Wissen
Nils erklärt: Raspeln und schaben – Wie ein Wespennest entsteht
Aus der Größe und Form des verlassenen Nests schließt Katharina Schneeberg auf die früheren Bewohner: „Die Außenhülle sieht wellenförmig aus und sie ist bis auf ein Flugloch geschlossen“, sagt die Zoologin vom Pfalzmuseum für Naturkunde in Bad Dürkheim. „In dieser Form baut die Gemeine Wespe ihr Nest.“ Das Wort „gemein“ bedeutet in der Biologie nicht übel oder böse, sondern „allgemein“. Diese Wespenart ist also weit verbreitet.
Da die Gemeine Wespe gern zum Essenstisch der Menschen geflogen kommt und noch dazu schmerzhaft stechen kann, gehört sie eher zu den unbeliebten Tieren. Trotzdem: Ihre Baukunst ist erstaunlich. Wie schaffen es diese Insekten, so ein papierartiges Material herzustellen?
Wespe schabt Baustoff mit Oberkiefer ab
Vielleicht hast du schon Wespen auf altem Holz entdeckt. Wenn man die Ohren spitzt, hört man sie sogar daran raspeln. Tatsächlich besorgen sie sich hier ihren Baustoff: „Zuerst schabt die Wespe mit dem Oberkiefer Fasern von verrottendem Holz ab“, erklärt Katharina Schneeberg. „Die Teilchen vermengt sie mit Speichel und trägt das noch formbare Klümpchen zum Nest.“ Immer neues Faser-Speichel-Gemisch fügen die Tiere am Nestrand hinzu. Es trocknet, wird fester und das Nest wächst und wächst. „Die Oberfläche wird zuletzt noch eingespeichelt, um es haltbarer zu machen“, erklärt die Expertin. Aber warum sieht das kunstvolle Bauwerk so wellig aus? Und woher kommt das auffallende Streifenmuster?
Lufttaschen schützen das Nest
Die welligen Formen nennen Fachleute „Lufttaschen“. Sie schützen das Nest vor Hitze und Kälte. Auch das streifenförmige Muster kann Biologin Schneeberg erklären: „Die meisten Nester werden nicht aus der gleichen Holzquelle erbaut. Durch mehrere Holzarten kommt es zu unterschiedlich gefärbten Streifen.“ Im Inneren erbauen die Wespen mehrere Stockwerke. Diese Wabengebilde enthalten lauter sechseckige Zellen. Über Zwischenräume können die Tiere von Stockwerk zu Stockwerk wechseln.
Vielleicht fragst du dich, wo die vielen Bewohner geblieben sind. Wenn es im Herbst kalt wird, stirbt das Wespenvolk mit seiner alten Königin. Nur die jungen Königinnen überleben. Den Winter verbringen sie in einem frostsicheren Quartier. Sobald der Frühling sie aus der Winterstarre weckt, fliegen sie los: Nun suchen sie selbst einen dunklen, geschützten Ort, wo jede von ihnen einen neuen Wespenstaat gründen kann.