Wissen Die Mission: Dickhäuter retten
Nördliche Breitmaulnashörner sind unmittelbar vom Aussterben bedroht. Wie bereits berichtet, existieren weltweit nur noch zwei Weibchen, Najin und Fatu, die derzeit in Kenia leben. Im August 2019 hatte das „BioRescue Wissenschafts- und Naturschutzteam“, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert wird, einen Meilenstein im Kampf gegen das Aussterben des Nördlichen Breitmaulnashorns erreicht. Das Team hatte den beiden verbliebenen Weibchen Eizellen entnommen, befruchtete diese künstlich mit gefrorenem Sperma von verstorbenen Männchen und erzeugte so zwei Nördliche Breitmaulnashorn-Embryos.
Mitte Dezember 2019 wiederholten die Forscher die Prozedur und zeugten so über Weihnachten einen dritten Embryo. Nach Ansicht der Forscher hat sich damit die Prozedur als sicher erwiesen und kann nun solange regelmäßig durchgeführt werden, bis die Tiere zu alt sind. Die Vorbereitungen für die nächsten Schritte der Rettungsmission für das Nördliche Breitmaulnashorn sind im Gange.
Embryo in Stickstoff gelagert
Unter der Leitung des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung wurden die Tiere bei dem Eingriff im Dezember in Kenia narkotisiert, und es wurden ihnen neun unreife Eizellen (Oozyten) – drei von Najin und sechs von Fatu – mit einem selbst entwickelten medizinischen Spezialgerät entnommen. Die Eizellen wurden umgehend in ein Labor nach Italien transportiert. Nach der Inkubation und Reifung der neun Eizellen wurden vier von Fatu und eine von Najin mit einem Spermium befruchtet. Eine der fünf mit einem Spermium des Nashornbullen Suni befruchteten Eizellen von Fatu entwickelte sich zu einem lebensfähigen Embryo, der in flüssigen Stickstoff eingelagert wurde. Die Embryos sollen nun „Leihmüttern“, Südlichen Breitmaulnashorn-Weibchen, eingesetzt werden.
Die Vorbereitungen für die nächsten Schritte laufen auf Hochtouren und parallel zur Erzeugung von weiteren Embryos. Aus einer Gruppe Südlicher Breitmaulnashörner in der Ol Pejeta Conservancy wird derzeit ein passendes Weibchen als Leihmutter ausgewählt. Um die bestmöglichen Ergebnisse für die Arbeit mit den Nördlichen Breitmaulnashorn-Embryos zu erzielen, stützt sich das BioRescue-Team auf seine bisherigen Erfahrungen im Embryotransfer bei Südlichen Breitmaulnashörnern in Europäischen Zoos. Obwohl noch Forschungsbedarf besteht, rechnet das Team damit, dass ein erster Transfer eines Nördlichen Breitmaulnashorn-Embryos Ende 2020 erfolgen kann.
Das Forscher-Team brachte im Dezember auch konserviertes Sperma von Sudan, dem letzten nördlichen Breitmaulnashorn-Männchen, das im März 2018 starb, von Kenia nach Deutschland. Ziel ist es, das Sperma für die Produktion weiterer Embryos zu verwenden. Da die Proben jedoch erst 2014 gewonnen wurden, als Sudan bereits über 40 Jahre alt war, muss zunächst geprüft werden, ob er für diesen Zweck überhaupt noch geeignet ist.