München / Köln Wirtschaftsforscher senken Konjunkturprognosen
Das Münchener Ifo-Institut erwartet angesichts des andauernden Lockdowns für dieses Jahr jetzt nur noch 3,7 Prozent Wirtschaftswachstum. Im Dezember hatten die Wirtschaftsforscher noch mit 4,2 Prozent gerechnet. „Die Corona-Krise zieht sich hin und verschiebt den erwarteten kräftigen Aufschwung nach hinten“, sagte Ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser.
Die Anzahl der Arbeitslosen dürfte nach der Ifo-Prognose dieses Jahr leicht zurückgehen von 2,70 auf 2,65 Millionen. Die Arbeitslosenquote würde damit von 5,9 auf 5,8 Prozent sinken. Die Verbraucherpreise dürften um 2,4 Prozent steigen. Die Prognose hänge allerdings entscheidend vom weiteren Verlauf der Krise ab, betonten die Wirtschaftsforscher.
„Schnell impfen“
Das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW) rechnet für 2021 mit einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 3 statt wie noch im Dezember prognostiziert mit 4 Prozent. Das IW begründete seine Anpassung unter anderem mit steigenden Infektionszahlen, dem damit verbundenen verlängerten Lockdown und der stockenden Impfkampagne. Erst Anfang 2022 werde wieder Vorkrisenniveau erreicht, prognostizierte das IW. Es komme nun entscheidend auf die Impfkampagne an, ob es im zweiten Halbjahr einen Wirtschaftsaufschwung geben werde, betonte das IW. „Wir müssen schnell impfen“, sagte IW-Direktor Michael Hüther.
Deutlich optimistischer blickt das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung in das laufende Jahr: Das IMK rechnet für 2021 mit einer „kräftigen Erholung“ der Wirtschaft und einem BIP-Wachstum von 4,9 Prozent. Getrieben wird die Wirtschaft demnach vom Außenhandel und, besonders im kommenden Jahr, vom privaten Konsum. Das IMK gestand aber ein, dass seine Prognose mit „erheblichen Unsicherheiten behaftet“ sei, da schwer einzuschätzen sei, wie heftig eine dritte Corona-Welle werde.