Wirtschaft Wegweiser weg vom Verbrennungsmotor

Das Modell 3 von Tesla (Foto) ist 400.000 Mal vorbestellt. Die Wartezeit bis zur Auslieferung könnte weit über ein Jahr betragen
Das Modell 3 von Tesla (Foto) ist 400.000 Mal vorbestellt. Die Wartezeit bis zur Auslieferung könnte weit über ein Jahr betragen: Erst im Dezember will das Unternehmen 20.000 Wagen pro Monat bauen. Im Juli sind es lediglich 30. Das Fahrzeug kostet in den USA 35.000 Dollar (30.800 Euro), der Preis für Deutschland ist offen.

«Ludwigshafen.» Das hätte sich vermutlich in Birkenfeld genauso wenig jemand in der öffentlichen Verwaltung vorstellen können wie in Haßloch, Pirmasens oder Deidesheim: Die vier Kommunen und noch acht weitere haben gemeinsam einen Antrag auf Bundesmittel gestellt, denn sie wollen Ladesäulen für Elektroautos aufstellen. Zusammengebracht hat sie Peter Götting. Der Geograf und Wirtschaftswissenschaftler leitet die Lotsenstelle für alternative Antriebe der Energieagentur Rheinland-Pfalz.

Ein Hemmschuh dafür, dass mehr Verbraucher statt eines Autos mit Verbrennungsmotor zu fahren auf einen Wagen mit Elektroantrieb umsteigen und damit klimaschädliche Abgase vermeiden, ist der bisher recht hohe Anschaffungspreis der Wagen. Wesentliche Voraussetzung für den Umstieg ist aber auch ein funktionierendes Tankstellennetz. Aber wer baut wo wie viele Ladesäulen für E-Autos? Wo sind Schnellladesäulen nötig, wo tun es auch herkömmliche, langsamere Stromtankstellen? Wie groß ist der Bedarf, und welche Anzahl macht sich in einem einigermaßen überschaubaren Zeitraum bezahlt? Diese Fragen mussten sich bis vor Kurzem die rheinland-pfälzischen Kommunen selbst beantworten – mehr oder weniger fundiert. Leichter fällt die Einschätzung dem Projektleiter der Lotsenstelle für alternative Antriebe der rheinland-pfälzischen Energieagentur, Peter Götting. Aus Mitteln des europäischen Fonds für regionale Entwicklung (Efre) wird das auf drei Jahre angelegte Projekt finanziert. Seit Jahresbeginn ist die Lotsenstelle eingerichtet, die mit zwei Vollzeitstellen besetzt ist.„Wir haben das Phänomen, dass man uns die Tür regelrecht einrennt“, berichtet Götting, der von Ludwigshafen aus tätig ist. Eine Tatsache, die die Energieagentur, vorsichtig formuliert, nicht gerade gewöhnt ist: Sie ist in ihrem inzwischen fünfjährigen Bestehen immer wieder der Kritik ausgesetzt, dass sie Themen besetzt, die ohnehin von den Kommunen behandelt werden, die wenig öffentlichkeitswirksam sind oder kritisch diskutiert werden wie etwa die Wärmedämmung von Gebäuden. „Bei anderen Themen müssen wir viel Überzeugungsarbeit leisten“, räumt Götting ein. Bei dem vergleichsweise neuen Themenfeld Elektromobilität ist das offenbar anders. Weil der Info- und Beratungsbedarf der Kommunen groß sei, verzichte man weitgehend auf Einzelberatung, sondern lade die Vertreter der Kommunen zu gemeinsamen Workshops ein. Ein weiteres Aufgabenfeld der Lotsenstelle ist die Infobereitstellung, die weitgehend übers Internet erfolgen soll. Derzeit sind aber vor allem die Anträge auf Zuschüsse für die Errichtung der Ladesäulen ein großes Thema – viele Energieversorger-Töchter Pfälzischer Kommunen fahren im wörtlichen Sinn darauf ab. Dass die Lotsenstelle eine Wächterfunktion für die Kommunen erfüllt, die Augen nach weiteren Möglichkeiten offen hält, an Drittmittel zu kommen, dafür seien diese sehr dankbar. Wird Götting fündig, schickt er Mailings an die Verantwortlichen vor Ort. „Inzwischen sind wir schon ganz gut bekannt“, stellt er fest. Das aktuelle Programm der Bundesregierung unterstützt die Anschaffung und die Installation von E-Auto-Ladesäulen mit bis zu 60 Prozent der Kosten. Dass die Stromtankstellen kurz- bis mittelfristig kostendeckend zu betreiben sind, bezweifelt Götting, denn: „Die Errichtung ist einfach, aber der Betrieb inklusive der Abrechnung ist aufwendig, wenn er nicht im großen Verbund erfolgt.“ Immerhin gibt es inzwischen ein Regelwerk für den Betrieb: Die Ladesäulenverordnungen eins und zwei schreiben vor, dass es einen diskriminierungsfreien Zugang zu den Ladesäulen geben muss. Sie dürfen also nicht etwa ausschließlich den Kunden eines speziellen Versorgers vorbehalten sein. Bezahlt werden kann per EC- und Kreditkarte sowie über den Bezahldienst Pay Pal. Die Lotsenstelle strebt ein einheitliches regionales Betreibermodell an und hat dazu jüngst einen Workshop veranstaltet. Dass die – inzwischen wieder zurückgenommene – Prognose der Bundesregierung, der zufolge bis 2020 eine Million Elektrofahrzeuge auf Deutschlands Straßen fahren sollen, durchaus realistisch sein könnte, dafür spricht Götting zufolge einiges. Denn zu den derzeit 7000 Ladesäulen für E-Autos kämen durch das Förderprogramm weitere 15.000 bundesweit hinzu. Verglichen mit den 14.000 Straßentankstellen (ohne Autobahntankstellen, solche für Gasfahrzeuge und Biosdiesel) für Sprit sieht Götting die E-Fahrzeuge damit im Vorteil. Zudem biete der US-Elektroautobauer Tesla mit dem seit Freitag am Markt befindlichen Tesla 3 nun auch in Europa ein bezahlbares, mit mehr als 300 Kilometern Reichweite komfortables E-Fahrzeug an. Derzeit seien zwar nur 60.000 E-Autos in Deutschland angemeldet. Aber es gebe bereits 60.000 verbindliche Bestellungen aus Deutschland für das neue Tesla-Modell. Nils fragt

x