Ratgeber RHEINPFALZ Plus Artikel Wie lassen sich alte Fotos retten?

Wenn Dias oder Negative digitalisiert werden sollen, stoßen Flachbettscanner oft an ihre Grenzen.
Wenn Dias oder Negative digitalisiert werden sollen, stoßen Flachbettscanner oft an ihre Grenzen.

Dass alte Fotoabzüge, Negative, Dias und Videos mit der Zeit verblassen oder farbstichig werden, ist bekannt – wird aber gern verdrängt. Wer die Schätze aus früheren Tagen rechtzeitig digitalisieren will, kann das auf verschiedene Weise machen. Aber welche Variante ist die beste?

Mit dem Scanner oder mit dem Smartphone? Oder doch lieber mithilfe eines professionellen Dienstleisters? Wie sich alte Erinnerungen am besten digitalisieren, hängt immer von der vorhandenen Hard- und Software, der Bereitschaft, Zeit und Geld zu investieren, der Art und Menge des analogen Rohmaterials und nicht zuletzt dem Anspruch an die Qualität des digitalen Endprodukts ab.

Papierabzüge

Hier ist zunächst Handarbeit angesagt. Die analogen Vorlagen sollten gesäubert und geglättet werden, damit die Digitalisierung nicht durch Schmutz oder Knicke beeinträchtigt wird, rät Christian Rentrop, Autor des Heise-Fachmagazins „Mac & i“. Für die Säuberung empfiehlt er ein Brillenputztuch, eine weiche Bürste, ein Foto-Reinigungsmittel oder Leitungswasser sowie - zum Entfernen von Staub - eine Luftsprühdose. Erst danach geht es ans Digitalisieren. Wer keine allzu hohen Anforderungen ans Resultat stellt, kann dafür den heimischen Scanner oder sogar das Smartphone nehmen.

Methode Scannen: Viele sind erstaunt, dass normale Multifunktionsdrucker mit Scan-Einheit fürs Einscannen von Fotoabzügen grundsätzlich geeignet sind. Wichtig ist allerdings die Wahl der richtigen Auflösung (in dpi, Dots per Inch, Punkte pro Zoll). „600 bis 1200 dpi sind für 10x15 Bilder ein guter Wert“, sagt Experte Rentrop. Er empfiehlt außerdem, für den Scan zunächst ein unkomprimiertes Format wie BMP oder TIF zu verwenden. Dafür werde zwar viel Platz benötigt, es habe aber den Vorteil, dass unnötige Qualitätsverluste vermieden würden. Die Archivierung in einem platzsparenden Format wie JPEG könne später erfolgen, sobald die digitale Nachbearbeitung des Scans abgeschlossen ist. Achtung: Wie die Fotos sollte auch das Scanner-Glas penibel sauber sein. Jeder Makel überträgt sich andernfalls auf den Scan.

Methode Abfotografieren: Eine Billiglösung ist, den Papierabzug mit der Kamera des eigenen Smartphones digital zu klonen. Dabei hilft eine aufs Mobilgerät geladene Foto-Scanner-App, die es gratis beispielsweise von Google gibt. Die Papiervorlage muss bei geöffneter App mehrfach abfotografiert werden, wobei jeweils ein anderer der angezeigten Punkte anzupeilen ist. Das Scannen geht schnell, hat aber einen Haken. „Die Fotos sind nicht einheitlich belichtet, es kann zu Verzerrungen, Spiegelungen oder Abschattungen kommen, die sich später nur schwer beheben lassen“, sagt Fachmann Rentrop. Um die Qualitätseinbußen möglichst gering zu halten, rät er dazu, beim Abfotografieren für eine gleichmäßig helle, aber doch diffuse Beleuchtung zu sorgen und außerdem ein Smartphone-Stativ zu verwenden.

