Aktien RHEINPFALZ Plus Artikel Wie gut sind Vorhersagen: BASF bei Studie in Spitzengruppe

Daimler Truck, hier die Zentrale in Leinfelden-Echterdingen, ist bei der Qualität der Prognosen in die Topkategorie aufgestiegen
Daimler Truck, hier die Zentrale in Leinfelden-Echterdingen, ist bei der Qualität der Prognosen in die Topkategorie aufgestiegen.

Nicht alle Dax-Konzerne liefern aussagekräftige Geschäftsausblicke. Gewinn- und Umsatzprognosen sind eine entscheidende Orientierungshilfe für Aktionäre. Die Angaben einiger Unternehmen lassen dabei zu wünschen übrig.

Der Geschäftsausblick eines Unternehmens ist für Anleger ein entscheidendes Kriterium – die Aktienauswahl hängt stark davon ab, welche Entwicklung bei Gewinn und Erlösen zu erwarten ist. Die Prognosen in den Jahresberichten werden am Finanzmarkt deshalb stark beachtet. Doch wie umfassend und transparent informieren die Konzerne im Dax? Eine Studie stellt den 40 Unternehmen im deutschen Leitindex insgesamt ein gutes Zeugnis aus, nennt aber auch einige negative Beispiele.

Auch in den Finanzabteilungen großer Konzerne gibt es keine Glaskugeln. Krisen und Konflikte können Geschäftsprognosen leicht umwerfen. Ob Corona-Pandemie, Ukraine-Krieg oder Handelsstreitigkeiten – immer wieder müssen Unternehmen auf externe Schocks reagieren. Bei der Qualität von Geschäftsausblicken geht es deshalb eher um Transparenz als darum, wie zutreffend sie sich im Nachhinein erweisen.

„Kein Investor erwartet, dass jede Prognose auch eintreffen wird“, erklärt Finanzexperte Jens Hecht vom Hamburger Analysehaus Kirchhoff Consulting. „Sie erwarten aber von den Unternehmen einen sorgfältigen und transparenten Umgang mit den Prognosen.“ Gemeinsam mit der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) nimmt Hechts Firma Jahr für Jahr die Geschäftsberichte der Dax-Unternehmen unter die Lupe. Alles in allem kommt die Auswertung auch dieses Mal zu guten Ergebnissen.

18 der 40 Unternehmen im deutschen Leitindex erreichten in den Transparenzkategorien „hoch“, „mittel“ und „niedrig“ die oberste Bewertung. An der Spitze stehen die Deutsche Telekom und der Gesundheitsdienstleister Fresenius.

Musterbeispiel BASF

Die BASF behauptete sich bei der diesjährigen Untersuchung in der höchsten Bewertungskategorie. Im Vorjahr war der Ludwigshafener Chemiekonzern in der Analyse neben der Telekom als Musterbeispiel für vorbildliche Prognosequalität aufgeführt worden. Neben textlichen Erläuterungen gebe BASF in Tabellen- und Diagrammform einen übersichtlichen Überblick zu wichtigen Kennzahlen, lobten die Prüfer. Darüber hinaus thematisiere das Unternehmen die zukünftige Dividendenpolitik.

Während Daimler Truck in diesem Jahr eine hohe Prognosequalität erreichte und in die Topkategorie aufstieg, wo sich auch die Porsche AG befindet, wurde Mercedes-Benz nun auf „mittel“ herabgestuft. Absteiger in die unterste Kategorie sind die Commerzbank und Merck. Sie gesellen sich zur Deutschen Bank, deren Prognosequalität bereits bei der Analyse im Vorjahr zu wünschen übriggelassen hatte.

Viel Text, wenig Transparenz

Kirchhoff-Analyst Hecht rät Konzernen, sich anzustrengen: „An der Börse wird die Zukunft gehandelt. Ein entsprechend gutes Erwartungsmanagement schafft Vertrauen und kann den Aktienkurs stärken.“ Somit sei es erstaunlich, dass dieses Jahr mehr Unternehmen in die niedrige Transparenzklasse fielen als in den Vorjahren. Negativ ausgelegt wurde Deutscher Bank, Commerzbank und Merck etwa, dass sie für dieses Geschäftsjahr keine konkreten Angaben zum erwarteten Ergebnis auf Konzern- oder Segmentebene machten.

Die Studie bewertet das Transparenzlevel danach, ob und inwieweit Unternehmen qualitative und quantitative Prognosen zu Ergebnissen, Umsätzen, Preisen und Kosten veröffentlichen. Zudem werden diverse weitere Angaben berücksichtigt, etwa zur erwarteten Entwicklung von Investitionen, Finanzierung, Liquidität, künftigen Produkten sowie Standorten und Dividendenpolitik.

Dabei bedeutet ein großer Umfang bei den Geschäftsberichten nicht automatisch höhere Transparenz – in der Analyse war sogar das Gegenteil der Fall. So waren die Prognoseberichte der drei Unternehmen, die in der niedrigsten Bewertungskategorie landeten, mit durchschnittlich sechs Seiten am längsten.

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