Ferien-Tipp
Wenig Hoffnung auf Urlaubsschnäppchen
Die Zeit der günstigen Last-Minute-Trips und Urlaubsschnäppchen scheint erst einmal vorbei zu sein. Wer auf den letzten Drücker rund um Ostern noch in die Sonne will, merkt schnell: Fliegen geht jetzt mächtig ins Geld, selbst innerhalb Europas ist das Angebot an Verbindungen knapp, die Nachfrage aber groß. Mietwagen sind nur zu Rekordpreisen zu ergattern. Und auch für individuell gebuchte Hotels, Ferienhäuser und Wohnmobile muss meist mehr Geld hingeblättert werden als noch im Vorjahr, selbst innerhalb Deutschlands. Was die Preise treibt, sind die Folgen der Corona-Pandemie, gestiegene Treibstoffkosten im Sog des Ukraine-Kriegs sowie die Inflation. Nur Angebote für Pauschalreisen oder Kreuzfahrten versprechen aktuell Preisstabilität. „Wie die Lage im Sommer aussieht, weiß niemand. Weil weitere Erhöhungen nicht auszuschließen sind, raten wir, möglichst früh zu buchen“, betont Torsten Schäfer, Kommunikationschef des Deutschen Reiseverbands (DRV) in Berlin. Billiger wird es sicher nicht.
Ticketpreise im Höhenflug
An Ostern geht sie so richtig los, die Reisesaison 2022. Und jetzt ist schon klar: Wer mit dem Flugzeug individuell verreisen will, muss dieses Jahr tiefer dafür in die Tasche greifen als 2021, wie das Vergleichsportal Idealo meldet. Fast alle Airlines haben während der Corona-Pandemie ihre Flotten verkleinert, Flugverbindungen ausgedünnt, Personal abgebaut und jetzt wegen der steigenden Kerosinkosten die Preise erhöht, wie Schäfer erklärt. Wer nicht schon vor Wochen gebucht hat und jetzt noch auf die Schnelle an Ostern etwa nach Teneriffa in die Sonne abdüsen möchte, hat Pech: Die wenigen Direktflüge für rund 450 Euro pro Person hin und zurück sind längst weg. Was noch zu haben ist, sind Verbindungen mit einem oder mehreren Stopps zum doppelten Preis. Laut Idealo ist etwa ein Flug im September nach Lissabon momentan noch für durchschnittlich 94 Euro zu haben. Das sind 62 Prozent mehr als 2021, aber 5 Prozent weniger als noch 2019. Wer jetzt schon für den Hochsommer bucht, macht keinen Fehler. Mit Flex-Optionen lässt sich umbuchen oder stornieren.
Rekordkosten für Mietwagen
Schon 2021 waren Mietwagen sehr teuer. In diesem Jahr steuern die Preise auf neue Rekordmarken zu, und zwar überall in der Welt. Beispiel Spanien: Gut 61 Euro pro Tag müssen Reisende dort jetzt an Ostern für einen Mietwagen ausgeben, das sind 114 Prozent mehr als im Vorjahr – wenn überhaupt noch ein Wagen zu mieten ist, wie Frieder Bechtel von billiger-mietwagen.de erläutert. Engpässe plus Rekordpreise sind speziell auf besonders begehrten Inseln wie Mallorca, Sardinien, Sizilien oder Korsika zu erwarten, vor allem in der Hauptreisezeit zwischen Mitte Juni und Mitte September. Kostspielig wird Auto-Mieten auch für USA- oder Schweiz-Reisende. Als Grund nannte Bechtel die coronabedingt stark verkleinerten Flotten, die wegen aktueller Lieferprobleme der Autoindustrie jetzt nicht so einfach wieder schnell aufgestockt werden können, schon gar nicht auf Inseln. Weil alle Welt inzwischen wieder verreisen wolle, sei das Angebot knapp – und deshalb teuer, so Bechtel: „Wir raten, so lange wie möglich im Voraus zu buchen.“ Reservierungen können bis kurz vor Abreise kostenfrei storniert werden.
Auch Übernachten kommt teurer
Wer auf eigene Faust Urlaub plant, muss sich auf steigende Übernachtungspreise einstellen. Das gilt nicht nur für Fernreisen oder für Trips ins benachbarte Europa. Auch Urlaub im eigenen Land, zwischen Rügen und Garmisch-Partenkirchen, dürfte stärker ins Geld gehen als noch 2021. Laut Vergleichsportal Check24 kosten Ferienwohnungen in Deutschland in der Hauptreisezeit Juni bis August derzeit im Schnitt 12 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Hotelübernachtungen verteuern sich demnach um durchschnittlich 16 Prozent. Höhere Kosten für Selbstverpflegung und Essengehen sind da noch nicht einberechnet. Der Bayerische Hotel- und Gaststättenverband stimmte bereits vor dem Ukraine-Krieg auf Preissteigerungen im Gastgewerbe ein. Dazu kommt: Vielerorts wird jetzt eine Touristensteuer eingeführt, wie etwa in Thailand, wo seit April eine Einreisegebühr von 300 Baht (etwa 8 Euro) zu zahlen ist. In Venedig soll im Sommer die Touristengebühr kommen. An Drehkreuzen in der Stadt werden dann in der Hauptsaison 10 Euro „Eintritt“ fällig, in der Nebensaison 3 Euro. Kurtaxe oder Touristensteuer sind bereits in vielen anderen Ländern Usus wie etwa in Italien, Ungarn, Spanien, Slowenien, Polen oder der Türkei. Außerdem in USA, Japan, Neuseeland und auf vielen karibischen Inseln.
Mehr Preisstabilität bei Pauschalreisen und Kreuzfahrten
Wer auf Planungssicherheit für seine Urlaubskasse angewiesen ist, sollte Pauschalreisen in Betracht ziehen, rät DRV-Sprecher Schäfer. Das Preisniveau in diesem Segment sei im Vergleich zu Individualreisen bislang weitgehend stabil geblieben. Die Veranstalter haben ihre Verträge für Hotels und Flüge für die kommenden Wochen längst unter Dach und Fach. Treibstoffzuschläge für bereits bestehende Buchungen in diesem Sommer seien nicht zu erwarten, betont Schäfer: „Wer jetzt seinen Sommerurlaub fix macht, kann darauf vertrauen, dass es keine nachträglichen Erhöhungen gibt.“ Allerdings gilt auch hier: Wer auf den letzten Drücker bucht, muss mit höheren Preisen rechnen. Last-Minute-Schnäppchen dürfte es kaum geben. Ähnlich will es offenbar die Kreuzfahrtbranche halten, die die steigenden Ölpreise hart trifft. Beispiel Tui Cruises: Selbst für Neubuchungen mit der „Mein Schiff“-Flotte soll es keine Treibstoffzuschläge geben, anders als es so manche Fluggesellschaft hält. Auch die gestiegenen Lebensmittelpreise will die Reederei nicht an die Kundschaft weitergeben, wie Wybcke Meier von Tui Cruises verspricht. DRV-Sprecher Schäfer rät Urlaubern, bei allen Buchungen in diesem Jahr auf flexible Umbuchungs- respektive Stornierungsoptionen zu setzen.
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