Wissen RHEINPFALZ Plus Artikel Nils fragt: Warum hat der Käfer dicke Beine?

Der Grüne Scheinbockkäfer ernährt sich von Blütenstaub. Da er immer etwas davon an sich kleben hat, wenn er von Blüte zu Blüte k
Der Grüne Scheinbockkäfer ernährt sich von Blütenstaub. Da er immer etwas davon an sich kleben hat, wenn er von Blüte zu Blüte krabbelt, hilft er beim Bestäuben. Hier sitzt er auf der Blüte des Hartriegels.

Hübsch glänzt der Käfer auf der Blüte! Aber man muss schon genau hinschauen, um ihn zu entdecken. Das Kerlchen ist gerade mal einen Zentimeter groß. Experte Manfred Niehuis weiß, wie es heißt: „Das ist ein Grüner Scheinbockkäfer. Wegen der verdickten Hinterschenkel wird er auch Schenkelkäfer genannt.“

An diesem besonderen Merkmal erkennt der Biologe, dass es sich um einen männlichen Käfer handelt. Die Schenkel sind nur bei den Männchen so geformt, die Weibchen haben dagegen schlanke Hinterbeine.

Wegen der molligen Beinform trägt die Käfergattung auch den wissenschaftlichen Namen „Oedemera“. Das kommt vom griechischen „oidema“ und bedeutet Schwellung. Beim Menschen spricht man von einem „Ödem“, wenn Körpergewebe durch eingelagerte Flüssigkeit anschwillt.

Hinterbeine werden hochgestellt

Mit Krankheit hat die Beinform der Käfer aber nichts zu tun. Manche Männchen besitzen sogar besonders stramme Beine: „Man hat gemessen, dass die Hinterschenkel bis zu 38-mal größer sein können als bei den Weibchen“, sagt Niehuis. Bei einer sehr ähnlichen Art, beim „Grünlichen Scheinbockkäfer“, haben jedoch auch die Männchen schlanke Beine.

Wozu die Verdickungen gut sein sollen, wissen Käfer-Experten noch nicht. Man hat aber beobachtet, dass der Grüne Scheinbockkäfer seine Hinterbeine hochstellt, wenn ein Artgenosse ihn belästigt. Vielleicht droht er so und lässt die Muskeln spielen?

Auf jeden Fall ist der glänzende Bursche ein eifriger Blütenbesucher. Wo Wiesen und Hecken reich blühen, kannst du ihn finden. Er ernährt sich von Blütenstaub. Auf unserem Foto sitzt er auf dem Blütenstand eines Hartriegels. „An seinen Beinen, Füßen und anderen Körperstellen sitzen feine Haare, daran bleiben die Pollen hängen“, erklärt Niehuis. Wenn der Käfer die nächste Blüte der gleichen Pflanzenart besucht, wird diese bestäubt.

Gift soll vor Fressfeinden schützen

Der Experte berichtet noch etwas Interessantes: „Scheinbockkäfer besitzen ein Gift namens Cantharidin. Das soll sie gegen Fressfeinde schützen.“ Klappt aber nicht immer. Zum Beispiel werden sie von Buntkäfern trotzdem gefressen und die nehmen dann selbst das Gift auf.

Bleibt noch die Frage, woher der Namensteil „Schein“ kommt. „Die Tiere ähneln ein bisschen den Bockkäfern, sind aber nicht näher mit ihnen verwandt“, sagt Niehuis. „Deren Fühler sind kräftiger und zum Ende gebogen wie bei einem Schafbock. Bei den Scheinbockkäfern sind die Fühler fadenartig und gerade.“

Von dem kleinen grünen Insekt weiß man also vieles, nur die Sache mit den dicken Hinterbeinen bleibt rätselhaft. Eine Idee hat Manfred Niehuis noch: „Vielleicht gefallen die Schenkel ja den Käferweibchen. Bei denen haben Männchen mit normalen Beinen wohl keine Chance…“

Nils Nager
Nils Nager
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