Verbraucher-Tipp
Warnung: 3600 Euro für fünf Stunden Arbeit
Das Landeskriminalamt (LKA) und die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz raten zur Vorsicht, wenn Fremde an der Haustür oder mit Briefkastenwerbung und Flyern in Zeitungen für die Reinigung von Hauseinfahrten und Dächern werben. Der Verbraucherzentrale sind in jüngster Zeit mehrere Fälle bekannt geworden, die sie als betrügerisch einschätzt, davon auch welche in der Pfalz. Die Handwerkskammer der Pfalz in Kaiserslautern hat in der Vergangenheit ebenfalls Kenntnis von unseriösen Dach- und Steinreinigerfirmen erlangt. „Aktuell liegen uns jedoch keine Beschwerden oder Anfragen von Betrieben oder Hausbesitzern vor“, so die Kammer auf Anfrage.
Überhöhter Preis: Laut Verbraucherzentrale wollte eine Firma eine bemooste Außenfläche in zwei bis drei Tagen zum Preis von 3600 Euro reinigen. Die Arbeiten seien jedoch nach fünf Stunden erledigt gewesen. Eingefordert wurden die 3600 Euro in bar – und der Kunde zahlte. „Der Preis ist absolut überzogen, aber die Verbraucher waren so überrumpelt, dass sie die Zahlung dann in der vereinbarten Höhe geleistet haben, obwohl die Arbeiten wesentlich weniger Zeit in Anspruch genommen haben“, sagt Rechtsexpertin Jennifer Kaiser. Der Fall spielte sich laut Verbraucherzentrale in Koblenz ab. In einem anderen Fall habe eine Firma 2000 Euro verlangt, obwohl der Hausbesitzer die Reinigung nach vier Stunden stoppte – wegen der „Riesenschweinerei“, die die Arbeiter veranstalteten hätten.
Masche Schwarzarbeit: In einem Fall in der Pfalz geht es den Angaben zufolge um eine Firma, die für die Reinigung von Einfahrten mit Faltblättern warb. Der Reiniger habe angeboten, zu einem günstigeren Preis schwarz zu arbeiten. „Da die Arbeiten schlecht ausgeführt waren, wollte die Kundin reklamieren“, so die Verbraucherzentrale. Wegen der Schwarzarbeit sei das aber nicht gegangen. „Mit dieser Masche wehren dubiose Anbieter mögliche Ansprüche ab“, sagt Expertin Kaiser.
Masche „Material übrig“: In einem weiteren Fall in der Pfalz bot sich eine Firma an der Haustür an, da sie in der Nachbarschaft früher fertig geworden sei und noch Reinigungsmaterial übrig habe. Der Hausbesitzer habe zunächst eingewilligt, kurz nach Beginn der Arbeiten aber Zweifel bekommen und nach einer Visitenkarte gefragt. Vorgezeigt worden sei ihm „lediglich eine zerfledderte Reisegewerbekarte, ausgestellt von einer Behörde in Nordrhein-Westfalen“. Nach einer Personenkontrolle durch die eingeschaltete Polizei „fuhren die Männer mit ihren in Irland zugelassenen Transportern davon“, so die Verbraucherzentrale.
Vorsorge treffen: Um jedem Ärger vorzubeugen, raten LKA und Verbraucherzentrale, nie spontan an der Haustür Aufträge an Drückerkolonnen zu erteilen. Stattdessen sollten sich die Hausbesitzer zunächst eine Visitenkarte oder ein Faltblatt mit Firmenname und Anschrift geben lassen. Die Angaben könnten dann in Ruhe geprüft werden. Anstelle einer Barzahlung wird empfohlen, eine Überweisung des Geldes nach Erhalt der Rechnung zu vereinbaren.
Die Handwerkskammer der Pfalz teilt dazu mit: „Um auf Nummer sicher zu gehen, empfehlen wir jedem Bauherrn oder Hausbesitzer, sich grundsätzlich von einem seriösen Handwerksunternehmen, das in die Handwerksrolle eingetragen ist, ein Angebot über anstehende Arbeiten einzuholen.“ Vor einer Auftragsvergabe geprüft werden sollte in jedem Fall die Seriosität des Unternehmens. Die Berater der Kammer stünden telefonisch, per E-Mail sowie persönlich vor Ort in den Kundencentern in Ludwigshafen, Landau und Kaiserslautern für Auskünfte zur Verfügung, so die Handwerkskammer.