Wissen Der Ruki-Fluss im Kongo: Schwarzer Dschungeltee

Das Wasser des Ruki-Flusses im Kongobecken ist aufgrund einer hohen Konzentration an gelösten organischen Substanzen so dunkel w
Das Wasser des Ruki-Flusses im Kongobecken ist aufgrund einer hohen Konzentration an gelösten organischen Substanzen so dunkel wie Tee.

Schweizer Forscherinnen und Forscher wollten den Kohlenstoffkreislauf des Kongobeckens erforschen und stießen dabei auf einen der dunkelsten Schwarzwasserflüsse der Welt: den Ruki. Das Team der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETH) staunte nach eigener Aussage, als es auf den Ruki-Fluss blickte. Das Wasser dieses Stromes, ein Nebenfluss des mächtigen Kongo-Flusses, ist so dunkel, dass man die Hand vor Augen nicht mehr sieht. „Die Farbe des Flusses hat uns tief beeindruckt“, sagt ETH-Forscher Travis Drake.

Der Ruki, so zeigen Vergleiche mit anderen tropischen Strömen, sei möglicherweise der schwärzeste große Schwarzwasserfluss der Erde. Er ist dunkler als der berühmte Rio Negro im Amazonas. „Das Wasser des Ruki ist so dunkel, weil er aufgrund seines geringen Gefälles kaum Sedimente mitführt, dafür aber große Mengen an gelösten organischen Stoffen“, erläutert Drake.

Diese kohlenstoffhaltigen Substanzen gelangen vor allem mit dem Regenwasser in den Fluss. „Der Regen fällt auf abgestorbene Dschungelvegetation und löst dabei organische Verbindungen aus totem Pflanzenmaterial. Zudem überflutet der Fluss in der Regenzeit den Wald. Das Wasser steht oft wochenlang über dem Waldboden und fließt nur sehr langsam ab. Dabei reichert es sich mit organischen Substanzen an. Der Ruki ist eigentlich Dschungeltee“, sagt Drake.

Torfreiche Moore und unberührter Regenwald

Nicht nur das dunkle Wasser ist etwas Besonderes. Der Ruki, der mit einer Breite von einem Kilometer in den Kongo mündet, sei als Ganzes einmalig. Noch immer ist sein Einzugsgebiet – mehr als viermal die Größe der Schweiz – von einem ursprünglichen, unberührten Tiefland-Regenwald bedeckt. Entlang des Flusses liegen zudem große Torfmoore, die gigantische Mengen an abgestorbenem, nicht zersetztem Pflanzenmaterial enthalten, also bedeutende Kohlenstoffspeicher sind.

Trotz seiner Einmaligkeit und seiner Größe wurde der Ruki wissenschaftlich noch nie eingehend untersucht. Drake und seine Kollegen haben deshalb 2019 beim Ort Mbandaka, kurz vor dem Zusammenfluss des Ruki mit dem Kongo, eine Messstelle eingerichtet und ein Jahr lang alle zwei Wochen die Abflussmengen und täglich den Pegelstand gemessen. „Unsere Messungen vor Ort mussten mit einfachen Mitteln erfolgen. In Mbandaka gebe es keine permanente Stromversorgung, nur wenige Dieselgeneratoren, kaum andere Infrastruktur, nicht mal eine Bohrmaschine, um die Pegelstandsmesslatte montieren zu können“, sagt Travis Drake. Improvisation war gefragt.

Firmen werfen Auge auf natürliche Ressourcen

Das Wasser des Ruki enthalte viermal mehr organische Kohlenstoffverbindungen als das des Kongos und 1,5-mal mehr als das Wasser des Rio Negro im Amazonas. Die Analyse der Kohlenstoffisotope hat zudem gezeigt, dass der Großteil des Kohlenstoffs aus der Waldvegetation und nicht aus dem Torf stammt. Zurzeit herrsche auch keine Gefahr, dass dieses organische Material freigesetzt wird, weil die Torfmoore fast das ganze Jahr unter Wasser liegen und dadurch dem Sauerstoff entzogen werden.

Allerdings hätten Firmen ein Auge auf natürliche Ressourcen des Ruki-Beckens geworfen. Veränderungen in der Landnutzung, zum Beispiel die Rodung von Wäldern, könnten das Abflussregime des Flusses verändern. So könnten Torfmoore trockenfallen und dann von Bakterien zersetzt werden. Dabei würde sehr viel CO2 freigesetzt. „Die Torfmoore im Kongo-Becken speichern rund 29 Milliarden Tonnen Kohlenstoff. Für das Klima ist es besser, wenn sie nass bleiben“, gibt Barthel zu bedenken.

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