlaub und der kaputten Waschmaschine. Irgendwann ist schließlich Zeit: „Gonz feschd driggts mich / Es bunde Läwe / Bevors wirrer enaus in die Welt schderzt.“ Zurück bleibt die Erzählerin mit leeren Gläsern, vergessenen Jacken und „soveel Ruh / dass es weh dut“. Auch diese Szenen und die damit verbundenen Emotionen dürften manchem Zuhörer vertraut vorkommen. Sie so anmutig in den pfälzischen Dialekt gekleidet zu erleben, war ein Genuss.
Gutselorden fürs Lebenswerk
Das galt auch für die Lieder, mit denen die Interpreten die Besucher zum Mitsingen und -klatschen brachten – selbst später in der Beratungspause der Wertungsrichter. Nach der gelungenen Premiere der Kategorie Lied vergangenes Jahr hat diese sich zur Erfolgsgeschichte entwickelt. Von 70 eingesandten Werken insgesamt entfielen allein 15 auf die lautstärksten Mundartdichter. Ganz nach oben aufs Podest sang sich Charly Weibel mit „Fa eisch zwoh“. Der Song beschreibt einen älteren Menschen, der „widda ganz älloh em Fenschder“ sitzt und sich über alles freut, was es draußen zu beobachten gibt. Offensichtlich vereinsamt – „Dei Kinner hewwe sich lang nimmie gmeld. / Dei Enkel hosch schunn ewisch nimmie g“sehe.“ – schwelgt er oder sie in Erinnerungen an die guten alten Zeiten, als der Partner oder die Partnerin noch da war. Bilder von damals zeigen, „wie schäh die wohre fa eisch zwoh“.
Darüber hinaus durfte Rudolf Post den Pfälzer Gutselorden entgegennehmen. Mit diesem Sonderpreis wolle der Kultur- und Heimatkreis Dannstadter Höhe das Lebenswerk des Sprachwissenschaftlers würdigen, erklärte der Vorsitzende Thomas Keck. „Es hat fast ein Gebrüder Grimm’sches Ausmaß“, sagte er. Rudolf Post habe 17 Jahre lang am Pfälzischen Wörterbuch mitgearbeitet, das „Kleine pfälzische Wörterbuch“ geschrieben sowie einen Leitfaden für Mundartautoren verfasst. Der Ausgezeichnete selbst erklärte: „Für einen Sprachwissenschaftler ist es ein Paradies, das Pfälzische zu erforschen. Wer so eine Mundart spricht, kann stolz darauf sein.“ Er sei zwar ein geborenen Nicht-Pfälzer, aber längst im Herzen ein Pfälzer.
Demokratische Entscheidung
Zwei Jahre lang hatte er die Endrunde als reiner Zuhörer verfolgt, jetzt gehörte Pfalzkrimi-Autor Harald Schneider erstmals der Jury an. Geht bei der Siegerwahl alles mit rechten Dingen zu? Diese Frage könne er nun eindeutig mit Ja beantworten. „Es war spannend, wie authentisch, anonym und demokratisch die Entscheidungen fallen“, schilderte er der RHEINPFALZ seine Eindrücke. Er habe viel gelernt und sich gefreut, wie erfrischend sämtliche Beiträge waren. In den zwei Jahren zuvor seien die Themen noch stark von der Corona-Pandemie und dem Krieg in der Ukraine geprägt gewesen.
Das lohnende Finale rundeten die einmal mehr die leidenschaftliche und sachkundige Moderation Michael Landgrafs, die liebevolle Bühnendekoration und die Bewirtung durch die Landfrauen ab.