Verkehr
Weg zu Bus und Bahn oft weit
Laut der Untersuchung der „Allianz pro Schiene“, in der sich Gewerkschaften mit Umwelt- und Verbraucherverbänden zusammengeschlossen haben, sind Bayern und Mecklenburg-Vorpommern Schlusslichter unter den Flächenländern, vorne liegen das Saarland, Hessen, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz liegt im Mittelfeld.
Bei den schlecht platzierten Bundesländern sei der öffentliche Verkehr in der Fläche stark ausgedünnt, betont Dirk Flege, Geschäftsführer des Schienenbündnisses. Dafür sei die Landespolitik verantwortlich. Für viele Menschen seien dort die Wege zum Nahverkehr noch immer zu lang. Insgesamt habe sich die Erreichbarkeit von Bussen und Bahnen in allen Bundesländern aber verbessert.
Stadtstaaten vorn
Die Auswertung basiert auf Daten des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) aus dem vorigen Jahr. Das Institut berechnet den Anteil der Bevölkerung, der innerhalb eines Radius von 600 Metern Luftlinie bis zu einer Bushaltestelle oder 1200 Metern bis zu einem Bahnhof lebt. Dabei müssen die Stationen mindestens 20 Abfahrten pro Tag anbieten. Eine Bushaltestelle sollte demnach also ungefähr in acht bis zehn Minuten Fußweg, ein Bahnhof in rund 20 Minuten erreichbar sein.
Die Bewohner der drei Stadtstaaten haben bis auf wenige Ausnahmen einen solch schnellen Zugang zu öffentlichen Verkehrsmitteln. In Berlin gilt das für 99,5 Prozent der Bevölkerung, Hamburg (99,1 Prozent) und Bremen (99,0 Prozent) folgen dichtauf. Bemerkenswert dicht ist das Netz der Haltestellen auch im Saarland (96,7 Prozent) und in Hessen (96,6 Prozent). Unter den großen Flächenländern können zudem Nordrhein-Westfalen mit seinen großen Ballungsregionen sowie Baden-Württemberg (jeweils 95,8 Prozent) punkten.
Rheinland-Pfalz im Mittelfeld
Rheinland-Pfalz bewegt sich mit einem Wert von 90,6 Prozent im Mittelfeld der Flächenländer, bleibt damit aber noch unter dem Bundesdurchschnitt von 91,4 Prozent. Allerdings verzeichnet der Wert für Rheinland-Pfalz den zweitstärksten Zuwachs seit der letzten Erhebung 2018.
In Bayern (82,4 Prozent) ist dagegen fast jeder fünfte Einwohner länger zu Bus oder Bahn unterwegs, Noch ausgedünnter sind die Haltestellen im dünn besiedelten Mecklenburg-Vorpommern. Beide Länder liegen deutlich unter dem bundesweiten Durchschnitt von 91,4 Prozent der Bürger, für die der Fußweg zum öffentlichen Verkehr nach den BBSR-Vorgaben zumutbar ist. Bei der letzten Erfassung von 2018 betrug der Wert noch 89,7 Prozent.
Fortschritte auch in Bayern
Das zeige, dass auch auf dem Land weniger Menschen abgekoppelt vom öffentlichen Verkehr sind als zuvor und Bus und Bahn zurück in die Fläche kommen, so Flege. Auch Mecklenburg-Vorpommern habe sich von knapp 75 Prozent auf knapp 79 Prozent und Bayern von rund 79 Prozent auf rund 82 Prozent verbessert. Der Rückstand zum Bundesdurchschnitt bleibe aber groß, die Landesregierungen dürften sich „auf diesen ersten Erfolgen nicht ausruhen“.
Die Allianz pro Schiene hat auch die 401 Landkreise und kreisfreien Städte verglichen. Ganz vorne liegt dabei Schweinfurt (99,99 Prozent) vor Frankfurt (99,98 Prozent), Mainz (99,97 Prozent), Bamberg (99,96 Prozent) und Kassel, Bonn sowie Offenbach am Main (alle 99,95 Prozent). Der Main-Taunus-Kreis (99,48 Prozent) ist demnach bundesweit der Landkreis mit der besten Anbindung. Ganz hinten liegen ländliche Regionen wie die bayerischen Landkreise Cham (39,69 Prozent), Straubing-Bogen (33,85 Prozent), Rhön-Grabfeld (32,23 Prozent), Dingolfing-Landau (27,44 Prozent) und Freyung-Grafenau, wo nur 15 Prozent der Bürger raschen Zugang zu öffentlichen Verkehrsmitteln haben.
Klimaschutz im Verkehr funktioniere nur mit einem dichtem Netz an Bahnhöfen und Haltestellen, betont die Allianz pro Schiene. Auch die Anzahl der angebotenen Fahrten müsse deutlich erhöht werden, sollen Menschen in ländlichen Regionen eine Alternative zum privaten Pkw haben. Zehn Fahrten pro Richtung reichten nicht aus, nötig sei mindestens ein Stundentakt.
Lesen Sie auch: „Unfallforscher: Reisebusse können Falle für Passagiere werden“