Wirtschaft Weingut Eymann in Gönnheim: Beeren alter Reben für Lagenweine
In den 1980er-Jahren gehörte Rainer Eymann zu den ersten Öko-Winzern in der Pfalz. Sein Sohn Vincent hält am Weinbau im Einklang mit der Natur fest.
In dritter Generation führt der erst 27-jährige Weinbautechniker den vom Großvater vor rund 60 Jahren erworbenen Betrieb, in dem anfangs freilich nicht nur Rebstöcke standen, sondern auch Obst und Gemüse für ein Auskommen sorgten. Doch rasch bestimmte der Weinbau das Geschehen. In den zurückliegenden Jahren hat der junge Winzer die Anzahl der Rebsorten fast halbiert. Dafür konzentriert er sich auf Riesling, Pinot Noir, weiße Burgundersorten und Merlot. Die Böden rund um Gönnheim, geprägt von Löss, Kalk und vielen Mineralstoffen, bieten Vincent Eymann die Basis für seine Weine, die einen körperreichen Charakter haben sollen. Dabei ist für ihn die Biodynamik unumgänglich, verhilft sie doch seinen Weinen zu Langlebigkeit.
Jede zweite Flasche geht ins Ausland
Mächtig stolz ist der junge Mann, dass es ihm gelungen ist, in Bad Dürkheim und Wachenheim rund zwei Hektar Weinberge in bester Lage mit vielen über 80 Jahre alten Rebstöcken zu übernehmen. Den Beeren, die als Lagenweine auch ihren Preis haben, gönnt er nach der Spontangärung eine lange Reifezeit im Holzfass. „Sie sollen einzigartig sein“, betont der Kellermeister, der damit ambitionierte Weintrinker ansprechen möchte. Lag vor etwa vier Jahren der Exportanteil noch bei mageren 8 Prozent, geht heute jede zweite Flasche ins Ausland. Vor allem seine Rieslinge und die Spätburgunder, Weine vom Gönnheimer Sonnenberg und aus dem Mandelgarten, sind in Dänemark und England, vor allem aber auch in Schweden hochgeschätzt. „Die langjährige Biodynamik wird gerade in Skandinavien honoriert“, erzählt der Weinbautechniker, dem in der Regel allein Zufälle neue Vertriebskanäle erschlossen. Eymann ist nicht der Typ Winzer, der lautstark die Werbetrommel für sich rührt. „Ich bin eher ein Eigenbrötler.“ Einer, der akribisch die alte Schule pflegt, dabei nichts unversucht lässt, seine Einzellagen schmeckbar zu machen. Unterstützt wird er dabei von einem Mitarbeiter im Keller, auch von seinen Auszubildenden und Saisonkräften, die vor allem bei der Handlese ihren Dienst tun. Und natürlich von den Eltern, wobei ihm die Mutter Büro und Verkauf abnimmt.
Kleinere Erträge aus mehr Stöcken
Während seiner Studienzeit in Geisenheim ist Eymann oft in Burgund gewesen, hat von anderen gelernt. Auch die Vorzüge einer Dichtbepflanzung: Stehen gewöhnlich auf einem Hektar rund 5000 Rebstöcke, bringt es Eymann dort, wo er sich vom Terroir etwas verspricht, auf etwa 8500. „Damit lässt sich die Einzellast reduzieren“, sagt er. Kleinere Erträge aus mehr Stöcken heißt für ihn eine stabilere Vitalität. Die möchte er forcieren, auch um noch mehr von der Mechanisierung wegzukommen. Viel mehr als ein Steckenpferd ist für ihn sein Sekt geworden, ausschließlich traditionelle Flaschengärung. Inzwischen stehen fünf Schaumweine auf seiner Liste, die lange auf der Hefe liegen. Sein Vintagesekt bleibt ein ganzes Jahr im Holzfass. Gefragt sind seine Weine und Sekte, mit denen er jährlich rund 700.000 Euro umsetzt, auch im Fachhandel, der mehr als ein Drittel der Jahresproduktion abnimmt. Etwa 10 Prozent gehen in die Gastronomie, nicht nur in die hauseigene, der bescheidene Rest ist für Endverbraucher ab Hof reserviert. Bei einem durchschnittlichen Hektarertrag von etwa 6500 Liter liegt die Jahresproduktion zwischen 120.000 und 150.000 Flaschen. Verzicht übt der Biowinzer bei den Flaschenkapseln, dafür pflegt er große Transparenz auf der Flasche: „Handgelesener Riesling von bis zu 88 Jahre alten, teils wurzelechten Reben, spontan vergoren im Holzfass, Produktion 8186 Flaschen, 120 Magnums“, steht auf einem Rückenetikett eines Selektionsweins. Ginge es nach ihm, würde er alle Weine in traditionellen Holzfässern reifen lassen. Preisbeispiel Riesling „Alte Reben“, Jahrgang 2018, kostet 14.90 Euro.