Foto-Negative und Dias

Da diese Vorlagen wegen der Elektrostatik besonders anfällig für Staub sind, steht eine gründliche Säuberung wieder als erstes an. Gute Dienste leisten dabei eine Dia-Lupe und Leuchtplatte. Erschwert wird die Digitalisierung durch die geringe Größe der Foto-Negative und Dias verglichen mit Papierabzügen. „Tendenziell“ bieten einfache Multifunktionsdrucker hierfür eine „zu niedrige Auflösung“, wie Experte Rentrop sagt.

Als Alternative empfiehlt er den Einsatz eines hochwertigen Flachbett- oder speziellen Dia-Scanners, die eine Auflösung von mindestens 2400 dpi gewährleisten. Im Einzelnen weisen diese Geräte riesige Qualitätsunterschiede auf, etwa hinsichtlich der Größe des Magazins, in das die Dias gelegt werden können, oder der beherrschten Scan-Formate. Bessere Modelle besitzen eine automatische Fehlerkorrektur bei Kratzern auf der Vorlage und sie speichern die Bilder auf einer integrierten Speicherkarte. Mit einem sogenannten Albumscanner können eingeklebte Fotos digitalisiert werden. Solche Extras spiegeln sich auch im Preis. So nennt ein aktueller Dia-Scanner-Vergleich eine Spanne zwischen rund 100 und knapp 2500 Euro. Tipp: Teure Geräte können teils auch gemietet werden.

Dienstleister beauftragen: Das eigenhändige Digitalisieren kostet Zeit und Nerven, erfordert die richtige Hard- und Software - und bringt Ergebnisse, die Profis mit besserer technischer Ausstattung und Erfahrung in der Regel locker toppen können. Aber natürlich hat der Service seinen Preis. Es wird umso teurer, je mehr Aufgaben der Dienstleister übernimmt, etwa auch die Nachbearbeitung und Speicherung in verschiedenen Formaten. Günstiger wird der Auftrag bei großen Stückzahlen. So gewähren viele Anbieter einen Mengenrabatt. Deshalb lohne sich ein Scan-Service vor allem bei Aufträgen mit möglichst vielen Bildern, meint Hendrik Vatheuer vom „c“t Fotografie“-Magazin. Tipp: Sparen kann auch, wer den heimischen Fundus an Fotos rigoros durchforstet und nur die allerwichtigsten zum Profi bringt.

Abgesehen vom Preis stellt sich das Problem, dass private oder auch intime Aufnahmen aus der Hand gegeben werden. Dass Fremde sie betrachten könnten, schreckt manche Kunden ab. Zudem besteht die Gefahr, dass wertvolle Bilder auf dem Postweg verschwinden. Daher kann es sich lohnen, das Material persönlich zu einem lokalen Anbieter zu bringen und dort auch wieder abzuholen. Unter dem Stichwort „Fotolabor“ und dem Wohnort lassen sich entsprechende Dienstleister finden, erläutert Fachmann Vatheuer.

Video-Aufnahmen

Hier besteht die Besonderheit, dass das Auftreiben funktionierender Abspielgeräte für die verschiedenen Formate wie VHS, Betamax, Super-8 oder Video-2000 immer schwieriger wird. Umso mehr empfehlen Fachleute, nicht mehr lange mit der Digitalisierung zu warten. Wer die Arbeit selbst machen will, muss sich auch hierfür die geeignete Hard- und Software beschaffen. So berichtet das IT-Portal Chip.de von verschiedenen Verfahren zur Digitalisierung von VHS-Kassetten, für die ein sogenannter USB-Capture-Stick, ein Videograbber oder ein digitaler VHS-Rekorder benötigt werden. Da Laien mit solchen Utensilien üblicherweise nichts zu tun haben, dürften gerade die Besitzer von altem Film-Material dazu neigen, lieber einen Profi anzuheuern. Laut Chip.de digitalisieren im Internet groß werbende Dienstleister eine VHS-Kassette für rund 10 bis 15 Euro samt Brennen als DVD. Allerdings gilt auch hier: In der Region bieten manche Fotogeschäfte diesen Service ebenfalls an.

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